Hier ein Bericht über meine Tage bei Frank und seinem Katzenharem in Ottenstein im schönen Weserbergland.
Freitag, 14.August
Immer wenn ich zu Frank fahre, setzte ich mich ab Frankfurt in einen Intercity, der mich direkt in knapp drei Stunden nach Kreiensen bringt.
Ich hatte Glück und hatte einen Zweiersitz für mich alleine. Eng gequetscht neben einer fremden Person sitzen finde ich sehr unangenehm. Trotz Lesematerials war mir langweilig. Zunehmend gehen mir diese Reisezeiten auf die Nerven, der Weg ist eben nicht immer das Ziel. Einmal mehr wünschte ich, ich könnte apparieren und gelänge innerhalb weniger Sekunden an mein Ziel.
Passenderweise spukte mich der Zug um 15:14 direkt an der Stelle aus, an der Frank am Bahnhof auf mich wartete.
Es ist schon eine Tradition, dass wir unmittelbar nach meiner Ankunft mit dem Auto nach Salzhemmendorf in die Ith-Therme fahren.
Das Wetter war frisch genug, um dort im 34°C warmen Wasser keinen Hitzeschlag zu bekommen. Bahnen schwimmen kann man dort nicht, aber sich einfach in der Sole treiben lassen und die Schwerelosigkeit genießen. Es gibt auch ein Außenbecken, in dem man mit dem Kontrast zwischen warmen Wasser und kalter Luft experimentieren kann.
Zweimal nahm ich an der Wassergymnastik teil, die hier im Eintrittspreis enthalten ist. Zum Abschluss suhlten wir uns in einem Whirlpool.
Nach der Entspannung im Mutterelement fuhren wir nach Ottenstein in Franks Hexenhäuschen, ein rustikales Fachwerkhaus mit seinem ganz eigenen Charme und Paradies für, äh wieviel sind es denn jetzt, Katzen. Nach und nach bekam ich alle Damen zu sehen: Luna, Engelchen, Kuschel, Pauline, Phoebe von Tilan-Dru, Vandana, Mohrle. Dazu weilen manchmal noch Schwiegerkater zu besuch und einige Katzenkinder vom Nachbarn. Bei einigen Katzen handelt es sich um Verwandtschaft von meinem Albus Dumbledore.
Kuschel ist seine Oma, Phoebe seine Mama und Vandana seine (Halb)Schwester. Die zierliche Vandana hat ein Fiepsie geboren, das zweite war eine Totgeburt und mehr waren in der kleinen Vandana nicht drin. Das Fiepsies heißt Vanessa und hat weißes, fluffiges Fell mit einem grau getigerten Schweiflein. Immer wenn Vandana kreischt, bettet Frank das Fiepsie zu ihrer Zufriedenheit um.
Nach der Fiepsie-Besichtigung schlug ich mein Lager auf einem Futonbett in einem eigenen Raum auf und nestelte mir eine Oase aus Samt und Satin zusammen.
Mit knurrenden Mägen spazierten wir begleitet von Luna zur Ottensteiner Burg. Viel ist nicht mehr übrig von der Burg, auch keine Ruine, aber ein Haus, das als Restaurant genutzt wird. Wir nahmen im Burghof Platz. Ich bestellte wieder den leckeren Hirtensalat mit Schafskäse dazu geröstetes Fladenbrot und ein paar von Frank stibitzte Pommes. Weniger lecker war die zufühlens sinkende Temperatur. Ich träumte von einer Kuscheldecke und wir gingen schließlich in das Haus hinein. Viel besser.
Ich suchte mir für die obligatorische Bettlektüre ein paar Hefte von Frank (Raum und Zeit, Magazin 2000) und ein Buch über Bruno Gröning zusammen.
Für nächtliche Wanderungen reichte mir Frank eine überdimensionierte Taschenlampe. So vorbereitet konnte ich Hypnos entspannt erwarten.
Samstag, 15.August 2009
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit frischen Brötchen, Käse und vegetarischen Brotaufstrichen, alles Bio, machten Frank und ich uns auf den Weg nach Hannover.
Ich hatte uns zu einer Meditation bei meiner früheren Meditationslehrerin angemeldet. Als ich noch in Hannover wohnte, bin ich zwei Jahre lang alle zwei Wochen Mittwochs in die Meditationsgruppe gegangen. Claudia O. gehört zu den Lichtarbeitern, ist medial begabt und channelt. Die heutige Meditation war außerhalb einer festen Gruppe und hatte weibliche Geistheiten nebst drei Maorikrieger zum Thema.
Damals hatte ich die Meditationsgruppe verlassen, es passte für mich nicht mehr, die Zeit war einfach vorbei. Doch in all der Zeit war mir immer klar, dass ich noch einmal zu Claudia gehen muss, um dieses Kapitel meines Lebens abschließen zu können. Ich empfing daher Claudias Newsletter und nun endlich hat es terminlich geklappt.
Erst auf dem Weg nach Hannover merkte ich, dass wir zu spät dran waren. Ich hatte Mitschuld an der Verspätung, denn ich sprang auf dem Weg noch bei KIK herein, um eine Vliesdecke für kühle Abende zu kaufen.
Mon Dieu, eine Katastrophe, wo ich Pünktlichkeit doch so schätze, wie peinlich, wenn wir mitten in die Meditation rein platzen und mit unserem Geklingele stören.
Frank hingegen blieb die Ruhe in Person. Am Ende waren wie ca. 15 Minuten zu spät und tatsächlich hatten die anderen Damen schon angefangen. Ich unterhielt mich kurz mit Claudia und versuchte mich an die neuen Räume zu gewöhnen. Claudia war nämlich mit ihrer Praxis vor zwei Jahren umgezogen, kurz nachdem ich die Gruppe verlassen hatte.
Der Meditationsraum war erheblich kleiner als der frühere und, das schlimmste, alle saßen auf Stühlen. Habe ich schon mal erwähnt, wie ungern ich auf Stühlen sitze? Ich weiß nie wohin mit meinen kurzen Beinen, die unbequem herab reichen. Mit Fußschemel erführe ich eine Linderung, aber wo werden zu Stühlen schon Fußschemel gereicht? Sonst saßen wir immer auf dem Boden und ich legte mich hin.
Eine rechte Gruppenenergie wollte auch nicht aufkommen, oder ich fand mich nicht in die Gruppe ein. Mit Rückenschmerzen und Bauchschmerzen kämpfend hatte ich kaum Konzentration für die Meditation übrig. In der anschließenden Gesprächsrunde, in der man von seinen Erlebnissen während der Versenkung berichten konnte, sagten die meistens nichts, sehr ungewöhnlich. In der Pause nahm ich mein Opium, aber dadurch wurde es nicht besser.
Ich war froh als es um 13:30 zu Ende war. Claudia hatte eine halbe Stunde früher aufgehört, vielleicht hatte sie gemerkt, dass die Gruppe unkonzentriert war. Frank sagte, er habe sich in der Gruppe unwohl gefühlt, weil er als einziger Mann eine Abneigung gegen Männer verspürt habe.
HANNOVER. Juhu, ich war in Hannover, alles war so vertraut als wir durch die Stadt fuhren, da kamen Heimatgefühle auf. Frank fuhr mit mir bei der Loccumer Straße 7b vorbei. Mein altes Sanktuarium ist wieder vermietet, grummel, das gönne ich den neuen Mieter nicht. Baskal oder so ähnlich stand am Klingelschild.
Seufz- und schon musste ich mich wieder verabschieden und wir fuhren zurück ins Weser Bergland. In Bodenwerder besuchten wir direkt an der Weserpromenade ein italienisches Restaurant. Eigentlich wollten wir Eis essen, aber mir war nach etwas Herzhaftem, also verschwanden Salate in unseren Mägen.
Nach einer kurzen Pause in Franks Hexenhaus fuhren gegen 17:00 nach Lichtenhagen, einem Nachbarort von Ottenstein.
Hier hatte Dr. Sawalies, ein Psychologe aus Düsseldorf, ein Fachwerkhaus gekauft, welches restauriert und als Seminarhaus genutzt werden soll. Auf dem dazu gehörigen Gelände hat er unterstützt von seinem Bruder einen Steinkreis im Stil einer germanischen Thingstätte errichten lassen. Als ich mir die Website dazu durch las, hatte ich Schwierigkeiten das Seminarhaus eines Schulpsychologen mit einem Thing in Verbindung zu bringen, however, kann ich an diesem Thema natürlich vorbei gehen und ich freue mich, dass hier der Kultur unserer Vorfahren gedacht wird.
Auf dem Programm der Einweihungsveranstaltung standen für Samstag diverse Vorträge, ein Schamane und, last but not least, ein Buffet.
Das Gelände war hübsch zu recht gemacht mit Wimpeln und Tüchern an den Bäumen, ausgezeichnete Aussicht, der Steinkreis klein aber oho, das Fachwerkhaus noch verfallen und unrenoviert, angereichert mit uralten, im Verfall begriffenen Möbeln, voller energetischem Dreck, gruselig geradezu, der erste Stock nur über eine steile, wackelige Stiege zu erreichen, die ich wie Franks Stiege nur rückwärts herunter gehen kann.
Aber wir saßen ja draußen auf Bänken und Tischen im einem lauen Sommerabend.
Mit Verspätung hielt der Psychologe seine Eröffnungsrede. Er sei von einem Historiker angeschrieben worden, der ihm Vorhaltungen bezüglich der Thingstätte gemacht hätte, sei doch wohl bekannt, dass die Nazis auch Things errichtet hätten und das ganze Reich mit diesen Stätten hatten überziehen wollen. Wer also ein Thing aufbaute, begäbe sich in das Fahrwasser der Nazis. Verwundert stellte der Historiker fest, dass man auf Herrn ……. Homepage sonst gar keine Hinweise auf eine rechtsradikale Gesinnung fände.
ARGH! ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN -NAZIIIIIIIIIS!
Diese Nazi-Neurose wird im Laufe der Zeit immer schlimmer statt besser. Der Nazi-Neurotiker ist überzeugt, dass Nationalsozialismus ansteckend ist. Alles was jemals von Nazis berührt, eingeatmet, ausgesprochen oder gestreift wurde ist ewiglich mit dem Nazi-Virus kontaminiert und muss in die Quarantäne des Vergessens gesteckt werden, so lange es nicht der Aufrechterhaltung des Naziverbrechen-Schuldkomplexes dient.
Weil die Nazis sich eines verzerrten Germanenbildes bedienten, ist jetzt alles Germanische nationalsozialistisch. Die basisdemokratische Einrichtung des Things, das zur Rechtsprechung und Kommunikation innerhalb eines oder mehrere Stämme diente, ist allezeit zu einem Ort des nazistischen Ungeistes geworden, ganz gleich ob es Tausende Jahre vor oder 70 Jahre nach den Nazis errichtet wird.
Der Psychologe nahm es gelassen, schwul und mit einem Schwarzafrikaner verehelicht, fühlt er sich zurecht über jeden Nazi-Verdacht erhaben und lud den Historiker ein, heute einen Vortrag über seine Nazi-Things zu halten. Glücklicherweise blieb uns das erspart, warum auch immer, der Historiker war verhindert.
Da lauschte ich lieber dem ungewohnt spannenden Vortrag einer Dame über die altgermanischen Thingstätten. Sehr interessant und trotz der patriarchalen Struktur hatten auch die Frauen was zu sagen, vielleicht kaufe ich mir das Buch dazu.
Schließlich lud der Schamane die Besucher in den Steinkreis ein, um ein Vorritual zu beginnen.
In seiner Ansprache wies er darauf hin, das Christentum sei mit Gewalt den Germanen aufgezwungen worden, JA, sehr sympathisch. Das Vorritual bestand hauptsächlich aus Räuchern und Singen. Zu meinem Entsetzen wurde ein Lied über den Erzengel Michael gesungen. Hä? Ich fühlte mich im falschen Film, wo waren die Runen, wo waren die Asen und Vanen? Ich fühlte mich verarscht und sang nicht mit.
Dennoch entschied ich mich für eine Teilnahme am Hauptritual Sonntagmorgen um 5:00!
Nach dem leckeren Buffet machten wir uns auf den Heimweg. Ich war müde und sank auf mein Schlaflager.
Sonntag, 16.August 2009
Kurz bevor mein Handywecker um 04:25 flötete, erwachte ich und rollte aus dem Bett. In kühler Finsternis fuhren Frank und Ich nach Lichtenhagen. Der Schamane war schon im Steinkreis zu Gange. Ich setzte mich auf einen der Felsbrocken und mumelte mich in meiner Decke ein. Was der Schamane da werkelte mit Wasser, Feuer und Räucherung war für mich nicht zu ergründen. Im Grunde schauten wir alle zu, bis er Anfing Aufgaben zu verteilen, wobei ich leer ausging, was wahrscheinlich daran lag, das ich meine Hände für das Festzurren der Decke brauchte und so keine Hand frei hatte.
Wir mussten keinen geschlossenen Kreis bilden, es entstand kein spürbares Energiefeld, es war eher Freestyle. Höhepunkt war, als wir den Steinkreis verließen und auf dem Gelände nach unten gingen, wo eine Art Eingang zur Unterwelt errichtet worden war. Frank hatte die Ehre das geweihte Wasser zu tragen. Dazu wurde Kampfer und Weihrauch verräuchert und Honig verschmiert. Das Erzengel-Michael-Lied vom Vortag wurde wieder gesungen. Am Ende kehrten wir zum Steinkreis zurück und jeder durfte sich etwas wünschen, in dem er/sie mit den Fingern eine braune Pampe aus einem Topf kratzte und ins Feuer warf.
Zum Abschluss wurde die Pampe zum essen herum gereicht. Sie entpuppte sich als zimtiger Milchreis, süß und lecker.
Als wir den Steinkreis verließen war längst die Sonne aufgegangen, es war sieben Uhr.
Die Einweihung einer germanischen Thingstätte habe ich mir sehr anders vorgestellt. Nun denn, abgelegt unter der Rubrik: interessante Erfahrung.
Ich legte mich wieder ins Bett und war erst gegen 10:00 wieder ansprechbar. Wir fuhren zum Sonnengarten, ein Bioladen mit Cafe, in dem es ein leckeres Frühstücksbuffet gab. Die Sonne funkelte wieder so heiß vom Himmel, dass wir nach einer Weile in den Schatten gehen mussten.
Eigentlich hatte ich mir für Sonntag einen Ausflug nach Goslar mit Besuch der Kaiserpfalz und eines Bergwerkes ausgesucht. Aber als ich nach dem Frühstück immer noch müde war und die Temperatur immer höher kletterte, legte ich mich lieber nochmal hin und kam erst nachmittags wieder hoch.
Wir entschlossen uns für einen Schwimmbadbesuch in einem Naturschwimmbad, will heißen, das Becken war wie ein künstlicher See angelegt und kam ohne Chlor aus. Das Wasser war ziemlich kalt, deshalb war der Einstieg nicht so einfach, aber einmal drin war es herrlich erfrischend. Anschließend legten wir uns zum Trocken auf unser Deckenlager und stöberten in den mitgebrachten Zeitschriften. Frank holte uns Kaffee und Eis.
Das Abendessen nahmen wir in Bodenwerder bei einem Griechen an der Weserpromenade ein. Ich futterte Salat und Riesenbohnen in Tomatensoße. Zum Abschluss des Tages machten wir noch einen Spaziergang an der Weser entlang und setzten uns in Franks wilden Garten.
Montagmittag brachte mich Frank nach Kreiensen und ich tuckerte zurück in heimatliche Gefilde.
Es waren schöne, ereignisreiche Tage mit Frank und ich bin froh und stolz, ihn als Freund zu haben!
]]>Mit einiger Verspätung hier nun meine Erlebnisse während meines Urlaubs in Düsseldorf bei Raven.
Nach meiner Ankunft am Dienstag-Nachmittag gondelten wir mit der Rheinbahn zu Ravens Refugium in Düsseldorf-Wersten. Auf ihrem ur-gemütlichen roten Sofa schlug ich mein Lager auf. Es gab viel zu erzählen und viel Salat zum Essen.
Mittwoch machten wir einen Ausflug in die Innenstadt. Zwei füllige Damen in schwarzen Kleidern mit ebenso schwarzem Hut, das war schon zu viel für einige Zeitgenossen, die uns hinter her stierten. Der Hut macht´s. Hutträger sind leider selten geworden und so wird der nicht-biologische Kopfschmuck zum eyecatcher. Ich trug meinen neuen schwarzen, eleganten Strohhut, den ich bei einem Schloss-Fest erworben habe. Der eigentlich schwarz-weiße Hut wurde von der Modistin während des Festes für mich auf rein schwarz umgetrimmt. Zeisberger weiß, was Gothic-Damen wünschen.
Bei Saturn stöberte ich nach CDs während Raven nach einer neuen Maus Ausschau hielt, nein kein Futter für Minx – PC-Maus.
Ein Besuch in der Stoffabteilung Karstadts wurde uns zum Verhängnis. Die Stoffe waren einfach zu schön. Während Raven einen dunkelblauen Taft erstand, blätterte ich Bargeld und Ec-Karte für einen dunkel-bordeauxroten Taft mit kreisförmigen Muster aus Goldsprengeln und einem ebenso gefärbten, aber anders gemusterten Samt hin. Raven näht sich daraus ein Hexenkleid und ich ein Elfenkleid, beides für die RingCon Anfang Oktober.
Nach dem Abschied von unserem Geld, waren weitere Läden wie Jokers Buchshop und Lush gestrichen. In der Eisdiele neben dem Ufa-Kino betrieben wir dann Figurpflege und kehrten nach Hause zurück.
Als kranke, vom Leben erschöpfte Menschen brauchen wir beide viele Ruhepausen. Nach einem so anstrengenden Ausflug in das Zentrum der Konsumlust, war stille Klausur angesagt. Ich kuschelte mich auf mein Sofa-Nest und lustwandelte während meines Aufenthaltes zwischen den Zeilen diverser, aus Ravens Regal gezupfter Bücher zu Themen wie Astrologie, Buddhismus und Psychologie.
Dabei zeigte ich auf der einen Seite Begeisterung für das Buch:
Die Grundgedanken des Buddhismus von Verena Reichle
und auf der anderen Seite partielle Ablehnung für das Buch:
Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen
Über den Umgang mit psychosomatischen Schmerzen von Hanne Seemann
Da hier wieder die alte Mär vertreten wird, eine Schmerzerkrankung überdecke irgendein anderes Problem, so bald das Problem gelöst sei, könne auch der Schmerz vergehen. Der Krankheitsgewinn durch den Schmerz müsse überwunden werden. Rentenbegehren werden deshalb von der Autorin nicht unterstützt.
Kein Wort von dem Schmerzgedächtnis, das eine völlige Genesung unmöglich macht. Migränepatienten litten an einer Reizverarbeitungsstörung und müssten sich anpassen. STÖRUNG? – pah! Migräniker sind häufig Hochsensitive Menschen, das ist keine Störung sondern eine Gabe.
Schon seit Jahren erlebe ich Ravens Leidensweg als Schmerzgeplagte und bin immer wieder entsetzt über die Halbwahrheiten und den Machbarkeitswahn in den Psychologenköpfen. Aber was will man auch von einer …Logie erwarten, in der der Begriff Seele nicht vorkommt.
Freitag fuhren wir abermals in die City, um das kleine Jugendstil-Hallenbad zu besuchen. Zuvor besorgte Raven noch einen Pürierstab für die geplante Champigoncreme-Suppe bei Saturn. Weil es so heiß war und ich mich erschöpft fühlte, wartete ich auf sie an einer Straßenbahnhaltestelle und beobachtete den Abbau eines Marktstandes. Nach einer Weile fühlte sich eine hellbraune Schönheit dazu berufen, mich anzusprechen: Jesus liebt sie!
Oh nein, auch das noch. Da ich keine Lust hatte, missioniert zu werden, gab ich der Lady zu verstehen sie möge mich in Ruhe lassen. Sogleich wandte sie sich der nächstbesten Person zu, eine ältere Dame, welche die Missionarin mit der Frage der Theodizee konfrontierte. Tatsächlich habe ich in den Büchern von Armin Risi darauf eine einleuchtende Antwort gefunden, aber das würde diesen Eintrag sprengen.
