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Con-Revival: Ring-Con 04. bis 05. Oktober 2008

17. Oktober 2008

Meine letzte Con 2001

Zu Beginn der 2000er Jahre hatte ich meinen Abschied von den Science Fiction-Conventions genommen, die ich seit Anfang der 90er Jahre besucht hatte. All good things have to come to an end, dachte ich damals. Meine Nerven ertrugen die Streitereien innerhalb des Fandoms nicht mehr und mit dem Beginn meiner Partnerschaft mit Oliver L. hatte ein neuer Lebensabschnitt für mich begonnen.
Meine letzte Federation-Con besuchte ich vom 19.bis 21. Mai 2000 und über ein Jahr später, als mein Con-Fieber schon erloschen war, wollte ich Oliver zeigen, wie es auf einer Con zugeht und nahm ihn am 20.Oktober 2001 mit auf die Trekdays, die in dem kleinen Ort Burgdorf in der Nähe von Hannover statt fanden. Ein letztesmal klebte ich mir meine Cardassianer-Maske ins Gesicht, sog den übelkeitserregenden Duft des Mastixklebers ein und trug dazu ein Kleid, welches ich mir für das Wave-Gothic-Treffen in Leipzig ein Jahr zuvor genäht hatte.
Casey Biggs, der in Deep Space Nine den Caradassianer Gul Damar spielt, war zu Gast – und weil ich die einzige Caradassianerin war, wurde ich von der Conleitung zu einem Photo mit Herrn Biggs gebeten. Es gab und gibt Zeiten, da hätte ich das toll gefunden, aber damals war ich etwas schüchtern und tongue-tied (kenne kein deutsches Wort dafür, lese gerade nochmal alle Harry Potter Bücher und mir fällt auf, wie kurz und prägnant sich im Englischen Dinge ausdrücken lassen, die man im Deutschen mühsam umschreiben muss).
Nun wie dem auch sei, die in einem historischen Stadthaus mit engen Stiegen deplatzierte Con, machte mir erst recht bewusst, wie fern mir das Con-Treiben geworden war. Nach dieser meiner very last Con hatte ich kein Bedürfnis mehr, noch eine Con zu besuchen. Ich glaubte, dieser Zustand halte bis ans Ende meines Lebens an.

Never say never again.

Die Idee

Raven erzählte immer wieder von der Ring-Con, zu der sie dieses Jahr mit ihrer Freundin Liane hin wollte, weil sie durch ihren Bruder Freikarten bekommen hatte. Sie nähte für sich und Liane einen neuen Deatheater-Mantel und wollte auch kurz in ihrem Voldemort-Kostüm herum laufen.
Gleichzeitig wuchs in mir das Bedürfnis nach einem Erlebnis, ja nach einem Abenteuer, etwas Aufregendem, was die Eintönigkeit meines Daseins durchbrach. Und da saß ich am 05.September 2008 an meinem PC Narnia, plötzlich durchzuckte mich der Gedanke: Ich könnte doch mit auf die Con gehen!

Bis zur Con war es noch ein Monat Zeit, lang genug, um noch ein Kleid zu nähen und eine Bahnfahrkarte zu buchen.
Zunächst wollte ich Samstagmorgen hin und abends wieder zurück fahren, denn ein Tag Conleben würde fürs erste reichen. Bonn ist nicht sehr weit von Frankfurt entfernt, so dass ich hoffte in knapp über einer Stunde in Bonn zu sein.
Weit gefehlt. Seit die Bahntrasse nach Köln verlegt worden ist und Bonn seinen Hauptstadt-Satus verloren hat, ist der Provinzbahnhof nur schlecht erreichbar. Die Website der Bahn spukte mir abenteuerliche Umstiegsvorschläge und drei-Stunden-Verbindungen je Strecke vor die Augen. Schnell war klar, ohne Übernachtung machte es keinen Sinn.
Am Ende buchte ich eine der wenigen Direkt-Verbindungen von Ffm nach Bonn, bei der Rückfahrt musste ich allerdings einen Umweg über Köln in Kauf nehmen.

