Esoterik-Tage in Hannover 13. März 2004
Vom Preis der Baumgeister
Jedes Frühjahr findet in Hannover wie auch in anderen Städten eine kleine Esoterik-Messe statt. Die letzten beiden Jahre hatte ich es nicht geschafft hinzugehen, doch diesmal war es endlich soweit. Für 8,00 EUR Eintritt durfte man die kleine Halle betreten und sich das umfangreiche Vortragsprogramm zu Gemüte führen.
Die Gänge mit den Ständen waren schnell abgelaufen: Bücher,
Aura-Photographie, Augeniris-Diagnose und vor allem Wahrsagerinnen, die versprachen mit diversen Methoden (Handlesen, verschiedene Kartendecks, Numerologie etc.) den Schleier der Zukunft anzuheben.
Ich habe noch nie selbst eine Wahrsagerin konsultiert und kann mir daher kein Urteil über ihre Qualität erlauben. Eher war es andersherum so, daß meine Wahrsager-Künste in Anspruch genommen werden sollten. Viele Menschen wissen nichts weiter mit Hexen anzufangen, als ihnen Wahrsagerei zu unterstellen. Und auch wenn sie der ansonsten noch so skeptisch sind, einen Blick auf die Zukunft riskieren sie alle gerne mal. Die Gegenwart wird
grundsätzlich als verbesserungswürdig empfunden, da muß in der Zukunft doch noch mehr aus dem Leben herauszuholen sein. Doch wer nur auf die Zukunft wartet und nichts in der Gegenwart tut, für den hält die Zukunft auch nichts besseres bereit.
Wie dem auch sein, ich tue mich sehr schwer mit der Divination. Ich bin nicht hellsichtig und muß mich mühsam der üblichen Hilfsmittel wie Tarotkarten oder Runen bedienen. Die Interpretationsmöglichkeiten jeder Tarotkarte oder Rune sind weitgefächert und geben nur sehr wage Anhaltspunkte über die zu erwartende Zeitqualität in der Zukunft.
Es wäre doch eine Studie wert, einmal zu untersuchen, in wie weit ein und dieselbe Kartenlegung von verschiedenen Wahrsagerinnen interpretiert wird und welche Interpretation den tatsächlich eingetretenen Ereignissen am nächsten kommt. Dabei müßte noch berücksichtigt werden, in wie weit das Vernehmen der Interpretation die Zukunft eines Klienten im Sinne einer self-fulfilling prophecy beeinflußt.
Der Grund, warum ich der Wahrsagerei so skeptisch gegenüberstehe ist folgender: ich glaube nicht an Prädestination. Unser Weg in die Zukunft ist nicht geradlinig vorherbestimmt. Die Zukunft ist ein kompliziertes Netzwerk, abhängig von unseren vergangenen und gegenwärtigen Taten und Gedanken, von den Gedanken und Taten anderer, von Karma (individuell wie kollektiv), von Zeitqualitäten.
Demnach ist allenfalls eine Extrapolation der Gegenwart in die Zukunft möglich- mit einer mehr oder weniger großen Unschärfe. Wenn wir nicht mal den genauen Aufenthaltsort eines Elektrons bestimmen können, sondern allenfalls dessen Aufenthaltswahrscheinlichkeiten berechnen können (Heisenbergsche Unschärferelation), wie wollen wir dann etwas so Komplexes
wie die Zukunft vorherbestimmen.
Dennoch haben Wahrsagerinnen ihre Berechtigung als Lebensberaterinnen. Ich sehe Tarotkarten als Bilder unserer Seele, durch die unser Unterbewußtsein mit uns spricht. Bilder, die mit Hilfe der Wahrsagerin interpretiert werden und die tatsächlich Anstoß sein können, etwas im Leben zu verändern.
Weiter Exkurs, nun aber zurück zur Messe.
Ein Stand erregte meine besondere Aufmerksamkeit, blickten mir doch geheiligte Runen entgegen. Nicht umsonst lebe ich in meinem Parakosmos zur Zeit als Lehrerin für Runenkunde auf Hogwarts.