Zum Glück kam Raven wieder und wir planschten eine Weile in den Münster-Thermen. Abends gab es dann die Champigoncreme-Suppe mit Salat und Kräuterbutter-Baguette, ach das ist ars vivendi. Essen gehört zu den Glückseligkeiten der fleischlichen Existenz.
Kreativ waren wir auch. Raven hatte aus dem web füllige Figurinen ausgedruckt, auf die sich Kleiderentwürfe aufzeichnen ließen. So grübelten wir über das Design unserer Kleider für die nächste Fed-Con. Da nächstes Jahr auch die Jedi-Con ansteht, möchten wir als Königinnen von Naboo gehen. Ganz bewusst möchten wir nicht Amidala-Kleider nachnähen. Nachnähen ist schwierig, dabei langweiliger, unkreativer und unbefriedigender als einen eigenen Entwurf zu nähen. An das Original reicht man sowieso nicht heran und das Endbild steht schon vor Augen. Viel spannender ist es, sich auf einen eigenen Entwurf einzulassen und zu sehen, wie das eigene Werk unter den geschickten Händen wechst.
Eine Idee für die Szene beim Kostümwettbewerb haben wir bereits. Königin Adamanthia (ich) überreicht das Zepter an ihre Nachfolgerin Königin Aurelia (Raven).
Zwei Events fielen in meinen Düsseldorf-Aufenthalt:
And here we go:
Harry Potter und der Halbblut-Prinz, 16.Juli 2009
Die Kritiken, die ich im Vorfeld gelesen hatte, ließen schlimmes erwarten. Normalerweise gebe ich nichts auf Kritiken, denn die schönsten Filme werden meistens von selbst ernannten Nörglern zerrissen. Doch diesmal konnte ich die Argumentation nachvollziehen. Zu viel pubertäres Liebesgeseiere und zu wenig Voldemort.
Wir hatten uns gegen die Vorpremiere am Mittwoch und für den Donnerstag, 16.Juli, entschieden, damit Liane mitkommen konnte. Leider war kein Kino mit Rahmenprogramm zu finden gewesen, keine besondere Harry Potter Deko, Kostümwettbewerb, oder überhaupt nur den Aufruf, in passender Gewandung im Kino zu erscheinen. Bei früheren HP-Filmen hatte es das in Düsseldorf und Umgebung gegeben. War der HP-Hype nicht mehr exzessiv genug?
Das Wetter war zu heiß, um mein schwarzes Samtkleid anzuziehen, deshalb entschied ich mich für mein schwarzes Kleid aus luftigen Rayon, zu beziehen bei Moppelmode. Auf meinen Hexentut wollte ich nicht verzichten. Raven trug ein ähnliches Kleid allerdings mit kurzen Ärmeln und keinen Hut.
Gegen 19:00 kamen Liane und Peter, den ich von der FedCon kenne, bei Raven vorbei, beide trugen Muggle-Klamotten. Gemeinsam fuhren wir mit Bus und Bahn ins Ufa-Kino neben dem Hbf in die 21:00 Vorstellung.
Der Pöbel von Düsseldorf heftete sich an unsere Fersen, kicherte, sang irgendwas von Bibby Bloxberg und rief uns Beleidigungen hinter her. Das ganze auf eine seltene penetrante und aggressive Weise. Boah, voll peinlich, kostümiert ins Kino.
FALSCH. Voll peinlich war das Verhalten dieser Gruppe junger Leute. Wenn schon ein schlichtes, schwarzes Kleid und ein spitzer Hut diese Herrschaften aus der Fassung bringt, was tun sie, wenn sie mit echten Problemen oder gar der Wahrheit über sich selbst konfrontiert werden würden? Es ist ein großes Ärgernis wegen seines Aussehens auf der Straße belästigt zu werden. Ich kann verstehen, wenn Leute glotzen, wenn sie etwas sehen, was für sie außergewöhnlich ist, aber diese Pöbelei ist eine Unverschämtheit. Meist kommt so etwas von jungen Leuten, die dem Konformitätsdruck ihrer Peer-Group erliegen, aber jeder hat die freie Wahl, sich an einer solchen Bosheit zu beteiligen oder nicht.
Da wir keine Heilige sind, kam in Raven und mir ebenfalls Bosheit auf. CRUCIO. Wie sagte doch Bellatrix Lestrange: Man muss es wollen, sonst funktioniert der Folterspruch nicht. In diesem Moment hätte ich es gewollt.
Das dumme ist ja, dass ich nicht schlagfertig bin und mir in solchen Momenten keine Erwiderung einfällt. Dabei wäre es ja ganz einfach gewesen zu sagen: Eure Pöbelei ist peinlich. Aber so was fällt mir erst hinterher ein.
Die Krönung des Ganzen war, dass wir diese Lästerköppe im Kinosaal wieder trafen. Wenn sie alles Hexische so lächerlich finden, warum schauen sie sich dann Harry Potter an? Überhaupt bestand der Großteil des Publikums aus Prolls. Hinter mir saß ein Typ, der ständig gegen meine Lehne dotzte, im ganzen Saal war der brodelnde Mob zu hören, Leute, die man eigentlich in einer Großraum-Disko vermutet hätte.
Als Raven während der Pause ins Foyer ging, musste sie sich wieder anpöbeln lassen, dabei trug sie nicht mal einen Hexenhut. Wir ärgerten uns, warum wir nicht gleich in die original version gegangen waren, hier wäre der Mob uns nicht gefolgt.
Tja der Film selbst.
Den Auftakt fand ich gleich unmöglich. Harry hockt in einem schäbigen Cafe in der Londoner U-Bahn und macht die Bedingung, eine wesentlich ältere Farbige an, die sogleich darauf anspringt. Ist sie pädophil oder was?
Was bitte schön hat Harry alleine in einem Muggle-Cafe zu suchen während Voldemort draußen in der Welt herum schleicht und seine Death Eater Angst und Schrecken bis hinein in die Muggle-Welt tragen? Er hat gefälligst bei den Dursleys zu sitzen, weil er dort unter dem Zauberschutz seiner Mutter steht. Und der in Liebesdingen schüchterne Harry wird sicher nicht mal eben so eine Bedienung aufreißen. Dumbledore holt ihn dort ab und appariert mit ihm zu Slughorn.
Offenbar wollte oder konnte man die Dursleys nicht auftreten lassen, was schade ist, denn die Szene mit einem ironischen Dumbledore im Wohnzimmer der Dursleys ist im Buch köstlich. Dumbeldore hätte Harry doch einfach vor der Haustür abholen können, alles andere macht keinen Sinn.
Spektakulär war die Zerstörung der Metallbrücke durch Death Eater, auch die Entführung Ollivanders durch Voldemorts Schergen inklusive Fenrir Greyback wurde gezeigt.
Ich konnte mich an einigen schönen Snape- und Dumbledore-Szenen erfreuen. Besonders die Szene in der Horcrux-Höhle war ergreifend.
Wie üblich gab es Abweichungen gegenüber dem Buch, die nicht hätten sein müssen. Zum Beispiel wird Harry stupefied im Hogwartsexpress von Luna Lovegood gefunden, im Buch ist es Tonks. Prof.Slughorn wird im Buch mit Glatze, Schnauzbart und sehr fett beschrieben, das alles hat der Film-Slughorn nicht, aber er macht sich dennoch gut.
Keinen Sinn machte es, dass Bellatrix und Greyback das Haus der Weaslys angriffen, das kommt erst im siebten Band vor.
Das wirklich schlimme ist jedoch, dass das pubertäre Hormonkarussell maßlos übertrieben wurde. Ron unter dem Einfluss eines Lovepotion war ja noch ganz lustig, aber kindische Verhalten von Lavender Brown nervte einfach nur. Zu Gunsten der Liebe-wechsel-dich Geschichten wurden die Rückblicke auf Tom Riddles Leben vernachlässigt. Zu sehen waren nur zwei Szenen: Albus besucht Tom im Kinderheim und Tom fragt Slughorn nach dem Horcrux. Die Gaunts, seine white-trash-Herkunftsfamilie, abgestiegene Nachfahren von Salazar Slytherin, kam ebenso wenig vor wie sein verhasster Mugglevater Tom Riddle. Auch die Szene, in der Voldemort-in-status-nescendi das Vertrauen einer alten Hexe erschleicht, um sie hinter zu ermorden und den Pokal der Helga Hufflepuff zu stehlen, fehlte ebenso wie die Szene, in der Voldemort Dumbledore halbherzig und erfolglos um einen Lehrerjob bittet.
All das hätte Auskunft über Voldemorts Motivation gegeben. Wie wurde aus dem kleinen Waisenjungen der gefürchteste Schwarzmagier aller Zeiten? All das hat man verschenkt, um die Handlung passgerecht auf eine kindliche Zielgruppe zu recht zu stutzen.
Ich hätte gerne Rufus Scrimgeour den neuen Zauberei-Minister und seinen Besuch beim Muggle-Premiere-Minister gesehen.
Auch die Lektionen im Apparieren wurden weg gelassen, dabei hätte man hier lustige Szenen drehen können.
Dumbledores Tod! Ein Avada Kedavra ist schnell gesprochen und Severus verzog keine Miene. Auftrag erledigt Chef! Gern hat er es nicht gemacht, aber er hat sich Dumbledore gefügt, for the greater good. Welche tragische Verbindung meine beiden Lieblingscharaktere doch haben! Es gab zwar keine Beerdigung, aber die Salutschüße per Zauberstab der ganzen Hogwartsgemeinde war sehr rührend, heul, heul, Tränen wisch.
Wieso hat man eigentlich den Kampf Auroren versus Deatheater in Hogwarts weg gelassen?
Ein konstantes Ärgernis ist das Versagen der Kostümdesigner. Seit dem dritten Film laufen Schüler wie Erwachsene größtenteils in Muggle-Kleidung umher, dazu noch ausgesprochen hässliche Varianten derselben.
Und selbst bei den wenigen Hexen und Zauberern, die dem Stil ihrer Welt treu geblieben sind, fragt man sich, ob sie so schlecht bezahlt werden, dass sie sich nicht mehr als ein Gewand leisten können. Dumbledore und Snape tragen immer das selbe, McGonagall war auch schon besser gekleidet und die Transmutation Flitwicks vom weißhaarigen Bilderbuchzauberer in einen verhinderten Steuerberater im Nadelstreifenanzug seit dem dritten Teil scheint unumkehrbar.
Tonks, Lupin, Molly und Arthur Weasly haben ihre Stofffetzen bei der Muggle Altkleidersammlung gemopst.
Als Kostümschneiderin und Liebhaberin schöner Kleider ärgert es mich ungemein, dass hier so viel Potential verschenkt wurde. Kleider machen Leute, mit Kleidung kann man seine Persönlichkeit nach außen unterstreichen. Schon allein durch die Kleidung könnte sich die Hexenwelt von der Mugglewelt abgrenzen. In den ersten beiden Teilen wurde das auch getan und das war für mich ein wichtiger Beitrag zur Faszination des Potter-Universums. Seit einem Personalwechsel im Produktionsteam wird uns diese Häßlichkeit zugemutet.
Selbst stolze Poorblood-Familien wie die Malfoys bedienen sich bei der Mugglemode. Einzig Bellatrix steht zu ihrem Gruftie-Outfit, Narcissa trägt einen lumpigen Tweedmantel vom Dachboden und Draco sieht aus wie ein Beerdigungsunternehmer. Mon dieu! (Trotzdem: Tom Felton hat seine Rolle als Draco hervorragend gespielt)
Dabei wird in den Büchern immer wieder betont, welche Schwierigkeiten Zauberer haben, wenn sie sich wie Muggles kleiden sollen, weil sie Muggle-Gebiet passieren müssen.
Nach dem Kino genehmigten wir uns einen Cocktail im Buttershaker. Dort saßen auch Jugendliche, die auch gerade aus dem Film kamen. Dumbledore hat voll die Scheiße getrunken, war der qualifizierte Kommentar.
Zu fortgeschrittener Stunde begaben wir uns in den Untergrund zur U-Bahn-Haltestelle, bis wir feststellen, dass gar keine Bahn mehr fährt und wir mit dem Taxi nach Hause mussten.
Während wir uns von Peter verabschiedeten, blieb Liane über Nacht und schlug ihr Lager auf dem Fußboden ins Ravens Schlafzimmer auf.
Nach einem gemeinsamen Frühstück am Freitagmorgen reiste Liane weiter zu anderen Freunden.

Ich und Raven in der U-Bahn Haltestelle nach dem Kino
Und nochmal Harry Potter, 19.Juli 2009
Durch Zufall fand Raven in einem dieser kostenlosen Wochenblättchen einen Artikel über Harry Potter. In einem Cinestar im Stadtteil Oberkassel sollte am Sonntag ein Kostümwettbewerb stattfinden, bei dem man eine Londonreise gewinnen konnte. Grmpf, so etwas hatten wir gesucht. Gerne wären wir hier zu viert aufgelaufen und fragten uns, ob wir dort hingehen sollten, denn eigentlich hatten wir Sonntag etwas anderes vor.
Pläne geändert, in Schale geworfen und auf ins Kino. Diesmal war es frisch genug für mein Samtkleid, Hut und Deatheater-Maske. Als Voldemort hätte Raven bestimmt gewonnen, aber sie zog die bequemere Deatheater-Kutte vor.
Na ja, ein tolles Event war das Ganze nicht. Das Kino wirkte verschlafen. Es gab einen kleinen Stand einer Buchhandlung, die dazu gehörigen Damen waren von meinem Kleid begeistert, der Rest der Welt offensichtlich nicht. Statt auf eine brodelnde Fangemeinde stießen wir nur auf einen Amateurfotografen. Jeder, der am Kostümwettbewerb teilnehmen wollte, musste sich von ihm fotografieren lassen. Die Fotos wurden dann auf der Website www.kinofans.com zur allgemeinen Abstimmung frei gegeben. Wer die meisten Stimmen bekam, gewann die Londonreise.
Mit meinem ersten Photo war ich nicht zufrieden, mit dem zweiten ging ich dann ins Rennen.
Es war von Anfang an klar, dass ein kleiner Junge mit Brille und gekauftem Umhang und Schal gewinnen würde. Die Menschen sind so vorhersehbar. Gegen diesen Kinderbonus hatten wir keine Chance. Zu gerne wäre ich mit Raven nach London gereist.
Wir schauten uns den Film nochmal in der englischen Fassung an. Nun da wir die Katastrophe schon kannten, konnten wir den Film weit entspannter und pöbelfrei genießen als am Donnerstag.
Dennoch zogen wie auf Hin- und Rückfahrt Blicke auf uns, im Guten wie im Bösen. Ein paar nette Frauen an der U-Bahn-Haltestelle und einige böse Autofahrer, denen man nur einen Totalschaden wünschen kann.
Schade, schade, wenn ich an die Buchpremiere von Order of the Phoenix in Hannover denke, das war ein Event! Mittlerweile hat sich die Welt wieder anderen Dingen zugewendet.

Eigene Aufnahme, das Foto für den Wettbewerb sah etwas anders aus
Amphi-Festival 18.Juli 2009
Wenigstens ein Gothic-Event wollte ich dieses Jahr erleben. Weil es mit dem Wave-Gothic-Treffen erst nächstes Jahr klappt, fiel meine Wahl auf das Amphi-Festival in Köln, welches von Düsseldorf aus gut zu erreichen ist. Es sollten einige Bands spielen, welche meinen Ohren behagen: Saltatio mortis, Unheilig, Qntal, Laibach, Omnia.
So fuhren Raven und ich gegen Samstagmittag mit der Regionalbahn bis Köln-Deutz und suchten den Weg zu dem Tanzbrunnen genannten Gelände auf dem Messe-Areal. Als wir aus dem Zug ausstiegen, trafen wir schon auf die ersten Schwarzen und wir begrüßten uns freundlich. Nachdem wir einmal im Kreis gegangen waren und unser Ziel nicht gefunden hatten, liefen wir dem schwarzen Pulk hinterher bis an den Rhein und endlich zum Eingang. Nach einem kurzen Taschencheck wurden wir eingelassen und da standen wir nun, so weit das Auge reichte, lauter schwarz gewandete Menschen unterschiedlicher Stilrichtungen. Leider findet das schlichte Hose-T-Shirt-Outfit immer mehr Anhänger während es nur noch eine kleine Gruppe nostalgischer Schwarzromantiker gibt, die in historisierender Kleidung umher wandeln. Wer trägt eigentlich all die schönen Spitzenkleider, die es bei den Gothic-Mailordern zu kaufen gibt?
Des weiteren gab Cybergoths, knappe Lackoutfits, Uniformen und ein Wesen im rosa Plüschfummel.
Als wir ankamen spielte gerade Eisbrecher und wir liefen zunächst die ganzen Verkaufsstände ab. Recht hatten wir getan, unsere Regenschirme mit zu nehmen, die sich bei den temporären Regenschauern als unentbehrlich erwiesen. Allerlei Kleider, Hüte, Accessoires, Gehstöcke mit Drachenköpfen, Haarschmuck und vieles mehr wurde feil geboten. Ich kaufte nichts. Besonders originell war ein Stand, an dem es Hörner als Kopfschmuck zu kaufen gab. Raven erstand ein Paar violetter, hübsch geschwungener Hörnchen. Für die RingCon werde ich mir auch welche bestellen.
Zwischendurch verzagten unsere Regenschirme vor der Regengewalt und wir schlüpften in den Standhäuschen unter.
Es gab zwei Bühnen. Die Hauptbühne im Freien und eine weitere in einer Halle. Ich sagte Raven, ich wolle in die Halle gehen, sie trottete mir hinter her und wunderte sich, wieso ich die Halle sofort wieder verließ. Es war darin unerträglich laut, Lichterblitze und viele zuckende Leiber taten ihr übriges – Überreizung! Da drin hielt ich es keine fünf Minuten aus, doch ausgerechnet hier sollte mein Favorit Unheilig spielen.
Die schon überstandenen, anstrengenden Tage forderten ihren Tribut. Schmerzende Rücken verlangten nach einer Sitzgelegenheit. Zeitgleich schien die Besuchermenge exponentiell zu wachsen. Kam man eben noch einigermaßen voran, steckten wir nun in einer zusammen geklebten Menschentraube fest. Wir kämpften uns bis zu einem Rhein-Strandcafe durch, welches an das Tanzbrunnen-Gelände angeschlossen war. Hier ruhten wir kurz auf Hockern aus und entschlossen, dass wir zu erschöpft zum weiteren Verweilen waren.
Nach nur zwei Stunden Aufenthalt und ohne eine einzige Band gesehen zu haben, machten wir uns auf den Rückweg nach Düsseldorf.
Schade drum, denn inmitten der anderen Goths hatten wir uns sehr wohl gefühlt. Mal nicht Außenseiter sein und doof angeglotzt werden, sondern sich ganz selbstverständlich unter seines gleichen bewegen.

Raven mit den niedlichen Hörnern
Samstagabend entschieden wir uns, Sonntag nicht mehr auf das Amphi zu gehen sondern wie oben beschrieben zu Harry Potter ins Kino.
Montagmittag machte ich mich auf die Heimreise.
Es waren schöne und ereignisreiche Tage mit Raven, ich habe mich bei ihr sehr wohl gefühlt und freue mich schon auf das nächste mal.
Es geschah am Donnerstag, 18.Juni. Mein kleiner Kater Albie kam den ganzen Tag nicht von seinen Streifzügen nach Hause. Die letzte Spur von ihm, war eine erbeutete Maus, die ich auf halbem Weg zwischen meinem Bett und der Terrassentür entdeckte, während ich morgens um 7:00 kurz erwachte. Als ich später aufstand, war die Maus verschwunden. Später fand ich sie in der Gothic-Ecke liegen. Albie musste also zwischenzeitlich hier gewesen sein, dann verlor sich seine Spur.