Die Hotelbuchung erledigte ich schnell und problemlos per Mausklick bei einer Buchungsplattform, die sich hauptsächlich an Geschäftsreisende wandte und wahrscheinlich deshalb Hotels mit großen Einzelzimmer-Angebot im Programm hatte.

Vorbereitungen

Die Ring-Con entstand als Sammelbecken für die durch die Herr der Ringe-Filme gewachsene Tolkien-Fangemeinde und wurde erstmals 2002 ausgetragen. Da die HdR-Manie im Laufe der Zeit mehr und mehr dem Tal des Gleichmuts zusteuert, hatte man begonnen, die Con auch für andere Fantasy-Welten zu öffnen. Nach dem sich schon etliche Piraten (Fluck der Karibik) eingenistet hatten, wurden 2008 erstmals auch Harry Potter Fans willkommen geheißen.
Anzumerken seien hier einige belustigende Einträge im Ring-Con-Forum, in denen von fanatischen HdR-Anhängern Front gegen die bedauernswerten Potter-Mutanten Front gemacht wurde, die mit ihren Kinderbüchern auf der allerheiligsten Großmeister-Tolkien-Weihefeier nichts verloren hätten. Ja so ist das Fandom, ein Hauen und Stechen darum, wer der Fan der richtigen Sache ist.

Ich bin zwar auch HdR-Fan, aber wie ich bereits in meinem Narnia-Eintrag geschildert habe, ist Mittelerde keine Welt, in der ich einen Platz für mich finden kann. Ich möchte weder eine entartete (klein und dick) Elbin noch die hundertste Gondor- oder Rohanhausfrau und schon gar keinen Hobbit abgeben.
Deshalb ging ich natürlich in Harry Potter-Kleidung auf die Con.
Endlich nähte ich das schon lang geplante schwarze Samtkleid mit grüner und silberner (Slytherinfarben) Borte und langen, gefütterten Ärmeln in burgundischer Mode.
Dazu noch eine einfache Scheide für meinen neu erworbenen Zauberstab aus Mahagony im Drachenstil, dicker und länger als die gewöhnlichen Harry Potter Zauberstäbe. Aber bei meinem Exemplar handelt es sich um einen echten Gregorovitsch, die sind robuster und archaischer als die grazilen Stäbe von Ollivander.

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Wer eine Scheide hat, braucht einen Gürtel. Ich trage sonst nie einen Gürtel und war erst skeptisch, doch am Ende war ich sehr zufrieden mit meiner Lösung: grüne und silberne Kordel miteinander verflechten und fertig ist ein femininer, kleidsamer, figurschmeichelnder Gürtel.

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Ich habe ein Problem mit Autoritäten und lasse mich nicht herum kommandieren. Deshab bin ich eigentlich keine Anhängerin von Lord Voldemort sondern agiere lieber als Lehrerin für Runenmagie unter der Laissez-faire Führung von Dumbledore in Hogwarts.
Doch weil Raven und Liane als Deatheater gingen und die Rolle der bösen Mugglejägerin Spaß macht, gesellte ich mich zu den Dienern Voldemorts. Raven schickte mir meine Deatheater-Ausrüstung: Maske, DarkMark zum Aufkleben und pro-Voldie-Buttons.

Schließlich ging es ans Kofferpacken. Normale Leute brauchen nicht viel für eine Übernachtung, doch mein Koffer füllte sich mit zwei Fliesdecken, einen Satinbettbezug und einem Paneesamt-Bettlaken, denn ich schlafe niemals in fremde Bettwäsche, schon gar nicht steife, weiße Hotelbettwäsche – da bin ich extrem Monk.