Sogleich sprach mich der Standinhaber, ein noch relativ junger Mann,
vielleicht in den Dreißigern, an. Es wird nicht nur an seinem
anthrazitfarbenen Anzug gelegen haben, daß er den Charme eines
Unternehmensberaters verströmte und irgendwie gar nicht zu den Runen zu passen schien.
Er arbeitete ausschließlich mit dem Armanenfuthark, welches um die
Jahrundertwende von Guido von List entwickelt wurde. Er bezog sich dabei auf die 18, in der Havamal, einem Teil der Edda, beschriebenen Runen und sei dazu während einer vorübergehenden Blindheit durch eine Art göttliche Eingebung inspiriert worden. Das Armanenfuthark ist also eine ziemlich moderne Erfindung, dennoch will ich ihm keinesfalls eine adequate Wirkungsweise absprechen.
Ich selbst arbeite allerdings mit dem Alten 24er Futhark. Es gibt jedoch Leute, die ausschließlich mit dem Armanenfuthark arbeiten und ausgerechnet dem Alten Futhark, welches von unseren Ahnen gebraucht wurde, eine Wirkung absprechen. Dogmatischer Schwachsinn !
Auf der anderen Seite gibt es Leute, die das Armanenfuthark für unberührbar halten, weil ihnen Guido von List als ein völkischer, geistiger Wegbereiter der Nazis gilt. Political correctness Schwachsinn !
Kleine, mit Lederband umwickelte Holzzweige sprangen mir ins Auge. Ich fragte, was es damit denn auf sich habe.
In diesen Zweigen wohnen besondere Baumgeister, so meinte er, die in der Welt der Bäume als Lehrer fungierten und sich gerne einen Freund aus der Menschenwelt suchen würden. Diese hochstehenden Baumgeister seien nicht in jedem Baum zu finden, er habe jedoch die Gabe, sie zu erkennen. Das Ganze stamme aus druidischer Tradition, denn die Druiden, Freunde der Bäume hatten als Totems keine Tiere sondern Bäume.
Ich brauchte eine Weile, um ihm klar zu machen, daß ich gerne die Spezies der Bäume wissen wollte, von denen die Zweige stammten. Schließlich hat jede Baumart ihre eigene spirituelle Qualität. Den Eschenzweig nahm ich in die Hand. Ich fühlte nichts !
Als hypersensitiver Mensch bin ich in der Lage feinstoffliche Energien
wahrzunehmen. Es gibt wirklich Energien, die einen umwerfen können, doch der kleine Baumgeist offenbarte sich mir nicht. Das mag nicht viel heißen, sich braucht der Geist eine Weile, um sich bemerkbar zu machen.
Als ich den Preis für das fingergroße Zweiglein erfuhr, beschloß ich
spontan, daß dieser Baumgeist nicht mein Freund werden wollte. 80,00 EUR, beim Speere Wotans, der Mann langte kräftig zu. Wer kauft ein Stückchen Holz für 80,00 EUR ? Geist hin oder her, ob tatsächlich ein Super-Geist diesen Zweig seine Heimstatt nennt, war für mich nicht verifizierbar. Da gehe ich lieber selbst in die Natur und freunde mich mit Bäumen an. Ich fühle mich Bäumen im Allgemeinen und speziellen Bäumen im Besonderen sehr verbunden und weiß daher, daß die Freundschaft mit einem Baum ganz bestimmt
kein Geld kostet. Ich weiß nicht, ob jemand naiv genug war, 80,00 EUR für ein Hölzchen hinzublättern.
Er verkaufte auch Bernsteinstücke mit eingravierter Rune für 22,00 EUR, auch das ein happiger Preis, der seiner Meinung nach dadurch gerechtfertigt wurde, daß er den Bernstein rituelle geweiht habe. Das kann ich glauben oder auch nicht, und ob die Weihe den Wert des Bernsteins gesteigert hat, sei dahin gestellt.
Ich meine, materielle Werte und Dienstleistungen, wie sie die
Wahrsagerinnen anbieten, sind ja noch nachvollziehbar, eine Weihe ist das nicht.