Albie ist ein Freigänger. Dass er einige Stunden fort bleibt, ist nichts Ungewöhnliches. Aber den ganzen Tag war er noch nie fortgeblieben. Trotz allem blieb ich ruhig und hatte noch ein gutes Gefühl. Dennoch lief ich in der Nachbarschaft herum, in der Hoffnung irgendwo einen Blick auf ihn erhaschen zu können. Auch suchte ich die nahe Bundesstraße nach einer nieder gewalzten Katzenleiche ab. Nichts.
Abends gegen 20:00 erreichte mich die Kunde, eine kleine schwarze Katze sei am Straßenanfang unter einem Auto gesichtet worden. Ich lief von meinem Domizil am Ende der Straße nach vorne. Und tatsächlich, dort fand ich besagte Katze unter einem Wagen kauernd. Sie blickte mich mit Albies Augen an, aber der vermeintliche Albie erkannte mich nicht. Anstatt zu mir zu krabbeln, nahm er vor mir Reißaus. Er lief über die Straße in einen Hof hinein. Das Tor stand auf, also nichts wie hinterher. Weiter sprang die Katze durch den Hinterhof in einen eingezäunten Garten. Das Tor war nicht verschlossen, also weiter hinter her. Doch dann sprang die Katze über eine hohe Mauer. Die Verfolgung war vorbei. Mir war aufgefallen, dass die Katze einen schmalen, fettig glänzenden Schweif hatte. Albus hat jedoch einen buschigen Schweif. Er war es nicht.
Frustriert tapste ich nach Hause zurück, hatte ich doch so sehr gehofft, Albus wieder nach Hause zu bringen.
Die Sorge schnürte sich langsam um meinen Hals. Albus blieb die ganze Nacht verschwunden, ich konnte trotzdem erstaunlich gut schlafen.
Freitagmorgen verlangte mein alter Kater Q-de Lancie nach seinem Frühstück. Während ich in der Küche werkelte, stand plötzlich Albie im Raum. Welche Freude, der verlorene Gefährte hatte heim gefunden. Dass er nur auf drei Beinen lief und die rechte Hinterpfote eingezogen hatte, erschien mir nicht so schlimm. Vielleicht eine Fleischwunde vom Kampf mit einem Rivalen.
Erschöpft legte sich Albus im Schneiderzimmer auf den Sessel. Ich fand nur einen oberflächlichen Kratzer auf dem wunden Bein, trotzdem jaulte mein Kater vor Schmerz, wenn ich es berührte und legte sich so, dass ich das Beinchen nicht mehr belästigen konnte.
Zu beginn der Sprechstunde stelle ich Albus bei meiner Tierärztin vor. Sie warf nur einen kurzen Blick auf das Bein und sagte: “Oh weh”!
Mit dem Bein stimme etwas ganz und gar nicht, Verdacht auf Fraktur. Im schlimmsten Fall müsse Albies Bein mit Nageln versehen werden, die nach außen ragen. Grusel.
Sie schickte mich gleich in die Tierklinik nach Langen.
Der Chef persönlich nahm sich Albie an und besah das Bein. Er tippte auf eine Luxation des Sprunggelenks. Das Sprunggelenk (Karpalgelenk) verbindet bei Zehengängern Ferse und Unterschenkel. Die Haltebänder waren gerissen und das Gelenk gegeneinander verschoben. Sturz, Sprung oder Autounfall können Ursache einer solchen Verletzung sein, aber was wirklich passiert ist, werden wir nie erfahren.
Albie musste zum Röntgen und anschließender Operation über das Wochenende in der Klinik bleiben.
Natürlich wollte ich über das Wochenende telefonische Nachricht über Albies Befinden haben, aber offenbar telefonierten Klinik und ich immer aneinander vorbei und erreichten uns gegenseitig nicht.
Montag, 22.Juni, konnte ich Albus aus der Klinik abholen. Ein sehr dicker Verband zierte sein wundes Bein, das schlimmste aber war die Halskrause, die ihn abhalten sollte, den Verband abzurupfen.
Auf die eurostarke Rechnung hatte mich der Klinikchef schon vorbereitet, nicht aber auf den seltsamen Posten, der dort aufgeführt war: Ovariohysterektomie Hund.
Über die falsche Tierspezies könnte ich ja noch hinweg sehen, aber wie man meinem männlichen Tier Eierstöcke und Gebärmutter entfernt haben will, gab mir Rätsel auf, so dass ich nachfragte. Die Bestürzung war groß. Da hatte sich ein falscher Posten eingeschlichen, sehr zu meiner Freude und zum Bedauern der Klinik. Denn die richtige OP wäre 120€ teurer gewesen. Da ich aber schon bezahlt hatte, ging die falsche Rechnung zum Nachteil der Klinik. Die Behandlung war auch so teuer genug: 658,96 €
Dazu kommen weitere Kosten für Verbandswechsel, Röntgen, Fäden ziehen, Entfernung der Nägel.
Glücklicherweise half meine Mutter aus, sonst hätte ich die Rechnung nicht bezahlen können.
Sechs Wochen muss Albus einen Verband tragen und darf in dieser Zeit nicht nach draußen. Dies ist für den kleinen Abenteurer das allerschlimmste. Drinnen ist ihm langweilig und er lauert auf jede Gelegenheit, bei der er doch entwischen könnte.
Die ersten zwei Wochen musste der Verband alle drei Tage bei der Tierärztin gewechselt werden, jetzt reicht einmal die Woche. Die Wechsel tun Albie sehr weh und er jault vor Schmerzen auf. Das ganze Bein ist kahl rasiert, wie dünn es ist ohne Fell. Die Halskrause muss er nicht mehr tragen, weil er seinen Verband in Ruhe lässt. Schlimmer war es anfangs mit dem Verband, der um einen Venenzugang am Vorderbein gewickelt war. Der war der Grund für die Halskrause. Die Kanüle wurde jedoch bald gezogen. Besonders für eine Katze ist eine Halskrause grausam. Sie kann sich nicht mehr putzen und ihre Orientierung durch die Schnurhaare ist lahm gelegt, so dass sie ständig überall anrempelt.
Freitag, 03.Juli, musste Albus in die Klinik zu Röntgen. Glücklicherweise sieht alles gut aus und Albie ist auf dem Weg der Besserung.
Was für ein tapferer, kleiner Kerl, wie er sich schwer verletzt bis nach Hause geschleppt hat. Vielleicht lag er nach dem Unfall erstmal eine Weile in einem Versteck, bis er überhaupt die Kraft fand, sich auf den Heimweg zu machen. Er hat wirklich einen Tapferkeitsorden verdient.
Dummerweise ist Albie heute, Sonntag 05.Juli nach draußen entwischt. Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis das passieren würde. Nun ist er schon den ganzen Tag fort und traut sich nicht mehr herein, weil er weiß, dass er dann wieder eingesperrt wird. Ich habe ihn einige male im Garten liegen sehen, also kein Grund zur Beunruhigung, und schließlich ist er heim gekehrt.
Sein Bein ist noch lange nicht verheilt und schmerzempfindlich. Neulich hatte er sich das Bein in der Stuhllehne verfangen, vor lauter Au gefiepst und sich erschrocken unter das Bett geflüchtet.
Ich bin froh, dass die moderne Tiermedizin all diese Möglichkeiten hat und Albie wieder ganz genesen kann. Früher hätten ihn Invalidität oder gar Tod erwartet.
Zu guter letzt hat mir eine Freundin von Frank, die Tierheilpraktikerin ist, noch einige hömoepathische Mittel genannt, die Albie bei seiner Genesung unterstützen können.
Mein letzter FedCon Besuch liegt neun Jahre zurück. Er war damals der Anfang vom Ende meiner Con-Karriere. Nach über acht Jahren Con-Abstinenz feierte ich zur RingCon im Oktober 2008 mein Con-Revival.
Nach den FedCons 1998, 1999 und 2000 ist dies nun meine vierte FedCon.
Wie in alten Zeiten wollte ich auch diesmal am Kostümwettbewerb teilnehmen – zusammen mit Raven, deren regelmäßige erfolgsgekrönten Auftritte schon legendär sind. Auf der RingCon fassten wir spontan den Entschluss als zwei der drei Gattinen des Centauri-Botschafters Londo Molari aufzutreten. Centauri sind eine dekadente, prunkliebende Spezies aus Babylon 5, deren Frauen eine Glatze tragen.
Da auf meiner Chemoglatze seit eineinhalb Jahren wieder Haare wuchern, mussten wir als erstes eine Latexglatze herstellen. Das geschah während meines Besuches bei Raven im November 2008. Wir mantschten vergnügt und bald gebeugt von Rückenschmerzen mit Gipsbinden und Gipspulver herum, bis jeweils eine Gipsbüste von uns hergestellt war, auf welche das Latex auf getupft werden konnte.
Die Monate Januar bis April standen im Zeichens des Schneiderns und Perlenstickens. Die schmalen, oben zu Puffärmeln auslaufenden Ärmel waren verdreht, dennoch passen sie ausgezeichnet und sind bequem. Und selbst der mächtige Stehkragen und die das selbst entworfene Rockschößchen fielen zu meiner Zufriedenheit aus.
Freitag, 01.Mai 2009
11:42 spuckte mich der Direkt-ICE von Ffm am Bonner Hauptbahnhof aus. Raven nahm mich in Empfang und wir freuten uns über erste persönliche Begegnung in diesem Jahr.
Sie hatte die letzte Woche bei ihrer Mutter bei Koblenz verbracht und ihre Mutter hatte sie mit dem Auto nach Bonn gefahren und angeboten, mich von Bahnhof abzuholen.
Als wir den Parkplatz am Hbf verließen, gerieten wir kurz in eine Gewerkschaftsdemo zum 01.Mai, doch glücklicherweise konnten wir bald weiterfahren und kamen wenige Minuten später in unserem Hotel an.
Das Gustav-Stresemann-Institut (GSI) ist Seminarhaus und Hotel in einem. Wegen seiner nahen Lage zum Maritim, dem Con-Schauplatz, ist es das beste Hotel für uns kränkelnde Wesen, die wir uns zwischendurch vom Con-Stress erholen müssen.
Zu unserer Überraschung bekamen wir kein gewöhnliches Zimmer sondern ein kleines Appartment, das aus einem Vorraum mit Kühlschrank und Schrankküche, Bad, und zwei getrennten Schlafzimmern bestand. So konnte sich jede von uns nach Belieben ausbreiten – und allein schläft es sich immer besser als zusammen, so geht es uns zumindest.
Es dauerte eine Weile, bis wir die Provianttaschen aus dem Auto nach oben gebracht hatten und Ravens Mutter ging uns kurz verloren. Die Zeiten, wo wir mit hungrigen Mägen auf der Con ausharren mussten, sind vorbei. Neben dem Proviant inklusive selbtgebackener Quiche (von Ravens Mum) bietet das Maritim auch kleine Speisen für die Congäste an. Das war früher nicht so.
Schließlich tranken wir noch etwas im Institutseigenen Cafe im schönen Garten.
Raven überraschte mich mit meinem Weihnachtsgeschenk 2008. Ich hatte peinlicherweise nichts dabei und werde mein Geschenk im Juli nachreichen.
Wie schon angedeutet handelte es sich um eine Gesamtausgabe Chronicles of Narnia, passend dazu eine kleine Figur von Aslan, dem weisen Löwenkönig.
Nach dem nachträglichen Weihnachtsgeschenk, bekam ich mein vorträgliches Geburtstagsgeschenk: in einem hübschen, türkisen Kästchen verbargen sich Collier, Armband und Ohrringe, die sie farblich passend zu meinem Centauri-Kleid selbst angefertigt hatte.
Juhu, es ist immer so schön beschenkt zu werden.
Wir hatten es nicht eilig, rüber zur Con zu gehen. Stattdessen übten wir den höfischen Tanz, den wir auf der Bühne aufführen wollten. Raven hatte die Musik herausgesucht. Es handelt sich um Tanzmusik um das Jahr 1600 herum. Ich hatte die CD gekauft und die Choreographie für eine kleine Tanzeinlage entworfen. Wir wiederholten den Tanz oft, da Tanzschritte nur mühsam in unseren Gedächtnissen kleben bleiben. Raven hatte noch einen schönen Einfall, den wir in die Abfolge mit einbauten.
Außer dem neuen Centaurikleid habe ich gar kein Science Fiction Kostüm mehr. Mein Focus liegt seit einigen Jahren auf Gothic und meinen alten Kostümen ist mein Leibesumfang längst entwachsen. So zog ich wieder mein Hexenkleid an, dass ich für RingCon 2008 genäht hatte. Schwarzer Samt mit slytheringrünen Godets und Ärmelfutter. Dazu meine lange, schwarze, von der Krankenkasse bezuschußte, Perücke und die grüne Tiara. Grün steht mir.
Raven hüllte sich ebenfalls in ihr Samtkleid, welches aus dem gleichen Schnittmuster entstanden ist.
Im Maritim gingen wir mit unseren Anmeldebescheinigungen zum Einchecken und erhielten die obligatorische Contasche und ein grünes Plastikarmbändchen, das für die nächste drei Tage fest um unsere Handgelenke geschlossen blieb.
Da waren wir also! Und jetzt! Ein wenig herum wandeln hier, einen Blick in den Händlerraum dort. Hauptsächlich Figuren und Tradingkarten boten die Händler feil, nicht von Interesse.
Was wollen wir eigentlich immer auf einer Con, fragten wir uns. Das tun wir jedes mal, aber am Ende gefällt es uns doch und es zieht uns immer wieder hin.
Raven wurde von allen Seiten begrüßt und ich stand meist bedröppelt daneben, weil mir viele fremde Menschen auf einem Haufen nicht geheuer sind. Über das Wiedersehen mit Liane und Micha freute ich mich natürlich auch. Liane mit ihrer Freundin Katie und Micha mit ihrem Freund Peter hatten auch Quartier im GSI bezogen. Micha hatte das Zimmer für uns gebucht.
Kostüme schauen gehört zu den schönen Tätigkeiten auf der Con. Was gab es eigentlich für Kostüme? Schluck, ich habe das meiste vergessen. Liane und Micha trugen ein Firefly-Kostüm, eine SciFi-Serie, die ich nicht kenne, weil sie nicht im deutschen TV gelaufen ist. Da gab es eine kleine Kriegerkasten-Minbari, ein Kostüm, dass ich mir vor zehn Jahren auch mal geschneidert hatte, in Begleitung eines Centauri-Mannes. Es wurden vermehrt Star Trek classic-Kostüme getragen, Tribut an den neuen Star Trek Film, der wenige Tage später anlaufen sollte.
Wir gingen zwischendurch nochmal ins GSI zurück. So hatte ich Gelegenheit meine Lieblingsserie Avengers (Mit Schirm, Charme und Melone) zu sehen. Zur Opening-Ceremony fanden wir uns wieder im Maritim ein.
Vor der Ceremony sollten ca.25 Minuten des neuen Star Trek Films gezeigt werden. Sicher als Leckerbissen für die Fans gedacht, entschieden wir uns, dass wir uns die Vorfreude lieber bis zum Gang ins Kino aufheben wollten. So schlüpften wir erst später in den Festsaal und nahmen wir immer auf der Empore Platz.
Die Cermony begann mit einer soliden Lasershow, dann wurden die Gaststars vorgestellt. Wie viele sind das mittlerweile? Zwanzig? Auf jeden Fall beinahe zu viel. Natürlich hat jeder andere Vorlieben, was die Gaststars betrifft. Die Gästeliste 2009 hatte für mich keinen Reiz, 2008 war sie dagegen ein Traum. Unter den Fans wird viel diskutiert, Stars aus welcher Serie zugelassen werden sollten. Die FedCon ist ja schon lange keine reine Star Trek Con mehr. Ich erinnere mich, dass wir 1999 noch als Minbari dumm angemacht wurden und auch Star Gate-Fans Murren bei den hardcore Trekkies hervor rief. Seit einigen Jahren könnte die FedCon ohne Öffnung für andere Serien nicht überleben.
Mein Wunschgaststar ist Michael Emerson, der meinen Lieblingscharakter in Lost spielt, den undurchschaubaren Benjamin Linus. Ob Lost auf die FedCon gehört ist allerdings umstritten, obwohl es sich doch in der vierten Staffel eindeutig als Sci Fi Serie entpuppt hat.
Viele geladene Stars kannte ich nicht, weil sie aus der neuenBattlestar Galactica-Serie stammen, die ich nicht schaue. Ein Colonel aus der Serie brüllte ein Motto aus der Serie: So say we all, was vom Auditorium mit gegröhlt wurde. Ich kenne den Spruch zwar nicht, aber ich mag es, wenn Schauspieler sich mit ihrer Rolle identifizieren. Es gibt ja auch den Fall, dass Schauspieler sich später für ihre Mitwirkung in einem SciFi-Film schämen, weil sie ja so tolle Charakter-Darsteller sein wollen. Das finde ich bescheuert.
Commander Adama bekam den meisten Applaus, wie es sich für den Chef gehört, nur noch übertroffen von der Grand Dame des Star Trek Universums Nichelle Nichols. Ich mochte Lt. Nyota Uhura immer gerne und einige meiner Kindheitsfantasien drehten sich um sie. Sie ist zu einer immer noch hübschen, agilen, alten Dame geworden und erzählte die Geschichte, wie sie von Martin Luther King gebeten wurde, nicht aus der Serie auszusteigen, weil sie seinen Traum von gleichberechtigten Schwarzen verkörpere. Die Story hatte ich schon irgendwo gelesen, trotzem war es nett, sie aus ihrem Mund zu hören, hätte sie nur nicht die Angewohntheit, alles in epischer Breite zu erzählen.
Den blödesten Auftritt von allen, hatte ausgerechnet Marc Alaimo. Jeder, der die Bühne betrat sagte einen Willkommensgruß oder wie sehr er/sie sich freue, hier zu sein. Nur Marc Alaimo brachte nicht viel mehr als ein Grunzen heraus.
Raven musste mittendrin den Saal verlassen, weil sie einen Hustenanfall hatte. Ich fand sie draußen wieder und wir kehrten zum GSI zurück, wo die Ärmste noch eine ganze Weile vom Husten geschüttelt wurde. Eigentlich hatte ich sie zu einem Cocktail in der Hausbar einladen wollen, aber daraus wurde nichts.
Hm, ich habe bestimmt etliche Details vergessen, aber das möge für den Freitag genügen.
Samstag, 02.Mai 2009
Liane, Katie, Micha, Peter, Raven und ich trafen uns um 08:30 zum Frühstück. Käsebrötchen, Eier, Fruchtsaft, Paprika, Tomaten, Gurke – ein köstlicher Auftakt des Tages, der nur darunter litt, dass die Gäste schneller aufaßen als nachgefüllt werden konnte. Ich musste mich auf eine Kaffee-Jagd begeben, um wenigstens eine Tasse der leckeren Brühe zu erhaschen. Ich glaube, wir waren die letzten, die den Frühstücksraum verließen.
Heute schlang ich mich in ein wenig getragenes Kleid, bestehend aus einem Unterkleid aus schwarzem Stoff mit aufgedruckten Glitzermuster und einem mantelartigen Überkleid aus schwarzen Samt mit Puffärmeln aus dem Glitzerstoff, das vorne über eine Schnürung geschlossen wurde.
Die FedCon besteht hauptsächlich aus Starpanels. Wie dumm, dass wir beide keine Panelsitzer sind. Den ganzen Tag den Ergüssen der Schauspieler zu lauschen, finde ich ziemlich langweilig. Manche Stars machen auf der Bühne faxen, die ich gar nicht witzig finde, andere sind zurückhaltend und sind verloren, wenn die Fans ihnen keine Fragen stellen. Ja was soll man in einem Starpanel auch machen, ich möchte da nicht in der Haut der Stars stecken.
Es ist ja auch so, dass es eine versteckte Rankingliste der Schauspieler gibt. Wer ganz zu anfangs der Opening-Ceremony vorgestellt wird, befindet sich im unteren Bereich der Liste und kann nur zehn Euro für ein Autogramm verlangen, während die spät ankommenden Main-Stars vierzig Euro verlangen können.
Auf der RingCon gibt es eine Menge Workshops, an denen sich die Fans aktiv beteiligen können, das gefällt mir besser.