Erster Tag: 04.Oktober 2008

6:00 aufstehen, gähn, Q zieht sich beleidigt zurück, er mag es nicht, wenn Frauchen mit Koffer verschwindet, husch zum Bahnhof, ruhige Zugfahrt. 9:42 Ankunft in Bonn Hbf. Schnell und ungeplant springe ich in eine Bahn, die in fünf Minuten zum Bahnhof Bonn Bad Godesberg fährt und spare mir so das 20 Minuten Getucker mit der U-Bahn, muss dafür eine lauthals quatschende Männergruppe ertragen, überhaupt ist der Zug voll mit Wochendausflüglern.
Den Weg zum Hotel Rheinland in der Rheinallee finde ich schneller als erwartet ohne einen Blick auf den bei Googlemap ausgedruckten Stadtplan zu werfen.
Glücklicherweise ist mein Zimmer schon bezugsfertig. Bei 53€ je Nacht muss ich meinen Koffer alleine in den zweiten Stock schleppen, einen Aufzug gibt es nicht. Das Hotel ist sauber, wirkt aber durch Abnutzung und Verschleiß etwas schmuddelig. Dusche und Waschbecken befinden sich mitten im Zimmer, nur das WC ist in einer extra-Kammer untergebracht. Dennoch, für eine Nacht bin ich zufrieden. Immerhin gibt es einen TV, den ich aber nicht benutze.

Umziehen, Schminken, Perücke aufsetzen. Das alles nimmt einige Zeit in Anspruch. Meine Eitelkeit siegt über den Verstand. Ich ziehe hübsche, spitze Stiefeletten an, die mich am Ende des Tages zum Wimmern bringen werden, denn die Ferse lastet auf einem winzigen Pfennigabsatz. Da nützt es auch nichts, dass die Stöckel sehr niedrig sind – der orthopädische Alptraum wird seinen Tribut fordern.
Tapfer stakse ich zur U-Bahn und fahre vier Stationen bis zum Maritim-Hotel, Bad Godesberger Allee, Veranstaltungsort des Zauberertreffens. Auf dem Fußweg zum Maritim laufen mir einige Personen über den Weg, die eindeutig von der Ringcon kommen. Ein Herr im Kilt macht mir gar ein Kompliment, erröt.

Raven und Liane erwarten mich schon am Eingang. Ich freue mich, Raven wiederzusehen und Liane kennen zu lernen. Umarmung und Zauberstabvergleich, size matters, gacker.

Da bin ich nun wieder im Bonner Maritim, Austragungsort zahlreicher Fed- und Ring-Cons. Ja, ich erinner mich an die gemütlichen Sitzgruppen im Foyer, an das Sehen und Gesehenwerden, den abgetrennten Conbereich, in dem man nur mit Armbändchen und Conausweis hinein kommt, an Händlerraum und den großen Saal mit Empore, in dem die Starpanels stattfinden.
Ich habe nicht das Gefühl, es sei etwas besonderes wieder auf einer großen Con zu sein. Nein, es ist so, als hätte es keine Jahre lange Pause gegeben, alles ist vertraut, so wie immer eben, so wie früher.

Ich kaufe mir eine Tageskarte für satte 45€ an der Tageskasse, bekomme ein rosanes Plastikband ums Handgelenk geschlungen, prima passend zu meinem schwarz-grünen-Kleid, und einen Ausweis ausgehändigt.
Das Problem mit dem Preis ist, dass man gar nicht alles mitmachen kann und will, was für diesen Preis geboten wird. Ich bin der Meinung, dass es mit ein paar weniger Gaststars immer noch eine gute Con wäre. Die Starpanels interessieren mich meistens sowieso nicht, von einigen Gaststars hatte ich noch nie gehört und den Klamauk, den manche von ihnen auf der Bühne veranstalten kapiere ich nicht.
Was mir jedoch gut gefallen hat, ist das vielfältige jenseits-der-Starpanels-Programm. Es gab viele Vorträge über diverse Fantasy-Welten, einige davon mit wissenschaftlichen Anspruch und wem das zu passiv war, konnte sich an diversen Workshops (Stunt, Chorsingen, Tanzen, Maskenbildnerei) beteiligen.

