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Der Antrag

21. Juli 2006

Heute habe ich mich endlich aufgerafft und meinen Alg II Antrag beim so genannten Jobcenter abgegeben. Im Vorfeld traten einige Fragen auf:

Schickt mir die Arbeitsagentur automatisch einige Wochen vor Ablauf einen Alg II Antrag zu oder wo bekomme ich den her?

Auf die Fürsorge (lach) der Arbeitsagentur wollte ich mich nicht verlassen, Glücklicherweise fand ich auf deren website die erforderlichen Antragsunterlagen als pdf zum Runterladen und ausdrucken.

Wo gebe ich den Antrag ab? In der Arbeitsagentur oder im Jobcenter oder Arge oder wie das heißt. Und wo ist eigentlich das Jobcenter?

Wieder zog ich das Internet zu Rate (wie haben wir nur jemals ohne Internet leben können?)und wurde fündig. Das Hannoveranische Jobcenter befände sich in der Marktstraße, gelegen zwischen Aegi und Markthalle. Prallel schrieb ich noch eine e-mail mit der Wo-Frage an die angegeben Adresse und erhielt zur Antwort, sie brauche meine Adresse, um mir genaue Auskunft zu geben. Seltsam, dachte ich, wo soll ich denn sonst wohnen als in Hannover, wenn ich das Hannoversche Jobcenter anschreibe?
Eines Nachmittags, am 10.Juli, tapste ich nach der Arbeit in Alg II Mission durch Hannover. Ich ließ im Copyshop die für den Antrag nötigen Unterlagen kopieren und suchte dann nach dem Jobcenter-Gebäude in der Marktstraße. Nicht dass ich daran dachte, zu nachmittäglicher Stunde dort vorsprechen zu können, aber ich wollte schon mal die Lage sondieren.
Nein, es erwartete mich kein Autorität emittierender Bunker, keine sterilen Gänge mit Putzmittelgeruch und grellen Neonröhren, keine Massen schurfender, schicksalsergebener, schmarotzender Hartz IV Empfänger hatten sich am staatlichen Geldsäckel festgesaugt. Das Jobcenter war so unscheinbar, dass ich beinahe vorbei gelaufen wäre. Wie eine kleine Firma hatte es zwei Etagen in einem Bürogebäude angemietet. Das ganze sah nicht so aus, als ob es für Publikumsverkehr eingerichtet wäre, kein Anmeldeschalter, kein Wartesaal. Ich stelle der erstbesten Person meine Wo-Frage. Antwort: Freundallee.
Offenbar operiert das Jobcenter dezentral und hat mehrer Stadtteile zu Bezirken zusammengefasst, die von einem Center betreut werden.

Eigentlich wollte ich in der selben Woche, meinen Antrag abgeben, aber ich hatte keine Gelegenheit, da ich in jeden Tag arbeiten musste. Wie paradox: ich kann meinen Alg II Antrag nicht abgeben, weil ich soviel arbeiten muss.

In den Medien hatte ich, besonders als die Anträge im Januar 2005 erstmals in Umlauf gebracht wurden, viel Gejammer über Umfang und Verkomplizierzungs-Grad der Anträge gehört. Nix komplizitis. Ein Antrag wie andere Bürokraten-Formulare auch. Ganze Seiten konnte ich überspringen, weil sie nur für Personen in einer Bedarfsgemeinschaft relevant sind. Tatsächlich beschenkt mich das Einzelkämpfer-Dasein mit dem überragenden Vorteil, Formulare einfacher ausfüllen zu können. Toll.
Ein extra Formular für die Wohnverhältnisse, und eines für die Einkommensverhältnisse, welches mein Arbeitgeber ausfüllen muss.

Das Gebäude in der Freundallee ist ein sauberer, moderner Bau. Auch hier lagerten keine Menschentrauben abgerissener Parasiten herum, ein Bild welches man nach Medienberichten und Politiker-Gelalle fast erwartet hätte.
Ich holte mir beim Empfang eine gute, alte Wartenummer: 614 und setzte mich in den Wartesaal, in dem zugleich auch nur durch Trennwände abgeschiedene Bearbeitungsplätze eingerichtet waren. Das Display der Nummernanzeige zeigte bereits die Zahl 612. Dennoch musste ich eine ganze Weile warten, weil es nur langsam voranging. Schließlich orderte mich die Nummernanzeige zu Platz 4.
Die Sachbearbeiterin, mittleres Alter, korpulent, war nicht sehr gesprächig. Sie nahm meine Zettel entgegen, hakte alles ab und bat mich um Vorlage folgernder Dokumente:

  • Personalausweis
  • EC-Karte
  • Krankenkassen-Karte
  • Sozialversicherungsausweis
  • Kontoauszüge der letzten drei Monate

Mit den ersten drei Dingen konnte ich dienen, diesen unscheinbaren Sozialversicherungsausweis hatte ich nicht dabei – aber wie bitte? Meine Kontoauszüge? Das ist ja eine Unverschämtheit. Darauf war ich nicht vorbereitet, über diese Info war ich bei meiner Internet-Recherche bisher nicht gestoßen. Kontoauszüge sind intim und die Vorlage empfinde ich als Grenzverletzung. Warum nicht gleich Vorlage meiner vollständigen Genomsequenz, um zu prüfen, ob es sich überhaupt lohnt, in mich zu investieren oder ob mir meine zerstückelten Chromosomen nicht eine zu erwartende Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. :evil:
Nun ja, ich könnte ja regelmäßige Zahlungen in Millionenhöhe von meinem heimlichen Mäzen empfangen. :lol:
Mein Kontostand ist für meine armen Verhältnisse verdammt gut, dank einer Steuerrückzahlung vor zwei Jahren, dank bescheidener Lebensweise als non-Konsumjunkie. Ich hoffe, das mir daraus kein Strick gedreht wird.
Nun muss ich also Montag nochmal hin, um das Fehlende nachzureichen.
Was mich an der ganzen Sache gestört hat, war die schnelle Abfertigung und fehlende Informationsvermittlung. Die Dame hat auf meine Fragen so einsilbig geantwortet, dass ich es besser bleiben ließ. Ich habe also keine Ahnung, wie die weitere Vorgehensweise ist. Ich weiß auch nicht wo die Einkommensgrenze liegt, ab der man kein Alg II mehr bekommt. Vielleicht gerate ich am Montag ja an ein konversationsfreudigeres Exemplar.

Der Beitrag wurde am Freitag 21. Juli 2006 um 19:57 veröffentlicht und wurde unter Oberwelt-Abenteuer abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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