Samstag Vormittag besuchten wir ein gemeinsames Panel von Jeffrey Combs und Marc Alaimo, die als Vorta Weyoun und Cardassianer Gul Dukat gemeinsam in Deep Space Nine gespielt haben.
Marc Alaimo konnte einem fast leid tun, die meisten Fragen der Fans gingen an Mr. Combs. Das lag plain and simple daran, das Jeffrey Combs der beschäftigtere Schauspieler ist und seine umfangreichere Filmographie zu mehr Fragen einlädt. Für Marc Alaimo ist Gul Dukat die Rolle seines Lebens gewesen. Doch das Ende von Deep Space Nine liegt zehn Jahre zurück und sein Ruhm verblast langsam.
Nach einer Weile hatte ich genug gesehen und wir verließen das Panel.
Bei dem Versuch, die Räume der Kunst- und Modellausstellung zu betreten, stießen wir auf einen wartenden Menschenpropfen. Neben den Starpanels sind die Autogrammstunden eine weitere Säule der FedCon. Ich mache mir nicht viel aus Autogrammen. Mich stundenlang in eine Wartereihe zu stellen sind mir Autogramme nicht wert. Wahrscheinlich käme ich wegen meines Schwerbehinderten-Ausweises früher dran, oh ja, es gibt auch eine Behindertenbetreuung. Aber bisher hatte ich keine Veranlassung davon Gebrauch zu machen.
Wir schafften es, uns bis in die Ausstellungsräume vor zu kämpfen und erfreuten uns an der Kreativität der Fans. Besonders ins Auge stach ein großes Modell eines Star-Destroyers, der nostalgische Gefühle an die Zeit auf der ISD Armageddon aufkommen ließ.
Einen Großteil der Con verbringen wir immer auf den Sitzgruppen im Foyer. Ich stärkte mich mit einer Folienkartoffel und trank in Gesellschaft von Micha eine Tasse Kaffee während Raven sich mit ihren Con-Bekannten unterhielt.
Bald war es Zeit, ins GSI zu gehen, und uns für unseren großen Auftritt auf dem Kostümwettbewerb in Schale zu werfen.
Haare hochstecken, Make up auf Gesicht und Latexglatze tupfen, Glatze ankleben, abpudern, Augen und Lippen schminken, Kostüm anziehen, Stirnband überstülpen, um den Glatzenansatz zu kaschieren, passender Pompadour-Beutel ans Handgelenk – all das nahm einige Zeit in Anspruch.
Auf die Besprechung für die Contest-Teilnehmer hatten wir verzichtet, unser Schlaf war uns wichtiger, denn die Besprechung hatte bereits um 07:30 morgens stattgefunden. Wir, besonders Raven, waren oft genug auf dieser Bühne, um uns auch ohne Einweisung zurecht zu finden.
Wir probierten unseren Tanz nochmal mit Kostüm, um sicher zu gehen, dass die ausladenden Stehkrägen uns nicht im Wege waren.
Als wir zurück ins Maritim stolzierten, konnten wir feststellen, es funktionierte noch immer: Blitzlichtgewitter!
Wir wurden oft angehalten, um fotografiert zu werden, so dass wir nur langsam zum Sammelpunkt für die Wettbewerb-Teilnehmer vordrangen. Hier trafen wir u.a. auf die sehr originelle Engelversion von Kosh, Captain Future, Königin Jamillia aus Star Wars, Das Alien, Seven of Nine im Holodeck-Outfit, eine fast nackte orionische Tänzerin, Gestalten aus Stargate, die ich nicht kannte und einige mehr.
So langsam ergriff das Lampenfieber von mir Besitzt. Was mache ich hier, wieso tue ich das? Warum sitze ich nicht ruhig und passiv auf der Empore und tue mir diesen Stress an?
Diese Frage stelle ich mir jedesmal, und doch mache immer wieder mit, denn ein wenig Applaus, ein bißchen Darstellung der eignen Schneiderkunst tut dem wenig liebkosten Ego einfach gut.
Ein Mann von einem Sci-Fi-Radiosender lief mit seinem Aufnahmegerät herum und stellte Fragen. Das machte mich noch mehr nervös. Er fragte, wen er durch den Wettbewerb hindurch begleitet und interviewt werden wolle. Zum Glück erklärte sich Seven of Nine bereit und wir waren ihn los. Kein Entkommen gab es indess vor dem schmuddeligen Presse-Fotografen, der uns schnappte und zwecks fotografischer Erschießung an die Wand stellte.
Es ist ja sehr schmeichelhaft, wenn man von der Presse abgelichtet wird, er war aber eine Idee zu aufdringlich, zubbelte an mir herum und gab genaue Anweisung, wie wir possieren sollten. Ich fragte mich, wieso so viele Mädchen Fotomodell werden wollen?
Endlich durften wir in den Gang hinter der Bühne schlüpfen. Wir waren an dritter Stelle gesetzt, sehr gut, so hatten wir es schnell hinter uns und konnten den Rest des Wettbewerbs ansehen. Bis wenige Sekunden, bevor wir vor das Publikum mussten, war nicht klar, ob man nach dem Auftritt zurückkommen oder seitlich von der Bühne abgehen sollte. Nessi, der den Contest organisierte und die Ansage machte, entschied sich für letzteres.
Und dann war alles ganz schnell vorbei. Begleitet von dem kurzen Intro unseres Musik schritten wir auf die Bühne und nahmen zum vereinbarten Zeitpunkt unseren Tanz auf, Knicksen, Schritte vor und zurück, Drehen, mit unseren Fächern wedeln, hin und her und schwupp war der Tanz zu Ende, Verbeugung und runter.
Auf der Bühne sein ist nie so schlimm wie das Warten vorher.
Wir fanden im Saal noch freie Plätze an der Seite und betrachteten die Kreationen der anderen. Diesmal gewinnen wir nicht, das war uns klar.
Die Jury bestand aus Robert Picardo (Holodock aus Voyager), Christopher Judge (Teal´c aus Stargate) und einer Frau, die mir unbekannt war. Die drei zogen sich zur Beratung zurück, die Ravens Bruder mit ein improvisierten Stuntshow-Einlage füllte.
Es werden Preise in verschiedenen Kategorien vergeben:
Blieb nur noch ein Preis zu vergeben: Best Costume Award.
Yes, yes, yes – wo got it!
„Das war ja klar“, kommentierte Nissi. Später erzählten uns Micha und Liane wie sehr unsere Kostüme geglitzert und gefunkelt hätten, und dass man durch den Tanz die Kleider gut von allen Seiten betrachten konnte. Ja, so muss es sein.
Auf der Bühne erhielten wir je einen starken Händedruck von Robert Picardo und Christopher Judge, Küsschen von der Jury-Dame und die Urkunde. Leider nur ein Exemplar, das ich Raven überließ. Als Preis durften wir uns eine Figur aussuchen. Ich wählte Schwester Chappel aus Star Trek classic, tauschte die aber gegen Ravens Figur, die Scotty ausgesucht hatte, mein Lieblingscharakter aus classic.
Anschließend machten wir mit Micha eine Fotosession vor dem Maritim. Am besten sind die Bilder, in denen wir uns anzicken und um Molaris Gunst streiten.
Zwei Film-Studenten kamen vorbei, die eine Filmarbeit über Sci-Fi-Fans drehten. Raven erklärte sich bereit, einige Fragen zu beantworten und sich dabei filmen zu lassen.
So ganz nebenbei hatten wir ausgeschnappt, dass unweit von GSI Rhein in Flammen stattfinden sollte. Ein Feuerwerk mit Musikbegleitung – ich liebe es. Ich hatte aufgeschnappt, das Feuerwerk sollte um 23:00 gestartet werden. Micha und Peter wollten auch hin und wir fragten den Portier des GSI, einem freundlichen alten Herrn, der uns in den Centaurikleidern fotographiert hatte, nach dem offiziellen Zeitpunkt: 22:00. Hm, eine Stunde früher, aber er musste es wissen. Also entledigten wir uns schnell der Kostüme, Glatze und Make up. An Schläfen und Nacken blieb mir etwas Mastix-Kleber haften, der mir später Juckreiz verursachen sollte.
Schon von Weitem klatschte der Lärm gegen mein Trommelfell. Rhein in Flammen war hier keine distinguierte Veranstaltung sondern ein rotzendes, überfülltes Volksfest. Wir standen auf einem Hügel, weiter unten in Ufernähe stampften rechts die Bässe eines Rockkonzertes und links der Lärm von Fahrgeschäften mit ihren kreischenden Mitfahrern.
Ich hielt mich für eine lärmempfindliche HSP tapfer, futterte zwischendurch Pommes mit Mayo, die Peter und Micha freundlicherweise besorgt hatten. 22:00 war schon lange vorbei, erst um 23:15 sollte das Feuerspektakel am Himmel erglühen. Ich kapitulierte, überreizt und ängstlich wegen der Menschenmenge, bei der ich immer befürchte, sie wird zu einem brodelnden Mob und geht auf mich los, huschte ich ins GSI zurück und streckte meine müden Knochen auf dem Bett aus. Wenigstens konnte ich von meinem Fenster aus, das Feuerwerk beobachten. Die anderen erzählten mir, man habe Star Wars und andere schöne Musikstücke gespielt. Schade drum, aber die Sicherheit des Zimmers war mir in diesem Moment lieber. Wegen der Überreizung hatte ich Einschlafschwierigkeiten, aber irgendwann verdunkelte die Nacht mein Bewusstsein.
Sonntag, 03.Mai
Wir trafen uns wieder alle zum Frühstück, diesmal mit mehr Kaffee und weniger Ruhe, da wir unsere Sachen packen mussten. Bis 10:00 sollten wir unsere Zimmer verlassen haben, reichlich früh. Nach dem Auschecken stellten wir unser Gepäck in der Garderobe des Maritims ab.
Sonntags, am Abschiedstag ist die Stimmung immer gedämpft und die Luft raus. Raven und ich hatten keine Lust mehr, uns für das Babylon 5-Gruppenfoto noch einmal Glatze und Prunkkleid über zu werfen. Der Bequemlichkeit halber trug ich das ärmellose Unterkleid ohne das samtene Mantelkleid darüber.
Während Raven sich einen Vortrag über Torchwood anhörte, schaute ich eine Weile beim B5-Fotoshooting zu und ging dann in das Panel von Nichelle Nichols. Anschließend setzte ich mich zu Raven in den Vortragssaal, wo Mike Hillenbrand und Thomas Höhl ihr Buch Star Trek in Deutschland vorstellten.
Mike ist ein Bekannter von Raven und ich war vor langer Zeit auf einer Trewa-Con, auf der auch Thomas Höhl zu Gast war.
Thomas las eine Passage aus dem Buch vor. Er hat so eine Art vorzulesen, die kurzweilig und amüsant ist. Bei der Passage handelte es sich um die Beschreibung der Schreinemakers-Talkshow von 1996, die zum Jubiläum 30 Jahre Star Trek James Doohan und einige Fans als Gäste geladen hatte. Diese Talkshow ging völlig schief. Jetzt lachte ich darüber, aber den Teilnehmer inklusive James Doohan war damals wahrscheinlich nicht zum Lachen zu Mute gewesen.
Das Buch enthält interessante Hintergrundinformationen und ich denke daran, es mir zu kaufen.
So langsam strebte die Con dem Ende entgegen und schon saßen wir in der Closingceremony. Die zieht sich immer in die Länge, weil dort die Nummern der Tombola-Gewinner ausgelost werden.
Solche Zeremonien finde ich immer sehr ergreifend. Die Gaststars verabschiedeten sich, erzählten wie toll es ihnen gefallen hat usw. Lasershow, Musikbegleitung, Ovationen. Und plötzlich ist der ganze Zauber vorbei. Alle strömen zur Garderobe, um ihr Gepäck abzuholen.
Ich hatte keine Gelegenheit, um mich von Liane, Micha und Peter zu verabschieden und auch der Abschied von Raven fiel kurz aus. Plötzlich stand ich allein mit Koffer, Rucksack und Ikeatasche mit Centauri-Kleid im Hotelfoyer und spürte wie der Conblues sich meiner bemächtigte. Eben noch Teil der Congemeinschaft und nun wieder Einzelkämpferin, die sich auf den beschwerlichen Weg nach Hause machen muss.
Warten am Bonner Hbf, einsteigen in den Zug nach Köln. Ich stellte den Koffer im Foyer ab. Mein reservierter Platz war gleich hinter der Tür – an einem Tisch, an dem schon ein älteres Ehepaar saß.
Ich wollte die voluminöse Ikeatasche oben auf der Gepäckablage verstauen. Für eine 1,60-Frau ist das unglaublich hoch und ich mühte mich ab, bis mich der alte Kerl anmeckerte, ich solle doch auf die Jacken aufpassen, die dort oben liegen. Scheißkerl. Meine Nerven lag sowieso schon blank. Ich setzte mich auf den Boden im Foyer, bis Köln war es ja nicht weit. Dort angekommen stieg ich den Zug nach Ffm um.
Die Wagenanzeige stimmte nicht und ich musste meinem Wagon hinter her rennen. Das gesamte Foyer war mit Unmengen von Gepäckstücken voll geladen, so viel Gepäck habe ich noch nie in einem Zug gesehen. Ich hatte Mühe, mich bis zu den Sitzplätzen vorzukämpfen. Ich war überzeugt, den Platz 97 reserviert zu haben und war irritiert, als dieser keine Reservierung aufwies. War es nicht doch Platz 93? Yes, aber ich konnte nicht mehr zurück und setzte mich auf einen freien Platz neben einer Frau, die mir auch half, den Koffer nach oben zu stemmen, als sie meine Hilflosigkeit bemerkte. Der Zug kam aus Belgien und fuhr nach Frankfurt/Flughafen, daher die vielen Gepäckstücke.
Irgendwann spät am Abend war ich daheim und viel erschöpft in mein Bett.
Ausblick
Ich brauchte drei Tage, um mich einigermaßen zu erholen und litt noch eine Weile unter dem berüchtigten Con-Blues.
Die nächste Con kommt bestimmt. Im Oktober die Ring-Con, Ostern 2010 die Jedi-Con und Anfang Mai 2010 die nächste Fed-Con.
Raven und ich sind dabei, uns Gedanken über die nächsten Kostüme zu machen. Entwerder machen wir einen Abstecher nach Arakis, den Wüstenplaneten, Raven als Freme und ich als Bene Gesserit-Schwester. Oder wir machen uns beide ein Königin-von-Naboo-Kostüm, keine genaue Kopie einer der in den Filmen zu sehenden Roben, sondern Eigenkreationen, die sich an dem Stil orientieren.
So Ende. Sollte eigentlich ein kurzer Eintrag werden und jetzt ist er einer der längsten in Persephones Chroniken.
]]>In Frankfurt hatte die U4 auf unbestimmte Zeit Verspätung. Weil ich keine Lust in das schwarze Loch des Tunnels zu starren, bis endlich die Lichter einer U-Bahn aufblitzten, setzte ich mich in die Straßenbahnlinie 12. Die braucht zwar doppelt so lang wie die U-Bahn, aber ich brauche das Gefühl voran zu kommen.
08:15 trudelte ich in der Onkologischen Praxis ein und brauchte erstmal eine Weile, mich meiner Vielschicht-Winterkleidung zu entledigen und die Straßenschuhe gegen eine Art Gymnastikschläppchen zu tauschen.
Ein Mann war gerade dabei, Zytostatika-Reste in Giftmüllbehältern mit großem Totenkopf drauf abzuholen. Na toll, was hier als Giftmüll entsorgt wird, wird uns Krebspatienten als Medikament in den Körper gepumpt. Da kann einfach etwas nicht stimmen.
Dann begann das übliche Prozedere: Eine Kanüle wurde in eine Vene meines linken Armes geschoben und Blut abgezapft. Während die Blutwerte im praxiseigenen Labor bestimmt werden, läßt man Kochsalz-Lösung in meinen Körper tröpfeln. Wozu das gut sein soll, weiß ich nicht. Hat vielleicht eher einen psychologischen Wert, damit die Patienten das Gefühl haben, es wird etwas gemacht, sonst würden sie vielleicht ungeduldig werden.
Wieso dauerte es diesmal so lange, bis die nächste Flasche, Aloxi, ein Medikament gegen Übelkeit, angeschlossen wurde. Alle anderen wurden bedient, nur ich wurde ignoriert. Ich wurde sauer und fühlte Anspannung in mir aufsteigen.
Dann kam endlich eine Schwester mit des Rätsels Lösung. Meine Blutwerte seien zu schlecht. Sie habe mit einem Arzt Rücksprache gehalten und würden die Chemotherapie lieber um eine Woche verschieben, bis dahin habe sich mein Blut wahrscheinlich erholt.
Betroffen sind die Leukozyten, die weißen Blutkörperchen, die für die Immunabwehr verantwortlich sind. Merken tue ich davon nichts, zumindest wurde ich nicht mit Infektionen überrannt.
Der untere Normwert für die Leukozyten liegt bei 4000/µl Blut. Mein Wert liegt bei 2500µl.
Ich war erleichtert, als ich wieder gehen konnte. Nächster Termin ist nun der 20.Januar, 09:00.
Schon seltsam, während der ersten Chemotherapie mit zwei Zytostatika war mein Blut nie zu schlecht für die Chemo. Obwohl, damals sackte mein Hämoglobin-Wert stark ab und ich bekam Blutinfusionen zwischendurch, um für die nächste Giftattacke bereit zu sein.
Na ja, ohne die Weißkörperchen stellte ich mir mein Blut jetzt schwarz vor, wie es sich für eine Gothic-Lady gehört.
]]>Ich besorgte mir die Eintrittskarte vorab in einer Servicezentrale des RMV (Rhein-Main-Verkehrsverbund), weil das Messeticket zugleich als Fahrkarte galt. Dort steckte ich ein dickes Veranstaltungsprogramm für die Messe mit ein.
Da ich den Newsletter der Buchmesse beziehe, wusste ich schon lange, dass diesmal die Türkei das Gastland sein würde und hoffte vor mich hin, dass mein großes Vorbild als Schriftsteller, Orhan Pamuk, auch kommen würde. Die Suchfunktion auf der Homepage der Buchmesse spukte tatsächlich einige Veranstaltungen mit Orhan Pamuk aus, aber sie waren alle an den Fachbesucher-Tagen, zu denen ich armes Geschöpf keinen Zutritt hatte, was mir als ungebührliche Härte erschien. Ich lebe schließlich für, von, in, aus Büchern.
Es war ein glücklicher Zufall, nein natürlich eine Fügung, dass ich im dicken Programm-Buch eine Veranstaltung mit Orhan Pamuk jenseits der unbezwingbaren Mauern des Messegeländes fand.
Wir schrieben Mittwoch, den 15.Oktober, und am Freitag sollte die Veranstaltung sein. Es handelte sich dabei um eine Lesung aus Herrn Pamuks neusten Roman „Das Museum der Unschuld“. Veranstalter war das Frankfurter Literaturhaus. Karten seien an den bekannten Vorverkaufsstellen zu bekommen. Aber wie sollte ich auf die Schnelle noch eine Karte ergattern? Bestimmt war die Lesung schon lange ausverkauft und das Universum würde mir mal wieder eine lange Nase zeigen. 
Dennoch suchte ich auf den Webseiten Frankfurter Vorverkaufsstellen nach einem Ticket, erfolglos, die Lesung war nirgendwo zu finden. Bis ich dann auf die Idee kam, auf der Homepage des Schauspiels nach zu sehen, denn dort sollte die Lesung stattfinden – und siehe da, es war noch eine Karte für mich übrig. Allerdings verlangte das Zahlungssystem eine Kreditkarte, die ich nicht besitze, deshalb musste ich meinen Bruder mit seiner VISA herbei bitten. Passenderweise war der sowieso auf dem Weg zu mir, weil wir im Kino Krabat sehen wollten.