Wir besuchten eine Diskussion über die Harry Potter Filme. Auf der einen Seite eine Frau, die die Filme für gut gelungen hält, auf der anderen Seite ein Mann mit grauem Rauschebart, der die Verfilmung abschätzig beurteilte.
Parallel zum Lesen der HP-Reihe schaue ich mir die Filme an und bemerke, wie viel weggelassen, verändert und sogar dazu gedichtet wurde. Sicher, eine Verfilmung muss immer Abstriche machen, aber etwas näher am Buch wäre sicher möglich gewesen. Dennoch halte ich die Filme für eine gute Ergänzung zu den Büchern und auch geeignet für den Einstieg in das HP-Universum, war es doch der erste Film, der mich in dieses fantastische Universum hinein gleiten ließ.
Der Antifilm-Diskutant machte einige Bemerkungen, denen ich überhaupt nicht zustimmen kann. Ich finde die Filme keineswegs gewaltätiger als die Bücher. Quidditch ist auch im Buch ein raues Spiel, das nie ohne Verletzungen über das Spielfeld geht. Gerade diese rauere Welt findet mein Vergnügen, denn mir geht das überkanditelte Sicherheitsgetue und Ausrichten des Lebens auf Risikominimierung, man denke an den Gesundheitswahn, auf die Nerven.
Narnia und Goldene Kompass hielt er Buch wie Film sowieso für eine Katastrophe. Besonders kritisierte er die Schlachten in Narnia, zu viel Gewalt, dabei vergnüge ich mich bei den Schlachten köstlich, wenn Pathos, Triumph und Schmerz sich vermischen.
Dann verblüffte er das Auditorium mit der Aussage, er sähe beim Lesen keine Bilder in seinem Kopf. Hä, wie geht das denn? Für ihn gäbe es nur das Wort und die Logik einer Geschichte. Er gehöre zu jenen, die nach logischen Fehlern in Geschichten suchen und sich damit den Spaß an einer Geschichte selbst verderben, wenn sie fündig werden. Was für ein Nörgelkasper.

Die obligatorische Fotosession hielten wir draußen auf einem Rasenstück vor dem Maritim ab. Jede einzeln in diversen Positionen, Raven mit Liane, Raven mit Persephone. Eine Auswahl ist hier zu bewundern.

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Erfreulich war das eigens für die Con angerichtete Essensangebot durch das Hotel. Ich erinnere mich noch an durchhungerte Cons, weil es nichts zu essen gab und man von mitgebrachten Notrationen zehren musste. Doch diesmal verspeiste ich einen Ofenkartoffel mit Sauerrahm, Wokgemüse mit Reis und eine Waffel mit heißen Kirschen und Sahne.

Wir wandelten durch den Händlerraum, so viel schöne Sachen, aber nichts, was man wirklich braucht. Vielleicht würde ich mir Sonntag etwas leisten. Zum Kotzen fand ich einen Pelzstand mit der frechen Aufschrift: Pelz statt Pannesamt.
Es ist erschreckend wie salonfähig Pelz wieder geworden ist, nach dem es einige Jahre total verpönt war, Pelz zu tragen. Die Menschen lernen eben nichts dazu. Besonders in der Mittelalterszene, in der einige Verkaufsstände wie dieser zu verorten sind, gilt Pelz als totschick im wahrsten Sinne des Wortes. Das muss doch wirklich nicht sein, Mittelalter-Reenactment muss auch ohne Pelz auskommen können.
Aber die Welt ist ja GAR NICHT BÖSE, NEIN!

Weil wir alle drei keine Konditionshelden sind, verbrachten wir viel Zeit auf den Sitzgruppen außerhalb des Con-Bereichs.
Am späten Nachmittag gingen wir auf ein Hotelzimmer von Ravens Bekannten, wo sie sich in Lord Voldemort verwandelte: Ganzkopfmaske, Kontaktlinsen, lange Plastikfingernägel. Letztere machten sie hilflos, so dass ich Mylord die Plateau-Schuhe (damit sie-er größer wirkt) anziehen und schnüren musste, was tut man nicht alles für seinen Boss. Da ich für Domination/Submission-Spiele immer zu haben bin, küsste ich dem Dunklen Lord hingebungsvoll den Mantelsaum. Die Fotos davon sind leider noch nicht verfügbar.