Jubeltrubeltrallala – geschafft. Meiner ersten Begegnung mit meinem verehrten Vorbild stand nichts mehr im Wege. Schmacht. :anhimmeln
Die Lesung sollte um 20:00 beginnen. Ich wollte frühzeitig da sein, zumal ich mir meine reservierte Karte noch an der Abendkasse abholen musste, also fuhr ich schon um 18:45 mit der S-Bahn los. Zu meinem Unmut fand ich eine lange Schlange an der Abendkasse vor. Doch kaum hatte ich mich angestellt, kam ein junger Mann vorbei und fragte, ob es hier denn auch Personen gäbe, die ihre Karte bereits bezahlt hätten? Bezahlte Karten seien oben im Foyer abzuholen. Ich folgte einer Frau, die sich auch als zu diesem Personenkreis gehörend zu erkennen gegeben hatte. Wenige Minuten später hielt ich die heilige Eintrittskarte in den Händen.
Zu meiner Freude las ich dort Freie Platzwahl, ich würde also nicht wie erwartet in der letzten Reihe fern vom Geschehen sitzen müssen. Tatsächlich gelang es mir, einen Platz ziemlich weit vorne zu ergattern. Die ersten drei Reihen waren reserviert für Presse, Verlagsleute etc., Grummel :yoda, doch ich saß gleich dahinter in der vierten Reihe, linke Seite. Das Schauspielhaus war (so gut wie) ausverkauft.
Es dauerte nicht lange und am rechten Bühnenaufgang, den ich von meiner Position aus gut einsehen konnte, tauchte eine Gruppe von Personen auf. Ein Mann im beigen Anzug schaute sich um, kam aber nicht ins Rampenlicht und setzte sich schließlich, für die meisten Zuschauer verborgen, auf einen Stuhl am Bühnenaufgang. Nach einer Weile dämmerte es mir: dieser Mann war Orhan Pamuks Leibwächter.
Nicht nur Frauen, die schreiben, leben gefährlich.
Da kam er nun, der Meister des Wortes, der gefühlvolle Seelenschreiber, in dessen Einstellung zum Schreiben ich mich so sehr gespiegelt finde, verwandte Seele über alle Landes-, Sprach-, Kultur- und Standesgrenzen hinweg. Auf der Bühne der geachtete, mit Preisen und Ehrendoktorwürden überhäufte, etablierte Schriftsteller, auf der anderen Seite ich unbedeutendes Mäuschen in der vierten Reihe, (noch) eine Wannebe-Schriftstellerin, die seit Jahren mit ihrem Erstlingsroman ringt. Bei meinem langsamen Schreibtempo bin ich allerdings in bester Gesellschaft. Orhan schrieb sechs Jahre lang an “Museum der Unschuld”.
Herr Pamuk wirkte genauso und sah genauso aus wie im Fernsehen. Das sollte eigentlich nicht überraschend sein, denn Orhan ist ja immer Orhan. Mir fiel das nur auf, weil ich von der Sparte der Schauspieler anderes gewohnt bin. Ich habe schon so einige Schauspieler auf den Science Fiction Cons erlebt, und die sehen natürlich ganz anders aus und verhalten sich auch völlig anders als in den Filmen, da sie als Privatperson ein ganz anderes Wesen haben als in ihrer Filmrolle. Für mich ist das jedesmal ein desillusionierender Absacker. Einen Schauspieler mag ich wegen seiner Rolle und nicht wegen ihm selbst. Bei Orhan Pamuk ist das völlig anders, ihn achte ich als authentische Person und für die Seele, die zwischen seinen Zeilen zu mir spricht.
Herr Pamuk nahm mit zwei weiteren Personen am bereit gestellten Tisch Platz, übrigens mit einer schwarzen Tischdecke versehen.
Der eine war Robert Spiegel von der FAZ, der als Moderator agierte, der andere war Recai Hallaç, ein deutsch-türkischer Schaupsieler, der als Dolmetscher fungierte. Eine Weile überlegte ich, warum das ganze nicht auf Englisch abgehalten wurde. Aber nein, es geht hier um Literatur und damit auch um Sprache, deshalb sollte hier die Sprache des Gastes und des Gastgebers gesprochen werden. Zudem fanden sich im Auditorium natürlich auch türkische Zuhörer und Deutsche mit türkischen Sprachkenntnissen.
Bei der Vorstellung von Herrn Hallac bemerkte Hubert Spiegel, er sei sich sicher, dass Recai Hallac am Ende noch mehr Applaus bekommen würde. Er sollte recht behalten, denn er war als Dolmetscher unübertrefflich und brachte auch noch die komplizierteste Grammatikkonstrunktion fehlerfrei und schnell heraus. Orhan Pamuk erzählte einige Sätze, dann übersetzte Recai Hallac. Es war also keine Simultanübersetzung, bei der der Dolmetscher über den Gast hinweg sprecht. Recai Hallacs Methode hat mir viel besser gefallen.
Wir hatten das Vergnügen, einen sehr humorvollen und geistreichen Orhan Pamuk zu erleben.
So gab er zu, dass es schwierig ist, ja geradezu verrückt sei, in Zeiten allseitiger sexueller Verfügbarkeit, einen Liebesroman zu schreiben. Natürlich wäre Pamuk nicht Pamuk, wenn er die allseits besungene süße Seite der Liebe beschriebe. Nein, die Liebe überkommt seinen Protagonisten aus der Istanbuler Oberschicht der 1970er Jahre wie einen Verkehrsunfall. Obwohl mit einer anderen verlobt, lässt er sich auf eine Affäre mit einer entfernten Verwandten aus dem verarmten Teil der Familie ein. Doch bald wartet der Held vergebens in dem eigens dafür eingerichteten Appartment auf seine Liebste. Und da sind wir auch schon beim Thema. Es geht um den Liebesschmerz, um die Schattenseite der Liebe, Verlust und unerwiderte Gefühle – Aspekte die, die üblichen Romantikschnulzen gerne unterschlagen.
Der Protagonist beginnt, sich mit Gegenständen zu streicheln, die seine Liebste einst berührt hat, um sich ihr dadurch nahe zu fühlen und seinen Schmerz zu lindern. Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Schließlich sammelt er immer mehr Gegenstände aus dem Besitz der Liebsten zusammen und richtet ein Museum für sie ein, darunter der 70er Jahre Klassiker Dackel mit Wackelkopf und Keramikhunde nebst Häkeldeckchen auf dem Fernseher.
Das Lustige ist: Orhan Pamuk hat all diesen Firlefranz aus den 70er Jahren auftreiben lassen und tatsächlich ein kleines Museum damit eingerichtet. Im Buch befindet sich eine Eintrittskarte dafür.
Wie wir bei der Lesung hören konnten, ist das Ganze mit viel Augenzwinkern und Humor geschrieben. Die Leseproben machen auf jeden Fall Lust auf mehr. Ich habe mir das Buch noch nicht gekauft, es kostet 25€ und ist im stark strapazierten Budget dieses Monats nicht mehr drin. Ich weiß nicht, ob ich es bis zur Taschenbuchausgabe aushalte.
Die Veranstaltung war sehr gut gegliedert: Hubert Spiegel stellte einige Fragen an Orhan, der antwortete und Racai übersetzte. Dann war Orhan Pamuk mit Lesen dran, er sagte vorher: Keine Angst, ich mache es kurz.
Tatsächlich las er nur einen Satz und dann übernahm Racai die Lesung auf Deutsch.
Und so wechselten sich Frage-Antwort-Spiel und Lesung dreimal ab. Ich hatte schon befürchtet, dass zwei Stunden durchgelesen wird und meine Aufmerksamkeit längst im Parakosmos versunken sei, ehe das Rezitieren endete.
Was mir gleich zu Beginn auffiel: Orhan Pamuk hatte eine Digicam dabei und fingerte damit herum. Später wurde klar, warum. Hubert Spiegel fragte das Publikum, wer denn das Museum der Unschuld besuchen wolle. Fast alle meldeten sich und diese Szene wurde von Herrn Pamuk per Digi-Klick festgehalten.
Er wurde seinerseits von einigen Zuhörern fotografiert und ich ärgerte mich, dass ich keine Kamera mitgenommen hatte. Aber meine beiden Digicams sind entweder von schlechter Qualität oder nicht mehr voll funktionsfähig (Display-Ausfall), so dass ich unter den gegebenen Umständen nur schlecht damit hätte fotografieren können.
Um 21:30 war die Lesung beendet, doch als Goodie folgte das Signieren von Büchern im Glashaus. Da musste ich hin, in weiser Voraussicht hatte ich sogar ein Buch mitgenommen, denn es wäre nichts schlimmer gewesen als Orhan Pakum gibt Autogramme und ich habe kein Buch dabei.
Wo zum Teufel ist das Glashaus? Immer dem Pulk hinterher, doch der Pulk strömt nach draußen. Ich hole unten schon mal mein Cape an der Garderobe ab. Ah da oben steht eine Schlang, das muss es sein. Ich sah glücklich strahlende Gesichter vom vorderen Ende der Schlange zurückkommen, die glücklich den Namenszug in ihrem signierten Buch betrachteten. Ich musste etwa eine halbe Stunde warten, dann hatte ich auch ein solches Lächeln im Gesicht. Ich schob mein aufgeschlagenes Buch „Das neue Leben“ der Assistentin hin, die es an Herrn Pamuk weiter reichte. Von Angesicht zu Angesicht für wenige Sekunden. Es blieb keine Zeit für ein Wort. Ich starrte ihn so lange an, bis er mir ein Lächeln schenkte.
Er hat mit großer Durchschlagkraft geschrieben. Bei genauem Hinsehen, kann man die Unterschrift entziffern, so lange man weiß, wie sie heißen soll.
Das war meine erste Live-Begegnung mit Orhan Pamuk. Ich trage in mir die Vision, dass ich ihn eines Tages sprechen werde, von Schriftsteller zu Schriftstellerin. Dank seiner Inspiration habe ich mit dem nächsten Lipofilia-Kapitel angefangen. Vier Versionen des Kapitelanfangs bestehen bereits und ich hoffe, ich bin beim nächsten Korrekturlesen endlich damit zufrieden.
Eines ist mir aufgefallen: Orhan Pamuk nimmt oft eine Pose ein, die auch für mich charakteristisch ist: die typische Denkerpose, Kinn auf die Hand gestützt. So sitze ich und grübele über den nächsten Satz oder betrachte mir Interneseiten.
Es wird höchste Zeit, dass ich Herrn Pamuk noch einen Eintrag widme und erkläre, was mich an ihm so fasziniert. Doch hier will ich es bei diesem Oberwelt-Abenteuer belassen und gehe weiter zum zweiten Teil dieses Artikels.
Um 9:00 zwitscherte der Wecker, gähn. Ich war erst spät von der Lesung nach Hause gekommen und war noch müde. Ich musste mich ziemlich berappeln, um aus dem Bett ins Bad zu finden. Knapp zwei Stunden später fand ich mich an einem Messeeingang wieder und ließ ich mich durchschleusen.
Lange Gänge, teilweise mit Laufbändern lagen vor mir. Ich beschloss zuerst in das Forumgebäude zu gehen, wo sich das Gastland Türkei vorstellte. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, aber ich hatte den Slogan Faszinierend Farbig wörtlich genommen. Daher war ich verstört, dass mich statt orientalischer Farbenfreude graue, riesige Wandtafeln mit schwarz/weiß Fotos türkischer Schriftsteller nebst Kurzbiographie erwarteten. Sehr puristisch. Und so zog ich alsbald weiter. Nebenbei bemerkte ich zwar einen Kameramann, aber ich hatte nicht erwartet noch am selben Abend in der Tagesschau aufzutauchen, wie mir meine Mutter berichtete.
Auf der ARD-Seite kann man sich die jüngsten Tagesschaus ansehen. Ich habe zwei Screenshots davon gemacht.
Da bin ich am rechten Rand, unverwechselbar in meinem roten Pannesamtmantel.
Augenfällig waren Hunderte von Manga/Anime-Fans, die in Kostümen ihrer japanischen Comichelden auf dem ganzen Gelände herum stolzierten. Ich kann mit Mangas überhaupt nichts anfangen und habe keine Ahnung davon. Sonst war ich immer der Bürgerschreck, der mit Latexmaske und seltsamer Gewandung mit anderen Science-Fiction Fans durch die Straßen wandelte. Nun lernte ich mal die Position des Unbeteiligten kennen, der mit einer fremden, kostümierten Gruppe konfrontiert wird. Die Kostüme fungieren als Abgrenzung: Wir die Fans und ihr anderen Outsider.
Ich tapste zur Halle 4.1 Literatur und Sachbuch und quälte mich durch die überfüllten Gänge. Auf der Buchmesse ist es immer voll – aber so voll? Erst später erfuhr ich, dass dieser Samstag einen Besucherrekord zu verzeichnen hatte.
Irgendwie fiel mir nichts Interessantes ins Auge, an die besseren Stände kam man schlecht heran, weil schon so viele andere Leute herumstanden. Mir tat mein Ischias weh und auch die Füße erlangten meine Aufmerksamkeit.
Dummerweise hatte ich mein Programmheft vergessen, so dass ich keine meiner angemakerten Veranstaltungen fand. Die Halle 4.1. erwies sich als wenig ergiebig. Ich stapfte weiter zur Halle 3.1. auch hier Literatur und Sachbuch. Hier gab es schon interessantere Verlage, aber vieles was ich suchte, wie Psychologie heute und Info 3 fand ich nicht.
Mein letzter Buchmesse-Besuch war 2005 an einem Fachbesucher-Tag. Damals war viel weniger los und ich konnte fast entspannt auf die Suche nach neuen Eindrücken gehen, die ich auch fand.
2008 bekam ich jedoch den Überbevölkerungskoller. Zu meinen Schmerzen kam noch Hunger. Ich hatte nichts gefrühstückt und freute mich auf ein dick belegtes Käsebaguette. Aber die langen Schlangen vor jedem Imbiss machten es unmöglich die ausgelegten Speisen zu inspizieren und so ließ ich es bleiben.
Als ich mich draußen auf einer Mauer ausruhte, futterte eine Familie mir etwas vor. Die Dame war so reizend und spendierte mir ein paar ihrer Weintrauben.
Ich habe lediglich drei Prospekte mitgenommen, ein Tiefenrekord:
Der Vertreter des letzten Verlages war es, mit dem ich ein Gespräch führte (auf Englisch). Ich hätte sogar ein Buch bei ihm kaufen können, Bücherverkauf war eigentlich erst am Sonntag. Aber er wollte 50€ für ein Kostümbuch der Zeit 1500 bis 1800 haben und soviel Geld hatte ich nicht dabei.
Ich gab das Hallenwandeln auf und lief die Stände mit Kunsthandwerk, Tüchern, Hüten und sonstigem Allerlei ab, die draußen auf dem Gelände aufgebaut waren. Und jetzt kommt es. Ich lästere ja gerne über die dummen Schuhekauf-Weiber, die keine Unze Logik im Kopf haben. Und was tue ich ausgerechnet auf der Buchmesse? Nein, es ist zu peinlich :schäm . Ich kaufe mir Schuhe. Ein Stand hatte schlichte Samtschuhe im Ballerinastil mit Steg über dem Span, wie ich sie schon immer haben wollte. Ich kaufte ein schwarzes und ein grünes Paar, 10€ je Paar. Die Sohle ist stabil, aber bei Regen zieht man die Samtschühchen besser nicht an.
Mit den Schuhen und zwei Nasensteckern war mein Etat erschöpft. Der obligatorische Bücherkauf an den antiquarische Ständen vor dem Messegelände musste ausfallen.
Ich schleppte mich zum Bahnhof zurück und war um 16:00 wieder zu Hause.
Schade, ich hatte mir mehr erwartet, aber es war einfach zu voll und ich zu schlapp. Womit ich wieder daran erinnert werde, dass Überbevölkerung mein allerschlimmster Alptraum ist.
Dennoch werde ich nächstes Jahr wahrscheinlich wieder hingehen, auch wenn dann China das Gastland sein wird. China überall, ich kann es nicht mehr hören noch sehen.
However, der Buchmessesamstag war zwar nicht so toll, aber dafür hatte ich am Freitag das EVENT des Jahres und ich blicke zufrieden und mit aufgefrischtem Schreibelan auf die Buchmesse 2008 zurück.
]]>Zu Beginn der 2000er Jahre hatte ich meinen Abschied von den Science Fiction-Conventions genommen, die ich seit Anfang der 90er Jahre besucht hatte. All good things have to come to an end, dachte ich damals. Meine Nerven ertrugen die Streitereien innerhalb des Fandoms nicht mehr und mit dem Beginn meiner Partnerschaft mit Oliver L. hatte ein neuer Lebensabschnitt für mich begonnen.
Meine letzte Federation-Con besuchte ich vom 19.bis 21. Mai 2000 und über ein Jahr später, als mein Con-Fieber schon erloschen war, wollte ich Oliver zeigen, wie es auf einer Con zugeht und nahm ihn am 20.Oktober 2001 mit auf die Trekdays, die in dem kleinen Ort Burgdorf in der Nähe von Hannover statt fanden. Ein letztesmal klebte ich mir meine Cardassianer-Maske ins Gesicht, sog den übelkeitserregenden Duft des Mastixklebers ein und trug dazu ein Kleid, welches ich mir für das Wave-Gothic-Treffen in Leipzig ein Jahr zuvor genäht hatte.
Casey Biggs, der in Deep Space Nine den Caradassianer Gul Damar spielt, war zu Gast – und weil ich die einzige Caradassianerin war, wurde ich von der Conleitung zu einem Photo mit Herrn Biggs gebeten. Es gab und gibt Zeiten, da hätte ich das toll gefunden, aber damals war ich etwas schüchtern und tongue-tied (kenne kein deutsches Wort dafür, lese gerade nochmal alle Harry Potter Bücher und mir fällt auf, wie kurz und prägnant sich im Englischen Dinge ausdrücken lassen, die man im Deutschen mühsam umschreiben muss).
Nun wie dem auch sei, die in einem historischen Stadthaus mit engen Stiegen deplatzierte Con, machte mir erst recht bewusst, wie fern mir das Con-Treiben geworden war. Nach dieser meiner very last Con hatte ich kein Bedürfnis mehr, noch eine Con zu besuchen. Ich glaubte, dieser Zustand halte bis ans Ende meines Lebens an.
Never say never again.
Raven erzählte immer wieder von der Ring-Con, zu der sie dieses Jahr mit ihrer Freundin Liane hin wollte, weil sie durch ihren Bruder Freikarten bekommen hatte. Sie nähte für sich und Liane einen neuen Deatheater-Mantel und wollte auch kurz in ihrem Voldemort-Kostüm herum laufen.
Gleichzeitig wuchs in mir das Bedürfnis nach einem Erlebnis, ja nach einem Abenteuer, etwas Aufregendem, was die Eintönigkeit meines Daseins durchbrach. Und da saß ich am 05.September 2008 an meinem PC Narnia, plötzlich durchzuckte mich der Gedanke: Ich könnte doch mit auf die Con gehen!
Bis zur Con war es noch ein Monat Zeit, lang genug, um noch ein Kleid zu nähen und eine Bahnfahrkarte zu buchen.
Zunächst wollte ich Samstagmorgen hin und abends wieder zurück fahren, denn ein Tag Conleben würde fürs erste reichen. Bonn ist nicht sehr weit von Frankfurt entfernt, so dass ich hoffte in knapp über einer Stunde in Bonn zu sein.
Weit gefehlt. Seit die Bahntrasse nach Köln verlegt worden ist und Bonn seinen Hauptstadt-Satus verloren hat, ist der Provinzbahnhof nur schlecht erreichbar. Die Website der Bahn spukte mir abenteuerliche Umstiegsvorschläge und drei-Stunden-Verbindungen je Strecke vor die Augen. Schnell war klar, ohne Übernachtung machte es keinen Sinn.
Am Ende buchte ich eine der wenigen Direkt-Verbindungen von Ffm nach Bonn, bei der Rückfahrt musste ich allerdings einen Umweg über Köln in Kauf nehmen.
Die Hotelbuchung erledigte ich schnell und problemlos per Mausklick bei einer Buchungsplattform, die sich hauptsächlich an Geschäftsreisende wandte und wahrscheinlich deshalb Hotels mit großen Einzelzimmer-Angebot im Programm hatte.