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Es folgte der Kostümwettbewerb, der von den meisten Teilnehmern zu einem Show-Wettbewerb umfunktioniert wird, wobei man zwanghaft witzig sein will. Mir sind die Kostüme am liebsten, die es schaffen, ohne Gehopse und langes Gequatsche über die Bühne zu gehen, so wie der Joker und seine Catwoman und eine fantastische Beatrice Lestrange.
Während die Jury beriet, hechtete Ravens Bruder als Jack Sparrow mit seinem Stuntteam durch den Saal. Raven-Voldemort hatte eine kleine Rolle und überreichte Jack auf der Flucht seinen Zauberstab, um sich den Verfolgern zum Kampf zu stellen. Zu dumm nur, dass Jack Sparrow nicht zaubern kann.

Anschließend ging es wieder in das besagte Hotelzimmer, wo Raven sich zurück verwandelte. Allen ernstes musste sie die Plastiknägeln in einer Flüssigkeit durch Eintauchen und Reiben auflösen. Was es alles gibt.
Eigentlich hatte ich mir das Panel von John Rhys Davies ansehen wollen, weil ich den Schaupieler gerne mag und auch den Charakter Gimli, den er in HdR spielt. Aber nach dem Kostümwettbewerb im vollen Saal mit lautem Gepfeife und Gekreische der Zuschauer, war ich zu überreizt, um mich wieder in die Masse zu stürzen. Zudem machten meine Stöckelstiefel jeden Schritt zur Qual und ich war froh, wenn ich einfach nur da sitzen konnte.

Zum Schluss warfen wir noch einen kurzen Blick in eine Show der Ringstars, eine Fangruppe, die bei jeder RingCon ein Musical oder ähnliches aufführt. Ich fand die Parodie sogar lustig – und es ist nicht leicht mich zu belustigen. Besonders gut gefiel mir der frustrierte Voldemort.

Gegen 22:00 verabschiedete ich mich von Raven und Liane und quälte mich zurück zum Hotel Rheinland. Wäre der Boden nicht feucht gewesen, hätte ich die Stiefel wahrscheinlich ausgezogen, aber so schmerzte jeder Schritt, der Weg schien sich in Endlosigkeit auszudehnen, auf den letzten Metern wimmerte ich in die einsame Nacht hinein. Und dann irgendwie saß ich in meinem Zimmer Nr. 25 auf dem Stuhl und streifte die Fußfolterer ab. Schnell das Bett herrichten, Ausziehen, Drogen schlucken (Tilidin und Trazodon) und husch ins Körbchen.
Ich schlief sofort und selig ein.

Zweiter Tag: 05. Oktober 2008

Um 8:15 trällert der Handywecker, gähn. Das reichhaltige Frühstücksbuffet versöhnt mich mit dem jungen Tag. Diesmal ziehe ich bequemere Schuhe an, aber die gestrige Tortur steckt noch in meinen Füßchen.
Später als zu den vereinbarten 10:00 tippele ich in kleinen Schritten im Maritim ein. Diesmal muss ich keine Tageskarte kaufen, denn Raven besorgt mir eine Freikarte von ihrem Bruder. Dankend verbeug dafür.
Ein Hauch von Con-Blues liegt bereits über dem Fantreffen. Die Zahl der Gewandeten ist deutlich geringer geworden, dennoch bin ich beeindruckt von den vielen Kostümträgern auf der Ring-Con. So wie ich die Fed-Con in Erinnerung habe, liefen dort mehr Muggles in Zivil herum. Die vielen schönen Kleider der Frauen und eleganten Rüstungen der Männer sind ein Labsal für die Augen. Mir fällt auf, welche gute Figur auch viele dicke Frauen in den Gewändern machen, wie viel besser sie aussehen, wenn sie sich nicht in die androgyne Einheitsmode aus männlichen Arbeiterklamotten (Jeans und T-Shirt) zwängen. Die historisierenden Roben sind für die weibliche Figur gemacht und kleiden besonders, wenn diese Figur stark ausgeprägt ist. Weswegen jenseits von besonderen Contagen dennoch so wenig Kleider getragen werden, ist mir ein Rätsel.

Mit Raven schlenderte ich durch den Händlerraum und blieb an einem Stand hängen, der sogenannte Tiaras verkaufte. Es handelt sich dabei um ein Diadem, wie es gerne in Gothic- und Fantasykreisen getragen wird. Ich wählte eines mit smaragdgrünen Steinen passend zu meinem Kleid aus. Der Stirnschmuck steht mir ausgezeichnet, das bestätigte auch Raven und selbst der Händler meinte, für mich müsse es diese spezielle Tiara sein – ich denke, das sagte er nicht nur als verkaufsfördernde Maßnahme.
Als wie dort standen und Tiaras anprobierten, hatten wir einen Gedankenblitz und beschlossen spontan zur nächsten Fed-Con gemeinsam als Centrauri-Frauen zu gehen. Der Stirnschmuck ließe sich hervorragend in das Kostüm einarbeiten, deshalb wird mein Kleid wohl grün werden. Raven entschied sich schließlich für ein Diadem mit blauen Steinen. 25€ kostete das Stück, ein üppiger Preis für einen Metalldraht und unechte Steine, aber bei ebay kosten die Dinger locker 32€. Der Händler klagte über mangelnden Absatz. Das Geld verkriecht sich in diesen Zeiten eben tiefer in den Taschen.

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Mein Auge fällt auf einen gut gemachten Gandalf, groß gewachsen, sehr überzeugend wirkend. Ich bitte ihn darum, mit ihm ein Photo machen zu dürfen. Freu!

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Die meiste Zeit des Tages verbringen wir bei dem Workshop: Tänze aus Mittelerde.
Es handelte sich dabei um Gruppen-Volkstänze, wie ich sie aus Schloß Hamborn kenne. Gestern hatte ich mich noch darauf gefreut, heute angesichts meiner zerschundenen Füße war ich skeptisch, aber dann tanzte ich doch mit und es machte Spaß.
Überrascht waren wir, als es hieß, der Tanz solle auf der Closing-Ceremony aufgeführt werden. Huch, also noch mehr üben. Die einzelnen Elemente waren einfach und konnte ich mir gut merken, nur die Reihenfolge machte mir Probleme.
Während einer Übungsrunde tanzte ich mit Andreas Duck, den ich noch aus früheren Zeiten kenne, wobei ich mir nicht sicher war, ob er mich auch noch kennt. Weil Liane nicht mehr bis zur Closing bleiben wollte, paarte ich mich für den Auftritt mit Raven. Bei so einem kurzen Gruppentanz im hintersten Winkel der Bühne, flackerte fast kein Lampenfieber auf. Das ganze dauert keine fünf Minuten.

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Und so geht die RingCon zu Ende. Um 18:00 ist die Closing-Ceremony fertig. Neben Andreas D. hatte ich noch zwei weitere Bekannte aus meinen alten Fanzeiten getroffen: Michar vom Kölner Trekdinner und Athena, die fast jedes Wochenende in diversen Fanangelegenheiten durch die Republik reist.
An der Garderobe hole ich meinen Koffer ab und pilgere zur Toilette, wo ich die Perücke ausziehe das Kleid wechsele. Viel Zeit für Abschiedsschmerz bleibt nicht mehr, denn um 19:30 fährt mein Zug vom Bonner Hbf und ich muss mich auf den Weg machen.

Auf dem Bahnhof treffe ich Athena wieder. Es gibt einige Verwirrung wegen Zugausfälle, aber meine Züge fahren pünktlich und tadellos und ich komme nach 22:30 müde und zufrieden zu Hause an. Erschöpft und mit angenehmen Muskelkater schlafe ich sofort ein.

Ausblick

Die RingCon hat Appetit auf mehr gemacht. Die ganze Zeit schon, hätte ich mir gerne ein prunkvolles Kleid genäht. Aber bei welcher Gelegenheit hätte ich es anziehen sollen? Geplante Con-Besuche fördern die Kreativität. Monatelang wird an neuen Kostümen gebastelt, man braucht eben ein Ziel, auf welches man hinarbeiten kann.

Ich freue mich sehr darauf, mit Raven Centauri-Kostüme anzufertigen. Neben der Näh- und Stickarbeit müssen wir Latex-Glatzen herstellen, denn die Centauridamen tragen Spiegelglatze. Fast schade, dass meine Chemo-Glatze wieder zugewachsen ist. Bis Ende April 2009 haben wir Zeit. Die FedCon ist Anfang Mai.Toll, dass wir wieder ein Projekt zusammen machen und wie es aussieht, werden wir es uns nicht verkneifen können, am Kostümwettbewerb teilzunehmen.