Die Ring-Con entstand als Sammelbecken für die durch die Herr der Ringe-Filme gewachsene Tolkien-Fangemeinde und wurde erstmals 2002 ausgetragen. Da die HdR-Manie im Laufe der Zeit mehr und mehr dem Tal des Gleichmuts zusteuert, hatte man begonnen, die Con auch für andere Fantasy-Welten zu öffnen. Nach dem sich schon etliche Piraten (Fluck der Karibik) eingenistet hatten, wurden 2008 erstmals auch Harry Potter Fans willkommen geheißen.
Anzumerken seien hier einige belustigende Einträge im Ring-Con-Forum, in denen von fanatischen HdR-Anhängern Front gegen die bedauernswerten Potter-Mutanten Front gemacht wurde, die mit ihren Kinderbüchern auf der allerheiligsten Großmeister-Tolkien-Weihefeier nichts verloren hätten. Ja so ist das Fandom, ein Hauen und Stechen darum, wer der Fan der richtigen Sache ist.
Ich bin zwar auch HdR-Fan, aber wie ich bereits in meinem Narnia-Eintrag geschildert habe, ist Mittelerde keine Welt, in der ich einen Platz für mich finden kann. Ich möchte weder eine entartete (klein und dick) Elbin noch die hundertste Gondor- oder Rohanhausfrau und schon gar keinen Hobbit abgeben.
Deshalb ging ich natürlich in Harry Potter-Kleidung auf die Con.
Endlich nähte ich das schon lang geplante schwarze Samtkleid mit grüner und silberner (Slytherinfarben) Borte und langen, gefütterten Ärmeln in burgundischer Mode.
Dazu noch eine einfache Scheide für meinen neu erworbenen Zauberstab aus Mahagony im Drachenstil, dicker und länger als die gewöhnlichen Harry Potter Zauberstäbe. Aber bei meinem Exemplar handelt es sich um einen echten Gregorovitsch, die sind robuster und archaischer als die grazilen Stäbe von Ollivander.
Wer eine Scheide hat, braucht einen Gürtel. Ich trage sonst nie einen Gürtel und war erst skeptisch, doch am Ende war ich sehr zufrieden mit meiner Lösung: grüne und silberne Kordel miteinander verflechten und fertig ist ein femininer, kleidsamer, figurschmeichelnder Gürtel.
Ich habe ein Problem mit Autoritäten und lasse mich nicht herum kommandieren. Deshab bin ich eigentlich keine Anhängerin von Lord Voldemort sondern agiere lieber als Lehrerin für Runenmagie unter der Laissez-faire Führung von Dumbledore in Hogwarts.
Doch weil Raven und Liane als Deatheater gingen und die Rolle der bösen Mugglejägerin Spaß macht, gesellte ich mich zu den Dienern Voldemorts. Raven schickte mir meine Deatheater-Ausrüstung: Maske, DarkMark zum Aufkleben und pro-Voldie-Buttons.
Schließlich ging es ans Kofferpacken. Normale Leute brauchen nicht viel für eine Übernachtung, doch mein Koffer füllte sich mit zwei Fliesdecken, einen Satinbettbezug und einem Paneesamt-Bettlaken, denn ich schlafe niemals in fremde Bettwäsche, schon gar nicht steife, weiße Hotelbettwäsche – da bin ich extrem Monk.
6:00 aufstehen, gähn, Q zieht sich beleidigt zurück, er mag es nicht, wenn Frauchen mit Koffer verschwindet, husch zum Bahnhof, ruhige Zugfahrt. 9:42 Ankunft in Bonn Hbf. Schnell und ungeplant springe ich in eine Bahn, die in fünf Minuten zum Bahnhof Bonn Bad Godesberg fährt und spare mir so das 20 Minuten Getucker mit der U-Bahn, muss dafür eine lauthals quatschende Männergruppe ertragen, überhaupt ist der Zug voll mit Wochendausflüglern.
Den Weg zum Hotel Rheinland in der Rheinallee finde ich schneller als erwartet ohne einen Blick auf den bei Googlemap ausgedruckten Stadtplan zu werfen.
Glücklicherweise ist mein Zimmer schon bezugsfertig. Bei 53€ je Nacht muss ich meinen Koffer alleine in den zweiten Stock schleppen, einen Aufzug gibt es nicht. Das Hotel ist sauber, wirkt aber durch Abnutzung und Verschleiß etwas schmuddelig. Dusche und Waschbecken befinden sich mitten im Zimmer, nur das WC ist in einer extra-Kammer untergebracht. Dennoch, für eine Nacht bin ich zufrieden. Immerhin gibt es einen TV, den ich aber nicht benutze.
Umziehen, Schminken, Perücke aufsetzen. Das alles nimmt einige Zeit in Anspruch. Meine Eitelkeit siegt über den Verstand. Ich ziehe hübsche, spitze Stiefeletten an, die mich am Ende des Tages zum Wimmern bringen werden, denn die Ferse lastet auf einem winzigen Pfennigabsatz. Da nützt es auch nichts, dass die Stöckel sehr niedrig sind – der orthopädische Alptraum wird seinen Tribut fordern.
Tapfer stakse ich zur U-Bahn und fahre vier Stationen bis zum Maritim-Hotel, Bad Godesberger Allee, Veranstaltungsort des Zauberertreffens. Auf dem Fußweg zum Maritim laufen mir einige Personen über den Weg, die eindeutig von der Ringcon kommen. Ein Herr im Kilt macht mir gar ein Kompliment, erröt.
Raven und Liane erwarten mich schon am Eingang. Ich freue mich, Raven wiederzusehen und Liane kennen zu lernen. Umarmung und Zauberstabvergleich, size matters, gacker.
Da bin ich nun wieder im Bonner Maritim, Austragungsort zahlreicher Fed- und Ring-Cons. Ja, ich erinner mich an die gemütlichen Sitzgruppen im Foyer, an das Sehen und Gesehenwerden, den abgetrennten Conbereich, in dem man nur mit Armbändchen und Conausweis hinein kommt, an Händlerraum und den großen Saal mit Empore, in dem die Starpanels stattfinden.
Ich habe nicht das Gefühl, es sei etwas besonderes wieder auf einer großen Con zu sein. Nein, es ist so, als hätte es keine Jahre lange Pause gegeben, alles ist vertraut, so wie immer eben, so wie früher.
Ich kaufe mir eine Tageskarte für satte 45€ an der Tageskasse, bekomme ein rosanes Plastikband ums Handgelenk geschlungen, prima passend zu meinem schwarz-grünen-Kleid, und einen Ausweis ausgehändigt.
Das Problem mit dem Preis ist, dass man gar nicht alles mitmachen kann und will, was für diesen Preis geboten wird. Ich bin der Meinung, dass es mit ein paar weniger Gaststars immer noch eine gute Con wäre. Die Starpanels interessieren mich meistens sowieso nicht, von einigen Gaststars hatte ich noch nie gehört und den Klamauk, den manche von ihnen auf der Bühne veranstalten kapiere ich nicht.
Was mir jedoch gut gefallen hat, ist das vielfältige jenseits-der-Starpanels-Programm. Es gab viele Vorträge über diverse Fantasy-Welten, einige davon mit wissenschaftlichen Anspruch und wem das zu passiv war, konnte sich an diversen Workshops (Stunt, Chorsingen, Tanzen, Maskenbildnerei) beteiligen.
Wir besuchten eine Diskussion über die Harry Potter Filme. Auf der einen Seite eine Frau, die die Filme für gut gelungen hält, auf der anderen Seite ein Mann mit grauem Rauschebart, der die Verfilmung abschätzig beurteilte.
Parallel zum Lesen der HP-Reihe schaue ich mir die Filme an und bemerke, wie viel weggelassen, verändert und sogar dazu gedichtet wurde. Sicher, eine Verfilmung muss immer Abstriche machen, aber etwas näher am Buch wäre sicher möglich gewesen. Dennoch halte ich die Filme für eine gute Ergänzung zu den Büchern und auch geeignet für den Einstieg in das HP-Universum, war es doch der erste Film, der mich in dieses fantastische Universum hinein gleiten ließ.
Der Antifilm-Diskutant machte einige Bemerkungen, denen ich überhaupt nicht zustimmen kann. Ich finde die Filme keineswegs gewaltätiger als die Bücher. Quidditch ist auch im Buch ein raues Spiel, das nie ohne Verletzungen über das Spielfeld geht. Gerade diese rauere Welt findet mein Vergnügen, denn mir geht das überkanditelte Sicherheitsgetue und Ausrichten des Lebens auf Risikominimierung, man denke an den Gesundheitswahn, auf die Nerven.
Narnia und Goldene Kompass hielt er Buch wie Film sowieso für eine Katastrophe. Besonders kritisierte er die Schlachten in Narnia, zu viel Gewalt, dabei vergnüge ich mich bei den Schlachten köstlich, wenn Pathos, Triumph und Schmerz sich vermischen.
Dann verblüffte er das Auditorium mit der Aussage, er sähe beim Lesen keine Bilder in seinem Kopf. Hä, wie geht das denn? Für ihn gäbe es nur das Wort und die Logik einer Geschichte. Er gehöre zu jenen, die nach logischen Fehlern in Geschichten suchen und sich damit den Spaß an einer Geschichte selbst verderben, wenn sie fündig werden. Was für ein Nörgelkasper.
Die obligatorische Fotosession hielten wir draußen auf einem Rasenstück vor dem Maritim ab. Jede einzeln in diversen Positionen, Raven mit Liane, Raven mit Persephone. Eine Auswahl ist hier zu bewundern.
Erfreulich war das eigens für die Con angerichtete Essensangebot durch das Hotel. Ich erinnere mich noch an durchhungerte Cons, weil es nichts zu essen gab und man von mitgebrachten Notrationen zehren musste. Doch diesmal verspeiste ich einen Ofenkartoffel mit Sauerrahm, Wokgemüse mit Reis und eine Waffel mit heißen Kirschen und Sahne.
Wir wandelten durch den Händlerraum, so viel schöne Sachen, aber nichts, was man wirklich braucht. Vielleicht würde ich mir Sonntag etwas leisten. Zum Kotzen fand ich einen Pelzstand mit der frechen Aufschrift: Pelz statt Pannesamt.
Es ist erschreckend wie salonfähig Pelz wieder geworden ist, nach dem es einige Jahre total verpönt war, Pelz zu tragen. Die Menschen lernen eben nichts dazu. Besonders in der Mittelalterszene, in der einige Verkaufsstände wie dieser zu verorten sind, gilt Pelz als totschick im wahrsten Sinne des Wortes. Das muss doch wirklich nicht sein, Mittelalter-Reenactment muss auch ohne Pelz auskommen können.
Aber die Welt ist ja GAR NICHT BÖSE, NEIN!
Weil wir alle drei keine Konditionshelden sind, verbrachten wir viel Zeit auf den Sitzgruppen außerhalb des Con-Bereichs.
Am späten Nachmittag gingen wir auf ein Hotelzimmer von Ravens Bekannten, wo sie sich in Lord Voldemort verwandelte: Ganzkopfmaske, Kontaktlinsen, lange Plastikfingernägel. Letztere machten sie hilflos, so dass ich Mylord die Plateau-Schuhe (damit sie-er größer wirkt) anziehen und schnüren musste, was tut man nicht alles für seinen Boss. Da ich für Domination/Submission-Spiele immer zu haben bin, küsste ich dem Dunklen Lord hingebungsvoll den Mantelsaum. Die Fotos davon sind leider noch nicht verfügbar.
Es folgte der Kostümwettbewerb, der von den meisten Teilnehmern zu einem Show-Wettbewerb umfunktioniert wird, wobei man zwanghaft witzig sein will. Mir sind die Kostüme am liebsten, die es schaffen, ohne Gehopse und langes Gequatsche über die Bühne zu gehen, so wie der Joker und seine Catwoman und eine fantastische Beatrice Lestrange.
Während die Jury beriet, hechtete Ravens Bruder als Jack Sparrow mit seinem Stuntteam durch den Saal. Raven-Voldemort hatte eine kleine Rolle und überreichte Jack auf der Flucht seinen Zauberstab, um sich den Verfolgern zum Kampf zu stellen. Zu dumm nur, dass Jack Sparrow nicht zaubern kann.
Anschließend ging es wieder in das besagte Hotelzimmer, wo Raven sich zurück verwandelte. Allen ernstes musste sie die Plastiknägeln in einer Flüssigkeit durch Eintauchen und Reiben auflösen. Was es alles gibt.
Eigentlich hatte ich mir das Panel von John Rhys Davies ansehen wollen, weil ich den Schaupieler gerne mag und auch den Charakter Gimli, den er in HdR spielt. Aber nach dem Kostümwettbewerb im vollen Saal mit lautem Gepfeife und Gekreische der Zuschauer, war ich zu überreizt, um mich wieder in die Masse zu stürzen. Zudem machten meine Stöckelstiefel jeden Schritt zur Qual und ich war froh, wenn ich einfach nur da sitzen konnte.
Zum Schluss warfen wir noch einen kurzen Blick in eine Show der Ringstars, eine Fangruppe, die bei jeder RingCon ein Musical oder ähnliches aufführt. Ich fand die Parodie sogar lustig – und es ist nicht leicht mich zu belustigen. Besonders gut gefiel mir der frustrierte Voldemort.
Gegen 22:00 verabschiedete ich mich von Raven und Liane und quälte mich zurück zum Hotel Rheinland. Wäre der Boden nicht feucht gewesen, hätte ich die Stiefel wahrscheinlich ausgezogen, aber so schmerzte jeder Schritt, der Weg schien sich in Endlosigkeit auszudehnen, auf den letzten Metern wimmerte ich in die einsame Nacht hinein. Und dann irgendwie saß ich in meinem Zimmer Nr. 25 auf dem Stuhl und streifte die Fußfolterer ab. Schnell das Bett herrichten, Ausziehen, Drogen schlucken (Tilidin und Trazodon) und husch ins Körbchen.
Ich schlief sofort und selig ein.
Um 8:15 trällert der Handywecker, gähn. Das reichhaltige Frühstücksbuffet versöhnt mich mit dem jungen Tag. Diesmal ziehe ich bequemere Schuhe an, aber die gestrige Tortur steckt noch in meinen Füßchen.
Später als zu den vereinbarten 10:00 tippele ich in kleinen Schritten im Maritim ein. Diesmal muss ich keine Tageskarte kaufen, denn Raven besorgt mir eine Freikarte von ihrem Bruder. Dankend verbeug dafür.
Ein Hauch von Con-Blues liegt bereits über dem Fantreffen. Die Zahl der Gewandeten ist deutlich geringer geworden, dennoch bin ich beeindruckt von den vielen Kostümträgern auf der Ring-Con. So wie ich die Fed-Con in Erinnerung habe, liefen dort mehr Muggles in Zivil herum. Die vielen schönen Kleider der Frauen und eleganten Rüstungen der Männer sind ein Labsal für die Augen. Mir fällt auf, welche gute Figur auch viele dicke Frauen in den Gewändern machen, wie viel besser sie aussehen, wenn sie sich nicht in die androgyne Einheitsmode aus männlichen Arbeiterklamotten (Jeans und T-Shirt) zwängen. Die historisierenden Roben sind für die weibliche Figur gemacht und kleiden besonders, wenn diese Figur stark ausgeprägt ist. Weswegen jenseits von besonderen Contagen dennoch so wenig Kleider getragen werden, ist mir ein Rätsel.
Mit Raven schlenderte ich durch den Händlerraum und blieb an einem Stand hängen, der sogenannte Tiaras verkaufte. Es handelt sich dabei um ein Diadem, wie es gerne in Gothic- und Fantasykreisen getragen wird. Ich wählte eines mit smaragdgrünen Steinen passend zu meinem Kleid aus. Der Stirnschmuck steht mir ausgezeichnet, das bestätigte auch Raven und selbst der Händler meinte, für mich müsse es diese spezielle Tiara sein – ich denke, das sagte er nicht nur als verkaufsfördernde Maßnahme.
Als wie dort standen und Tiaras anprobierten, hatten wir einen Gedankenblitz und beschlossen spontan zur nächsten Fed-Con gemeinsam als Centrauri-Frauen zu gehen. Der Stirnschmuck ließe sich hervorragend in das Kostüm einarbeiten, deshalb wird mein Kleid wohl grün werden. Raven entschied sich schließlich für ein Diadem mit blauen Steinen. 25€ kostete das Stück, ein üppiger Preis für einen Metalldraht und unechte Steine, aber bei ebay kosten die Dinger locker 32€. Der Händler klagte über mangelnden Absatz. Das Geld verkriecht sich in diesen Zeiten eben tiefer in den Taschen.
Mein Auge fällt auf einen gut gemachten Gandalf, groß gewachsen, sehr überzeugend wirkend. Ich bitte ihn darum, mit ihm ein Photo machen zu dürfen. Freu!
Die meiste Zeit des Tages verbringen wir bei dem Workshop: Tänze aus Mittelerde.
Es handelte sich dabei um Gruppen-Volkstänze, wie ich sie aus Schloß Hamborn kenne. Gestern hatte ich mich noch darauf gefreut, heute angesichts meiner zerschundenen Füße war ich skeptisch, aber dann tanzte ich doch mit und es machte Spaß.
Überrascht waren wir, als es hieß, der Tanz solle auf der Closing-Ceremony aufgeführt werden. Huch, also noch mehr üben. Die einzelnen Elemente waren einfach und konnte ich mir gut merken, nur die Reihenfolge machte mir Probleme.
Während einer Übungsrunde tanzte ich mit Andreas Duck, den ich noch aus früheren Zeiten kenne, wobei ich mir nicht sicher war, ob er mich auch noch kennt. Weil Liane nicht mehr bis zur Closing bleiben wollte, paarte ich mich für den Auftritt mit Raven. Bei so einem kurzen Gruppentanz im hintersten Winkel der Bühne, flackerte fast kein Lampenfieber auf. Das ganze dauert keine fünf Minuten.
Und so geht die RingCon zu Ende. Um 18:00 ist die Closing-Ceremony fertig. Neben Andreas D. hatte ich noch zwei weitere Bekannte aus meinen alten Fanzeiten getroffen: Michar vom Kölner Trekdinner und Athena, die fast jedes Wochenende in diversen Fanangelegenheiten durch die Republik reist.
An der Garderobe hole ich meinen Koffer ab und pilgere zur Toilette, wo ich die Perücke ausziehe das Kleid wechsele. Viel Zeit für Abschiedsschmerz bleibt nicht mehr, denn um 19:30 fährt mein Zug vom Bonner Hbf und ich muss mich auf den Weg machen.
Auf dem Bahnhof treffe ich Athena wieder. Es gibt einige Verwirrung wegen Zugausfälle, aber meine Züge fahren pünktlich und tadellos und ich komme nach 22:30 müde und zufrieden zu Hause an. Erschöpft und mit angenehmen Muskelkater schlafe ich sofort ein.
Die RingCon hat Appetit auf mehr gemacht. Die ganze Zeit schon, hätte ich mir gerne ein prunkvolles Kleid genäht. Aber bei welcher Gelegenheit hätte ich es anziehen sollen? Geplante Con-Besuche fördern die Kreativität. Monatelang wird an neuen Kostümen gebastelt, man braucht eben ein Ziel, auf welches man hinarbeiten kann.
Ich freue mich sehr darauf, mit Raven Centauri-Kostüme anzufertigen. Neben der Näh- und Stickarbeit müssen wir Latex-Glatzen herstellen, denn die Centauridamen tragen Spiegelglatze. Fast schade, dass meine Chemo-Glatze wieder zugewachsen ist. Bis Ende April 2009 haben wir Zeit. Die FedCon ist Anfang Mai.Toll, dass wir wieder ein Projekt zusammen machen und wie es aussieht, werden wir es uns nicht verkneifen können, am Kostümwettbewerb teilzunehmen.
Ich werde jetzt wohl wieder öfter eine Con besuchen. Es war sogar geplant die kleine, eigene Sim Con wieder aufleben zu lassen, aber weil wir zum gewünschten Termin kein geeignetes Haus finden können, liegt die Planung erstmal auf Eis.
]]>Mein Blogeintrag vom 14.März 2006 Dubiositäten in Rethen über die infame, mittlerweile abgewirtschaftete Taurus GmbH, die mit Nepper-Methoden sowohl ihrem Personal als auch ihren Kunden geschadet hat, ist der erfolgreichste aller meiner Eintrage. Er wurde bis zum 20.09.2008 Zweitausendzwanzigmal (2020) gelesen und Einhundertsiebenundvierzigmal (147) kommentiert.
Bei der Taurus GmbH in Laatzen-Rethen handelte es sich um eine unseriös arbeitende und Wucher betreibende Schuldnerberatung.
Unter diesen Kommentaren fielen eine Reihe von Beiträgen auf, die sich positiv über ihre Erfahrungen mit der Taurus GmbH äußerten, z.B. Storch. Da die Taurus GmbH jedoch bereits seit 2003 auf der Liste dubioser Firmen stand, ist es unwahrscheinlich, dass diese positiven Erfahrungsberichte der Wahrheit entsprechen. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um Fake-Berichte, die aus dem Umfeld Thomas Schmucks, des ehemaligen Geschäftsführers und Hauptverantwortlichen der wuchernden Geschäftspraktiken der Taurus GmbH, stammen.
Thomas Schmuck wurde vom Landgericht Hannover wegen Wuchers zu 20 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.
Auf der anderen Seite stehen viele Kommentatoren, die glaubwürdig über ihre schlechte Erfahrung mit der unlauteren Firma berichten.
Am 30.März 2008, also immerhin zwei Jahre nach Veröffentlichung des Blogartikels taucht ein Kommentator unter dem Pseudonym schuldner auf. Dieser äußert sich zunächst negativ über die Taurus GmbH und wirft dabei einige Namen in den Raum, die mit der Taurus GmbH in Verbindung stehen und nun an anderer Stelle ihre unseriösen Geschäftspraktiken weiterführen sollen. Angeblich stammen die Namen aus Internet-Recherchen, wahrscheinlicher aber ist, dass sie aus dem Dunstkreis von Thomas Schmuck selber stammen, denn seltsamerweise kommt der eigentliche Übeltäter, Thomas Schmuck, in dieser Aufzählung nicht vor.
Im Dialog mit anderen Blogkommentatoren verwickelt sich schuldner in Widersprüche und plaudert so sehr aus dem Nähkästchen, dass der Verdacht aufkommt, es handelt sich bei schuldner um Thomas Schmuck selbst. Ein Verdacht, der erstmals von cruise2000 ausgesprochen wird.
So in Bedrängnis gebracht, schreibt schuldner immer verwirrteres Zeug, behauptet gar, Thomas Schmuck sei niemals verurteilt worden. Wer anderes als Thomas Schmuck selbst oder eine ihm sehr nahe stehende Person hätte wohl ein Interesse daran, diese Person so verzweifelt zu verteidigen. Auffällig ist zudem, dass schuldner die deutschen Umlaute als ae, oe, ue schreibt, was darauf hin deutet, dass er an einer fremdsprachigen Tastatur sitzt. Dazu muss man wissen, dass Thomas Schmuck sich nach Brasilien abgesetzt hat.
Im Sommer 2008 tauchen dann weitere Pseudonyme auf: Paul, Malte, Lutti, die allesamt in die Bresche des schuldners springen und unbeholfen für Thomas Schmuck und gegen Personen wie Rechtsanwalt Asmuss und Klaus Dieter Hinkel argumentierten. Beide hatten zwar geschäftlich mit der Taurus GmbH und Thomas Schmuck zu tun, finden sich jedoch auf der Seite der Geschädigten wieder.
Zieht man den identischen Schreibstil in Betracht, handelt es sich bei schuldner, Paul, Malte, Lutti vermutlich um die selbe Person.
Lange habe ich das Geschreibe dieses Pseudonym-Konglomerats geduldet, bis Malte gegen mich persönlich ausfallend wurde, denn nach dem ich ihn ermahnt hatte, seine Kommentare bald nicht mehr dulden zu wollen, schrieb er folgendes am 30. Juli 2008:
Hallo Persephone,
es ist völlig irrelevant was Du duldest, oder was Du nicht dulden willst, Auch die hellseherischen Fähigkeiten die Du für Dich hier eingestehst sind völlig egal.
FALSCH FALSCH FALSCH
In meinem Blog ist allein relevant, was ich dulde oder nicht. Die hellseherische Fähigkeiten beziehen sich auf meine Vermutung, dass es sich bei schuldner, Paul, Malte, Lutti um ein und dieselbe Person handelt, während die Anti-Taurus-Kommentieren wie cruise2000, emily und andere nicht miteinander identisch sind. Letzteres hatte das Pseudonym-Konglomerat behauptet. Es ist eine alte Masche, eigene Taten immer anderen in die Schuhe zu schieben und sich selbst als Unschuld zu präsentieren, was natürlich keiner glaubt.
Nach dieser ausfallenden Bemerkung seitens Malte, habe ich ihm das Wort verboten und die Löschung aller weiteren Kommentare von ihm angekündigt.
Zwischenzeitlich betrat ein neuer Streiter unter dem Pseudo shitforfun meine Blogbühne und mischte kräftig mit. Unter anderem veröffentlichte er einen Link zu einer bitterbösen Satire auf die Homepage der von Thomas Schmuck nach seiner Auswanderung nach Südamerika initiierten Firma Taurus International SRL in Bolivien. Shitforfun ahmte das Design nach und verulkte den Inhalt auf so schonungslose Weise, wie es meist nur die blanke Wahrheit zu schaffen vermag.
Zur Homepage der bolivianischen Firma geht es hier: http://ts-consul.de.lv/
Der Link zu Shitforfuns Satire ist das einzige mal, dass die Firma Taurus International SRL Bolivien in meinem Blog erwähnt wird.
Oh Verzeihung, ich habe oben die Titel des Herrn Schmuck vergessen. Korrekt heißt es Consul Dr.h.c. Thomas Schmuck, denn um sein Selbstwertgefühl aufzupolieren, hat er sich einen schmucken Consul- und Doktor-Titel gekauft. Laut der oben genannten Website, ist er Honorar-Consul der verarmten afrikanischen Republik Liberia und Dr. Honoris causa der Universidad del Golfo in Mexico.
Ob Liberia wohl Consul-Titel an jeden Wannabe verkauft, um seinen Staatshaushalt auf zu bessern? :monster
Nachdem ich Malte das Wort verboten hatte, war es stiller um die Dubiositäten in Rethen geworden…
Bis ich dann am 16.09.2008 von der E-Mail-Adresse ts-consul@gmx.de folgendes elektronisches Schreiben erhielt:
von
Firma Taurus International SRL
Casilla 967
Santa Cruz de la Sierra www.ts-consul.de.lv
an:
Blogbetreiber
wotanstochter.de < persephone.schattendings.de
< Rubrik Rethen >
Sehr geehrte Frau Dukat
in Bezug Ihres Blogs Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass diese Verfälschung unter strafrechtlichen Gesichtspunkten zu werten ist, wobei Sie die Freigabe gegeben haben Diesrt Eintrag vom 18.08.08 unter dem Pseudunym In diesem Eintrag werden personenbezogene Daten veröffentlicht, Personen und Unternehmen beleidigt und verunglimpft usw Somit bitten wir Sie und fordern gleichzeitig auf, dass der genannte Eintrag und alle weiteren Einträge, die mit unserem Unternehmen in Verbindung stehen, umgehend gelöscht werden Als Erledigung notieren wir uns den 18.September 2009. Sollten bis zum gesetzten Termin die Eintrag nicht gelöscht worden sein, werden wir die Angelegenheit unseren Rechtsbeistand weitergeben, der Unterlassung und Abmahnung erteilt. Das auf Grund unseres Hinweises die Kosten zu Ihren Lasten gehen, sollte Ihnen bekannt sein. In Erwartung der Erledigung der Löschung oder Einlegung unseres Rechtsanspruches nach fruchtlosem Fristablauf verbleiben wir. Mit freundlich Gruss
Firma Taurus International SRL
SC – Bolivien
(alle Schreibfehler im Original)
Na nu! Es fällt sofort auf, dass dieses Schreiben nicht von einem Menschen unterschrieben wurde, sondern lediglich von einer Firma. Aber wie ist das möglich? Seit wann besitzt ein Abstraktum wie eine Firma Hände, die auf einer PC-Tastatur einen Text schreiben kann? Und wie passt eine deutsche GMX-Email-Adresse zu einer bolivianischen Firma? Wer verbirgt sich hinter dieser email-Adresse? Das Ganze klingt wie eine schlechte Karnevalsnummer.
Trotz allem, in meiner unermesslichen Barmherzigkeit habe ich besagten von Shitforfun am 18.08.2008 veröffentlichten Kommentar und damit den Link gelöscht.
Allerdings muss ich den Ghostwriter des obigen Schreibens korrigieren: in diesem Eintrag werden weder personenbezogene Daten veröffentlicht, noch Personen und Unternehmen beleidigt und verunglimpft. Denn der Eintrag lautet schlicht und simpel:
Verehrte Kritiker,
hier der virtuelle Beweis: Taurus Saulus****
http://www.*********.de.lv
Wer im Netz sich bewegt fällt immer durch die Maschen.
Mit Gedenken an den so genannten Consul Schmuck.
Wenn der kriminelle Typ in Brasilien sein soll, dann wohne ich in Thymianshausen.
Da Thomas Schmuck rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von immerhin 20 Monaten verurteilt worden ist, kann man ihn zu Recht als kriminell bezeichnen. Und wie man sieht werden auch keine personenbezogen Daten über Thomas Schmuck veröffentlicht, die intimer Natur sind oder gegen den Datenschutz verstoßen.
Die Verunglimpfung erfolgt allein in der von shitforfun zusammen gezimmerten Satire-Homepage.
Obwohl ich gnädigerweise der Aufforderung des sich hinter der anonymen Email-Adresse ts-consul@gmx.de verbergenden Person nachgekommen bin und den einzigen mit der Firma Taurus International SRL in Verbindung stehenden Eintrag aus meinem Blog gelöscht habe, erhielt ich am 20.09.2008 noch eine Email von ts-consul@gmx.de, in der mir erneut gedroht wird.
20.09.2008
von
Firma Taurus International SRL
Casilla 967
Santa Cruz de la Sierra www.ts-consul.de.lv
an:
Blogbetreiber ( siehe unten )
in Bezug unserer Mail vom 16.09.08 mit Fristsetzung zum 18.09.08 ist festgestellt worden, dass Sie unserer Aufforderung der Löschung der persönlichen Daten der Taurus International SRL und deren Personen nicht in vollem Umfang nachgekommen sind.
Wir weisen vorsorglich nochmals darauf hin, dass Herr Consul Dr. h.c. Thomas Schmuck der Inhaber der Taurus International SRL in Bolivien ist und somit den Daten ünterliegt.
Dieses betrifft insbesondere Daten, die die Persönlichkeitsrechte verletzten und Pseudonyme personenbezogen Beschimpfungen, Beleidigungen usw. vornehmen.
Als Erledigung der Löschung notieren wir uns den 23.09.2008. Bei fruchlosem Fristablauf werden wir von unserem Rechtsanspruch gebrauch machen.
Die Geschäftsleutung
Taurus Group International SRL – Bolivien
(alle Schreibfehler im Original)
Jetzt platzt mir der Kragen, mit einem solchen Unsinn belästigt zu werden.
Das ist ein offener Brief, einen anderen werden Sie nicht von mir bekommen.
Ihrer “freundlichen” Aufforderung, den Link www.ts-*******.de.lv aus dem Beitrag des “Shitforfun” vom 18.08.2008 komme ich zwar nach, aber ich weise darauf hin, dass ich dies nicht müsste, da ich die o.g. Website nicht verwalte und ich für deren Inhalte nicht verantwortlich bin.
Wie Sie allerdings behaupten wollen, dass die IP-Adresse von “Shitforfun” aus Deutschland sein soll, kann ich nicht nachvollziehen, da nur ich den Zugang zu diesen Daten habe. Oder haben Sie sich etwa in meine Logfiles gehackt? Sie wissen schon, dass dies strafbar wäre?
Inhaltlich ist Ihre Email bzw. Ihre freundliche Aufforderung zur Beseitigung des Beitrages vom User “Sitforfun” vom 18.08.2008 ohnehin wertlos, da Sie sich als Absender dieser Email nicht genügend ausgewiesen haben.
Oben zitierte elektronische Schreiben wurden von der E-mail-Adresse ts-consul@gmx.de gesendet.
Wie wahrscheinlich ist es, dass eine in Bolivien ansässige Firma eine deutsche GMX-mail-Adresse benutzt? Diese E-mail-Adresse taucht auf der Firmenwebsite http://ts-consul.de.lv/ weder im Impressum noch beim Kontakt noch sonst wo auf. Darüber hinaus sind die beiden E-Mails unprofessionell verfasst, denn sie enthalten nicht einmal einen Personennamen als Absender, was den Gepflogenheiten des internationalen Schriftverkehrs widerspricht, wie ich sie von einer international tätigen Firma erwarten kann.
Daraus folgere ich, dass keine Verbindung zwischen ts-consul@gmx.de und der Taurus Group International SRL – Bolivien besteht und sich jemand einen schlechten Scherz erlaubt.
Da kann ja jeder kommen, sich bei GMX, ich wiederhole bei GMX, irgendeine wichtig klingende e-mail Adresse einrichten und quer durch das Internet lustige Drohschreiben verschicken.
Für wie bescheuert halten Sie mich eigentlich!?
Ich will Ihnen das mal an Hand eines Beispiels erklären. Nehmen wir an, ich richte mir folgende E-mail-Adresse ein:
g.w.bush-us.president@gmx,de
Von diesem Absender aus schreibe ich eine mail an die deutsche Bundeskanzlerin und fordere sie mit Fristsetzung auf, Bundeswehr-Truppen in den Irak zu entsenden. Andernfalls würden die USA ein Wirtschaftsembargo gegen Deutschland verhängen.
Lächerlich nicht wahr? Natürlich würde eine solche E-mail sofort als Spinner-Spam gelöscht werden.
Welche Veranlassung habe ich, nicht das selbe mit Ihren E-mails zu tun? Sie haben mir nicht bewiesen, dass Sie überhaupt eine Legitimation haben, im Namen der Taurus Group International SRL zu schreiben.
Wer sind Sie überhaupt? Sie weigern sich hartnäckig, mir Ihren Namen mitzuteilen.
Trotz all dieser Zweifel bin ich der Aufforderung Ihrer Email von 16.September 2008, den Kommentar nebst Link von Shitforfun 18.08.2008 zu löschen in vollem Umfang nachgekommen. Eine weitere Verbindung zur Firma Taurus International SLR ist in meinem Blog nicht zu finden. Selbst wenn Sie, wie Sie behaupten, im Namen dieser Firma sprechen, haben Sie keinen Grund mit in Ihrer zweiten Email von 20.09.2008 vorzuwerfen, ich sei Ihrer Forderung nicht in vollem Umfang nachgekommen.
Sie, wer immer Sie sind, schreiben in ihrer zweiten Email:
dass Sie unserer Aufforderung der Löschung der persönlichen Daten der Taurus International SRL und deren Personen nicht in vollem Umfang nachgekommen sind.
Der offenbar aus dem Umfeld um Herrn Consul Schmuck stammende Lutti hatte am 04.08.2008 geschrieben:
Herr Hinkel,
wie gesagt, erstaunlich, mit welchen Namen Sie hier im BLOG den Schmuck in Verbindung bringen.
Ob Herr Schmuck überhaupt den Blog liest, wage ich zu bezweifeln.[...]
Es bringt auch nichts, immer wieder auszuweichen und mir Fragen stellen, die Sie nicht mir sondern Herrn Schmuck stellen wollen. Wenn Sie Herrn Schmuck Fragen stellen wollen, sollten Sie dieses auch an richtiger Stelle tun.
In diesem Sinne, auch wenn es redundant ist: Falls Herr Thomas Schmuck mir etwas zu sagen hat, so möge er sich persönlich an mich wenden.
Darüber hinaus ist es ein Kinderspiel sich mit Teilen einer Domain eine Adresse bei einem freien Webmailer einzurichten.
Probieren Sie doch mal diese Adresse aus: ts-consul@freenet.de
Die habe ich mir eben bei www.freenet.de angelegt. Jetzt kann ich auch wichtige E-mails im Namen der Taurus Group International SRL – Bolivien schreiben. Nicht dass ich ein Bedürfnis danach hätte.
Es mag ja Leute geben, die sich von Ihren aufgeplusterten E-Mails beeindrucken lassen, ich gehöre nicht dazu. I´m not impressed
Ich stehe als Blogbetreiberin mit Namen und Adresse für das ein, was ich hier schreibe. Sie hingegen wagen es, mir zu drohen und haben dabei nicht mal den Mut Ihre Schreiben mit Ihrem Namen zu unterschreiben. Wie erbärmlich!
Ich fordere Sie hiermit freundlich auf, mich ab sofort nicht mehr mit Ihren E-Mails zu belästigen, und falls Sie doch vom Schreibzwang übermannt werden, wartet mein Spamfilter mit offenen Armen auf Ihre Buchstabensammlung. Es steht Ihnen jedoch frei, sich in diesem Blog als Kommentator zu äußern, denn ich bin eine Verfechterin, der freien Meinungsäußerung, das schließt Meinungen ein, die ich persönlich für schwachsinnig halte.
Mit freundlichen Grüßen
Tharanis Dukat
Betreiberin des Blogs Persephones Welt
Am 02.September 2008, Dienstag, erhielt ich den Bescheid. Er ist eine KRIEGSERKLÄRUNG! Anstatt Geld zu bekommen, wird mir mein geringes Habe noch aus der Tasche gezockt. Von den Armen kann man es ja nehmen. :schockblick
Aber nun alles Punkt für Punkt!
Als ich im Juli meinen Rentenbescheid erhielt, hieß es, die Rentenzahlung beginne ab September 2008. Also, so schlussfolgerte ich logisch, müsse bis dahin mein gegenwärtiges Einkommen, Krankengeld, weiterlaufen. So war es ausreichend, wenn ich im August einen Antrah auf Grundsicherung als Ergänzung zu meiner Rente beantrage. Mein Krankengeld war zu hoch, als dass ich einen Grundsicherungs-Anspruch während der Bezugsdauer von Krankengeld gehabt hätte.
Ich hatte zuletzt am 11.Juli den Zahlschein für das Krankengeld von meiner Hausärztin abstempeln lassen. Gezahl wird immer rückwirkend. Also für den Zeitraum seit meinem letzten Zahlschein bis zum 11.Juli.
Den nächsten Zahlschein wollte ich bei meinem nächsten Hausärtzin-Besuch am 21. August abstempeln lassen. Doch dann kam es ganz anders, denn Mitte August erhielt ich eine Nachricht von der Rentenversicherung, in der es hieß, ich bekäme eine Rentennachzahlung für den Zeitraum 12.Juli bis 31. August.
So ein Mist, das hätten die doch gleich sagen können. Denn das bedeutet, dass ich bereits ab dem 12. Juli Anspruch auf Grundsicherung gehabt hätte. Da ich den Antrag aber erst im August gestellt habe, erhalte ich keine Grundsicherung für Juli, da erst ab dem Monat der Antragstellung gezahlt wird.
Schön, da habe ich eben die Arschkarte gezogen und muss für zwei-drittel des Monates Juli mit einer mirkrigen Rentennachzahlung in Höhe von 218 € auskommen.
Ha, ha von wegen. Wäre ja noch schöner, wenn ich mein Geld weit unter der Armutsgrenze behalten dürfte. Oh nein, dieses scheiß Amt hat mir selbst diesen Hungerbetrag noch gestohlen.
Die 218 € Rentennachzahlung für Juli habe ich in einem Betrag mit der Rentennachzahlung für August im August erhalten. Gesamthöhe 562 €.
Dieser Betrag wurde mir in voller Höhe von der Grundsicherung abgezogen.