Ich werde jetzt wohl wieder öfter eine Con besuchen. Es war sogar geplant die kleine, eigene Sim Con wieder aufleben zu lassen, aber weil wir zum gewünschten Termin kein geeignetes Haus finden können, liegt die Planung erstmal auf Eis.

Der Beitrag wurde am Freitag 17. Oktober 2008 um 14:23 veröffentlicht und wurde unter Oberwelt-Abenteuer abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

5 Kommentare

  • RavenRaven sagt:

    Ich fand die Con ebenfalls sehr schön und auch die Tatsache, dass wir nach so langer Zeit wieder gemeinsam auf einer waren. :) Sie hat mich zumindest für einige Tage aus meiner krankheitsbedingten schlechten Stimmung gerettet.

    Nach dem HP-Bashing im Forum habe ich mich auf der Con fast gewundert, nicht von zickigen Möchtegern-Elbinnen gesteinigt zu werden. :]

    Die Fotos von unserer Fotosession sind wirklich gelungen (wobei ich auf dem einen Bild hier nicht so schmeichelhaft getroffen bin ).
    Schade, wir haben doch nicht mehr daran gedacht, ein Foto vom Zauberstab-Vergleich zu machen. :lol:

    Ich freue mich auch auf die FedCon und unsere Pläne, die Ehre der Republik Centauri zu retten. Bei so einem Kleid kann man sich kreativ austoben. Wir werden toll aussehen!
    Ich ärgere mich nur, dass ich die blaue Tiara gekauft habe. Die grüne oder eine schwarze hätte ich zusammen mit meinem Hexen-Gewand tragen können, da wir nun festgestellt haben, dass es doch nicht zu den Centauri-Frauen passt. Ich habe meine, Deine und viele andere schöne hier entdeckt. Wenn ich irgendwann mal Geld übrig habe…

    Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber ich hebe es mir für meinen Con-Bericht auf. Für den brauche ich mal wieder länger…

  • PersephonePersephone sagt:

    @Raven
    Eine Con ist immer ein Ausbruch aus dem Alltag, ein Stimmungsaufheller, bis sie dann allzu schnell vorbei ist :heul
    Das Congehen macht genauso viel Spaß wie in alten Zeiten. Ich bin froh, dass ich wieder Gefallen daran finde und Dich wieder begleiten kann.
    Och, Du meinst die geschlossenen Augen auf dem Bild mit uns beiden? Das sieht verträumt aus, ja von wem Du da wohl träumst :anhimmeln

    Ich freue mich schon sehr auf unseren Auftritt als dekadente Centauridamen in unseren Prachtkleidern. Hoffentlich laufen auch Centauri-Herren herum, denen wir auf die Nerven gehen können. :prinzessin:

    Schade drum mit der Tiara. Also muss irgendwann noch ein blaues Kleid her. Hm, Du hast ja bald Geburtstag … aber ich hatte da schon etwas anderes im Sinn :)

  • RavenRaven sagt:

    Hehe, ja von wem wohl. :]

    Eigentlich brauchen wir ja nur einen Centauri, den wir nerven können. Mollariiiii…! :lol:

    Ich freu mich auf die FedCon mit Dir. Jetzt erst recht!! :tröst:

  • PersephonePersephone sagt:

    Mollariii…

    Zu schade, dass Peter Jurassik dieses Jahr nicht kommt, dann hätten wir uns auf dem B5-Gruppenfoto neben ihn stellen können.

    Ich freue mich auch riesig auf die Con mit Dir. Ich bin so froh, dass ich wieder im Confieber bin. :top

  • Persephones Welt » FEDeration-Con XVIII 01. bis 03. MaiPersephones Welt » FEDeration-Con XVIII 01. bis 03. Mai sagt:

    [...] der Anfang vom Ende meiner Con-Karriere. Nach über acht Jahren Con-Abstinenz feierte ich zur RingCon im Oktober 2008 mein Con-Revival. Nach den FedCons 1998, 1999 und 2000 ist dies nun meine vierte [...]

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