Also nochmal: Ich bekomme im Juli keine Grundsicherung sondern nur winzige 218 € Rente weit unter dem Existenzminimum, dennoch wird mir dieses geringes Einkommen noch weggenommen, weil die Nachzahlung zu einem Zeitraum erfolgte, für den ich Grundsicherung beziehe.
Bedeutet, ich habe für den Zeitraum 12. bis 31. Juli überhaupt kein Einkommen, weil mir die Grundsicherung, die doch eigentlich mein Existenzminimum gewähren soll, mich abzockt.
Das ist doch der Gipfel der Unverschämtheit und Absurdität.
Ich habe nur noch eines: WUT WUT WUT
“Wipe them out, all of them”, um es mit Imperator Palpatines Worten zu sagen. Und wieder einmal kann ich gut verstehen, dass jemand zum Amokläuder oder Terroristen wird. Die Welt der Bescheuerten und Bekloppten hat nichts anderes verdient.
Aber das ist noch nicht alles, wäre doch gelacht, wenn sich bei mir nicht noch mehr abzocken ließe.
Ebenfalls im August habe ich eine Rückerstattung der Krankenkasse in Höhe von 128 € erhalten. Die Rückerstattung erfolgte, weil mir ja meine Rente rückwirkend zum 01.12.2007 gewährt wurde und damit die vom Krankengeld abgezogenen Beiträge zu den Sozialversicherungen hinfällig wurden.
Wohlgemerkt die Rückzahlung erfolgte zwar im August, gilt aber für einen Zeitraum vom 01.12.2007 bis 11.Juli 2008.
Der Leser wird es bereits ahnen, auch diese 128 € wurden mir gnadenlos von der Grundsicherung abgezogen.
Grundsicherung, ein Verlustgeschäft.
Unverbesserliche Optimisten könnten meinen, wir leben ja in einem Rechtsstaat, das kann unmöglich rechtens sein, also schnell Widerspruch einlegen, und alles wird gut. Idioten.
Wie ich immer sage:
Optimismus ist ein verzweifelter Akt der Verdrängung
Erst vor wenigen Tagen habe ich in der VDK-Zeitung (ich bin seit April 2008 Mitglied im VDK, der Lobby für sozial Schwache) ein Urteil des Bundessozialgerichts gelesen, in dem genau diese Praxis als rechtens erklärt wird.
Das bedeutet, es ist nicht relevant, für welchen Zeitraum eine erhaltene Zahlung gilt sondern allein der Zeitpunkt des Zahlungseinganges zählt. Das ganze wird in der Bürokratensprache als Zufluss-Prinzip bezeichnet.
AAAARRRRGGGGHHHHH, TOB, WÜT, AMOKLAUF
Was lernen wir wieder aus diesem Ereignis: Erwarte keine Gerechtigkeit von diesem durch und durch verdorbenen System. Ich will hier weg. Gäbe man mir eine Oneway-Ticket zu irgendeiner außerplanetarischen Destination z.B. Mars, ich würde sie sofort ergreifen.
Nein, ich bin noch nicht am Ende. Auf der Liste der Greulichkeiten winken zwei weitere Punkte.
Als ich in meine Wohnung eingezogen bin, setzte der Stromanbieter mich auf die lächerlich niedrige Abschlagzahlung von 20 €. Die Folge war, dass ich eine fette Nachzahlung in Höhe von 491 € leisten musste. Meine Abschlagzahlung wurde daraufhin auf 60 € erhöht.
Wichtig ist hierbei, dass auch meine Heizkosten in diesen 60 € enthalten sind, da ich mit Nachtspeicheröfen heize – und natürlich machen die Heizkosten den größten Teil dieser 60 € aus.
Heizkosten werden von der Grundsicherung übernommen, außer bei mir. Die Behörde zahlt mir nur lasche 20 € Heizkosten. Das dieser Betrag nicht stimmen kann, sollte bei den heutigen Preisen doch jedem klar sein. Und natürlich habe ich einen Nachweis über die Höhe meiner Stromabschlagzahlung erbracht.
Offenbar haben die noch einen Beleg über die alte 20€ Abschlagzahlung von einem früheren Antrag, der dann nichtig wurde, weil mein Krankengeld ja zu hoch für einen Bezug von Grundsicherung war.
Da wird flux der veraltete, niedrige Beitrag eingerechnet, weil es schön ist.
Ich bin überzeugt, dass diese ganze Abzocke systematisch erfolgt. Die Rechtslage ist für arme Schlucker schon beschissen genug, aber das auch noch versucht wird, die Armen um ihr Recht zu betrügen, macht mich einfach fassungslos.
Zu allem kommt noch, dass der Grundsicherungsbescheid nur für bis einschließlich Oktober gültig ist, obwohl meine Einkommensverhältnisse doch bis zum 31.Mai 2010 klar geregelt sind.
Also muss ich im Oktober schon wieder den nächsten Antrag stellen mit all dem daran klebenden Ärger.
Alg II Bescheide werden wenigstens für ein halbes Jahr ausgestellt. Wieso kriegt das Sozialamt gerade mal die Hälfte hin, obwohl die Dauer meines Rentenbezugs doch viel länger ist?
Es ist ein Albtraum.
Nun muss ich einen langen Widerspruch schreiben, versuchen, mein Problem dem Amstbock einleuchtend zu machen. Viel Hoffnung, wenigstens meine Julirente zu retten, habe ich nicht, denn in diesem System kommt Bürokratenrecht vor Gerechtigkeit.
Zum Schluss noch ein paar Sätze über die
Obwohl mein Krankengeld nur die Höhe einer Grundsicherung oder ALg II hatte, konnte ich mich während dieser Zeit nicht von den GEZ-Gebühren befreien lassen, weil dieser Fall nicht für eine Befreiung vorgesehen ist. Auch Menschen mit geringem Einkommen, werden nicht befreit, es sei denn sie beziehen ergänzend Alg II.
Erst jetzt, da ich Grundsicherung beziehe, bin ich befreiungsberechtigt. Eine einfache Kopie des Grundsicherungsbescheides ist der GEZ jedoch nicht genug. Entweder die Kopie muss von einem Amt beglaubigt werden oder die Grundsicherung erteilende Behörde muss auf dem GEZ-Befreiungsantrag einen Stempel setzten.
Ich habe letzteren Weg gewählt. Da ich den abgestempelten GEZ-Befreiungsantrag erst mit dem Grundsicherungs-Bescheid Anfang Septemer erhalten habe, konnte ich diesen auch erst im September an die GEZ schicken.
Schön wäre es, wenn ich dann ab Oktober befreit wäre. So ist es natürlich nicht, da IMMER alles zu Ungunsten des Bürgers eingerichtet wird. Meine Befreiung wird erst im übernächsten Monat, also November gültig.
Weil es wegen dieser Praxis viel böses Blut gegeben hat, wurde die Möglichkeit eingerichtet, sich vorab befreien zu lassen und den Berechtigungsnachweis erst später beizubringen. Wegen des oben geschilderten Durcheinanders habe ich dies jedoch versäumt, zumal ich hoffte, den abgestempelten GEZ-Befreiungsantrag noch im August zu erhalten.
Hat natürlich nicht geklappt.
Diese beschwerliche Praxis gilt erst seit wenigen Jahren, ich glaube seit 2005. Früher war das Prozedere zur GEZ-Befreiung einfacher, zu einfach für den Abzocker-Verein GEZ. Schlimm finde ich gar nicht, dass es überhaupt GEZ-Gebühren gibt, ich schaue ziemlich oft öffentlich-rechtliches TV. Schlimm ist nur das spionierende und raffgierige Verhalten der GEZ.
P.S.
Da gibt es noch etwas. Eine dubiose Energiepauschale in Höhe von 6€, die mir vom Regelsatz 351€ abgezogen wird. Bisher konnte mir noch niemand erklären, was es damit auf sich hat. Na Hauptsache die Behörde erfreut sich vielseitiger Abziehmethoden, damit der Antragsteller am kein Geld bekommt sondern an das Amt zahlen muss. :meckerschreiben
Freitag, 13.Juni 2008
Beim Ticketkauf investierte ich ein paar Euro mehr und wählte eine Platz in der ersten Klasse, um Reisestreß und Überreizung zu reduzieren und nicht als Nervenbündel bei Frank anzukommen.
Bequemerweise konnte ich direkt von Frankfurt mit einem Intercity nach Kreiensen hinter Göttingen fahren, wo mich Frank abholte. In einer ca. 50minütigen Autofahrt ging es zu seinem Fachwerk-Hexenhäuschen in dem hübschen Dorf Ottenstein. Hier warf ich einen Blick auf die knapp drei Wochen alten Fiepsies, Katzenkinder von Phoebe von Tilan-Dru. Eines davon, den schwarz-weißen Aslan, hatte ich mir auf Grund von Bildern bereits als meinen Schützling ausgesucht. Es war bestürzend zu sehen, wie sehr er in seiner Entwicklung seinen beiden Wurfgeschwistern hinterher hinkte und wie schlecht es ihm ging. Doch noch hofften wir, dass er es schaffen würde, sich zu erholen. Wie ich bereits im Blog geschriebe habe, ist der kleine Aslan eine Woche später am 19.Juni verstorben und ich werde heute Abend wieder eine Kerze auf meinem Hausaltar anzünden.
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Aslan war von Geburt an der kleinste und schwächste seines Wurfes. Mit der Zeit blieb er immer weiter hinter seine Geschwistern zurück. Auch auf den Bildern steht er immer im Hintergrund oder abseits.
Zwischendurch waren wir im Sonnengarten, einem Öko-Kaffee, und futterten Nusstorte. Der Inhaber des Sonnenhofs macht bei Franks Aktion zur Schaffung einer gentechnikfreien Zone Ottenstein mit und hatte eine Unterschriftenliste bereit liegen, in der ich mich verewigte, weil ich absolut gegen Gentecknik jenseits mikrobiologischer Forschungslabore bin, weil damit alle Horror-Utopien der Science Fiction Filme gerade dabei sind, wahr zu werden und man vor diesem Terror nur noch in den Tod flüchten kann.
Für alle Fälle hatte ich meinen Badeanzug mitgenommen und machte Frank den Vorschlag, ein Thermalbad zu besuchen. Wir entschieden uns nach Franks Empfehlung für das beschauliche Ith-Solebad in Bad Salzhemmendorf.
Ich mag solche ruhigen Alte-Leute-Bäder ohne lärmende Plagen und gemütlich heißem Wasser. Ich muss es zugeben, seit der Krebserkrankung, vielleicht auf Grund des damit verbundenen Hormonverlustes, friere ich viel leichter als vorher und normal beheizte Hallenbäder mit 29 Grad Wassertemperatur ist mir fast zu kalt. Dagegen ließ es sich in den Sole-Becken mit 32, 34 und sogar 36 Grad sehr gut aushalten. Mon dieu wie dekadent, früher bin ich in die 13 Grad kalte Ostsee gehüpft.
However, das Suhlen im aufgewärmten Solewasser war ein sinnlicher Genuß und als zur Wassergymnastik aufgerufen wurde, war ich mit dabei, das ist die einzige sportliche Betätigung die mir Spaß macht, so lange sie nicht zum Terminzwang wird.
Auf dem Rückweg kehrten wir bei einem Italiener zum Abendessen ein. Ich futterte Salat und Spaghettie. Das Essen war lecker, weniger lecker war die Lärmbelästigung durch einen laut gestellten Fernseher mit Fußballübertragung. Frank bat um Minderung der Lautstärke. Diesem Wunsch wurde zunächst entsprochen, aber irgendwann haben es die Italiener offenbar nicht mehr ausgehalten und drehten wieder auf. Zum Glück ist dieses kollektive Wahnerleben bald wieder vorbei. Ich werde nie begreifen, wieso ein paar über grellgrünes Gras torkelnde Gestalten solche überschwappenden Emotionen auslösen.
Der Abend war schon fortgeschritten, als wir zu Frankens Heimstätte zurückkehrten. Ich schlug mein Schlaflager auf einem Futonbett auf und musste feststellen, dass ich bei dem kühlen Schauerwetter besser eine Decke mehr eingepackt hätte. Nicht das Frank keine Decken gehabt hätte, aber was mein Bettzeug betrifft bin ich Monk ;-)
Samstag, 14.Juni 2008
Ich schlief ganz gut und war dennoch etwas müde als ich mich zu dem ausgiebigen Frühstück mit Biobrötchen und Bio-Käse und ebensolche veganen Brotaufstriche niederließ – super lecker.
So gestärkt begannen wir unsere Ausflugstour. Leider war es nasskalt und verregnet aber wenigstens machte der Regen bis auf eine Ausnahme gerade eine Pause, wenn wir etwas besichtigten.
Erstes Ziel war das Schmetterlingshaus in Uslar, wo wir schon an der Kasse von einem frisch geschlüpften Riesenschmetterling begrüßt wurden. Die Anlage erinnerte mich an das inzwischen nicht mehr existente Regenwaldhaus in Hannover. Im tropischen Klima konnte ich mich gut aufwärmen. Anfangs sahen wir fast keinen Schmetterling, aber je länger wir verweilten, desto mehr zarte Flattertierchen tauchten plötzlich auf, der Blick muss eben erst den richtigen Fokus bekommen. Wir ließen uns auf eine Bank nieder und verfielen beide in eine Halbschlaf-Meditation.
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Zweiter Anlaufspunkt war eine Miniaturausstellung von Mühlen und berühmten Schlössern und Burgen. Es dauerte nicht lange und wir mussten uns wegen eines Wolkenbruchs unterstellen und fuhren dann weiter zu unserem eigentlichen Ziel, die Sababurg, auch bekannt als Dornröschen-Schloss, in Nordhessen gelegen.
Diesen Ausflug hatten wir bereits letztes Jahr geplant als ich Frank im November besucht hatte und mir in einem Restaurant ein Buch über Sehenswürdigkeiten in die Hände fiel.
Ich mag das Märchen Dornröschen wegen seiner Symbolik, schließlich bin ich die dreizehnte Fee ;-) Da fällt mir ein, dass ich vor einigen Jahren ein Essay über Dornröschen geschrieben und nie veröffentlicht habe. Es wird Zeit diesen Text in die Welt zu bringen.
Leider gab es gar nicht viel zu besichtigen, denn im Schloss ist ein Hotel untergebracht. So gab es nur einen kleinen aber hübschen Rosengarten und die Ruine einer Halle mit Kamin.
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[inspic=101,,,0]
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Am Fuße der Saba-Burg hatte der Reinhardswaldmaler sein Refugium errichtet. Er verkaufte neben eignen Gemälden mit Landschafts- und Bauerngehöft-Motiven, kleinen Kruschelkram, den ich mir gut verkneifen konnte, bis ich dann auf einen polierten Stock aus gewunden gewachsenen Holz stieß. Dieser Hexenstab hatte nur auf mich gewartet und Frank entschloss sich spontan, mir den Stab nachträglich zum Geburtstag schenken. DANKESCHÖN
Der Reinwaldsmaler identifizierte mich an hand meiner Erscheinung als eine von den spirituellen Leuten und ich fragte ihn, aus welcher Baumart das Holz geschnitten sei: Haselnuss und er umrankte die Stengel mit Efeu, damit sie ihre Windungen erhielten. Haselnuss, der alte Hexenbaum, das passt sehr gut. Zufrieden stapfte ich davon.
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Auf diesem Bild kommt der Stab ganz gut zur Geltung. Er steht mir doch gut!
Viel lebendiger ging es da im benachbarten Tierpark zu. Der Park war riesig groß und deshalb für mich nur auschnittsweise zu bewältigen. Das Konzept, den Tieren sehr viel Platz zu gewähren, ist natürlich sehr löblich und dafür verzichte gerne auf die Begegnung mit ihnen.
Wir kehrten zunächst in dem pargeigenen Restaurant ein. Leider hatten auch viele andere diese Idee. Es wimmelte von kreischenden Kinder und die Geräuschkulisse schnitt mir so scharf ins Trommelfell, dass ich mir Ohropax in die Ohren stopfen musste.
Ich bestellte eine heiße Schokolade, Gütesiegel ungenießbar und verwässert. Hätte ich mir doch auch den leckeren Apfelkuchen bestellt, mit dem sich Frank verwöhnte.
Anschließend stiegen wir einen Berg zu einer Greifvogel-Flugshow hinauf. Ich liebe diese Flugshows und besuche sie, wo immer sich mir die Möglichkeit bietet. Höhepunkte waren der Weißkopfseeadler, der über unsere Köpfe hinabdonnerte und die Schneeeule, die von Kindern gestreichelt werden durfte, ich bin auch ein Kind.
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Weiter ging es in den Streichelzoo, der allerdings nur aus Ziegen bestand, die mit Futter aus dem bereit gehängten Automat gefüttert werden durften. Das macht Spaß, dachte ich. Offenbar waren die Ziegen ausgehungert, denn nicht nur dass sie mich umrundeten, nein sie sprangen an mir hoch – nicht eine, nicht zwei, nicht drei, nein ganz viele auf einmal stellten ihre Vorderhufen auf mir ab. Besonders aggressiv waren die Böcke, die alles für sich haben wollten, während ich gerecht verteilen wollte. Auf dem Foto ist mir der Unmut über den Interessenkonflikts ins Gesicht geschrieben.
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Mein neues Kleid und meine Tasche waren spritzedreckig, aber wozu gibt es Waschmaschinen.
Schließlich fuhren wir zum Höhepunkt des Tages: der alte Zauberwald, in dem sich der Mensch nicht einmischte, alte Bäume nicht wegstahl und sie stattdessen dem natürlichen Prozess der Verrottung überließ.
Ein solcher Wald hat natürlich eine andere Aura als die ordentlich aufgeräumten Forste, die man uns sonst als Wälder präsentieren will. Der Unterschied war sofort zu spüren, hier gedeihen die Naturgeister noch prächtig und ringeln sich um die Äste. Dummerweise stampfte ausgerechnet ein Liebespärchen hinter uns her, nerv und kam uns beim fotographieren in die Quere. Nicht mal im feucht verregneten Zauberwald hat man Ruhe vor der Menschheit.
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Trotzdem machte Frank ein paar schöne Bilder von mir und den Bäumen. Ich kletterte auf den Wurzeln herum, bei meiner Gewichtsklasse und mit einem bodenlangen Kleid kein einfaches Unterfangen. In die Eiche hinein, so wie es das Liebespaar vorgeturnt hatte, schaffte ich es jedoch nicht.
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Nach einer kleinen Runde endete unser Ausflug und wir fuhren zurück nach Ottenstein.
Bei meinem Eintrag zu Ehren Aslans hatte ich schon erwähnt, dass wir Samstagabend Aslan zu einem Tierarzt brachten, weil er immer weniger wurde und jämmerlich vor sich hinfiepste. Ich hatte während der Fahrt Mutterkatze Phoebe und Aslan im Katzenkorb auf dem Schoß. Phoebe machte Radau und mir Angst und Bange, dass sie ihren kleinen Sohn zerquetschen könnte. Doch irgendwann fanden beide die richtige, ungefährliche Stellung.
Viel konnte der Tierarzt nicht machen. Er gab Frank eine Salbe mit, wahrscheinlich eine antibiotische Paste, aber das sollte nichts mehr helfen, HEUL. Leider kommt es oft vor, dass nicht alle Fiepsies überleben.
Völlig ausgehungert kehrten wir zum Essen in die Burg Ottenstein ein. Ich bestellte einen riesigen Salatteller mit Fetakäse, der ausgezeichnet schmeckte und mich zusammen mit Fladenbrot und ein paar Pommes von Frank sehr gut sättigte.
Katze Luna begleitete Frank übrigens zur Burg und wartete draußen auf ihn, bis er wieder herauskam, wie süß.
Sonntag, 15.Juni 2008
Es gab wieder ein ausgiebiges Biofrühstück umringt von den Katzen. Ich verabschiedete mich von Aslan, Balu und Vandana und packte meine Sache.
Frank kutschierte mich wieder nach Kreiensen zum Bahnhof und eh mich versah, war die Wochenend-Reise schon wieder zu Ende und ich kehrte in mein Sanktuarium zurück, wo mich Q – de Lancie schon sehnsüchtig erwartete.