Ja so ist es in der Esoterikszene, viele Scharlatane, die ihren Plunder
überteuert an Mann oder Frau bringen wollen, und genug Naivlinge, die hilfesuchend und dankbar ihre Hände nach diesem Plunder ausstrecken.
So lange beide Seiten damit zufrieden sind …….
Jeder muß für sich selbst entscheiden, was ihm welcher Preis wert ist.
Ende März wollte besagter Runenkundiger sogar ein Runen-Seminar in Hannover geben. Dies könnte trotz allem interessant sein, dachte ich und steckte mir ein Anmeldeformular ein. Als ich jedoch später den Seminarpreis erblickte, hielt ich das Ganze nicht mehr für interessant: 320,00 EUR für 2 Tage, 150-180 EUR halte ich für angemessen.
Ich begnügte mich damit, ein Stückchen versteinertes Holz für 5,00 EUR zu kaufen, welches mir spontan ins Auge sprang.
Einmal mehr konnte ich mich nicht überwinden, mir eine Auraphotographie oder eine Augeniris-Diagnose machen zu lassen, obschon ich Interesse daran hätte.
Stattdessen setze ich mich in Vortragsraum Nr. 3 und hörte mir diverse Vorträge von 13:30-18:00 an. Man muß die Vorträge mehr als Eigen-Werbung für den Referenten begreifen denn als wirklich inhaltsschweres Kolloquium.
1. Vortrag: Numerologie
Der im dunklen Anzug daherkommende Herr aus Berlin erging sich zwar darin, in welchen Fällen er schon Numerologie angewandt habe, doch er versäumte es auch nur eine numerologische Berechnung oder zumindest deren Resultat vorzuführen, so daß der Zuhörer am Ende genauso schlau war wie zuvor.
2. Vortrag: Farbtherapie mit Farbbrillen
Die Referentin hatte Farbbrillen zum Ausprobieren mitgebracht, immerhin.
Die rote Brille empfand ich als angenehm, etwas Lebenspower würde mir bestimmt gut tun. Von der orangenen Brille wurde mir schlecht, dennoch glaube ich, daß ich gerade meine Haßfarbe Orange dringend gebrauchen könnte.
3. Vortrag: Runen
Der Runenmeister mit dem Yuppiecharme und den sündhaft teuren Baumgeistern hielt nicht den schlechtesten Vortrag. Wir nahmen alle die Man-Runenstellung ein und intonierten die Rune. Er gab sich wirklich mühe, die Runen mit praktischen Beispielen zu verdeutlichen.
Dennoch wirkte er so unauthentisch. Man hätte ihn eher auf einem
Motivationsseminar für Verkäufer vermutet.
Dennoch finde ich es gut, daß er da war und sein Vortrag Anklang fand.
Vielleicht inspiriert das mehr Menschen germanischer Herkunft, sich mit ihrem eigenen Ahnenerbe zu befassen anstatt ihr Seelenheil in fremden Kulturen zu suchen.
Ich denke Bücher und Filme wie “Lord of the Rings” oder “Harry Potter” sind deshalb so erfolgreich, weil sie die Archetypen unserer Volksseele lebending werden lassen, weil wir fühlen wie diese Archetypen, die so tief und meist vergessen in unseren Seelen schlummern, berührt und geweckt werden.
4. Vortrag: Die Mode steht in den Sternen
Eine Modedesignerin, die gleichzeitig auch Astrologin ist, stellt
Kleidungsstile vor, wie sie von einzelnen Sternzeichen bevorzugt werden.
Sie berücksichtigt dabei vor allem Sonne, Aszendent und Mond.
Doch ich kleide mich weder wie ein Zwilling (Sonne), noch wie eine
Jungfrau (Aszendent), schon eher wie ein Fisch (Mond) mit einhüllenden, fließenden Stoffen (Satin) aber mehr noch wie eine Stier (meine Venus) mit schweren, luxeriösen Samtstoffen.
Da ich zudem nur ein sehr knappe Zwilling bin und fast noch ein Stier
geworden wäre, mögen meine stierischen Eigenschaften oft meine
Zwilling-Eigenschaften überdecken.
5. Vortrag: Seelenbilder
Die Referentin Maria Seeliger berichtete von ihren Engelkontakten und ihrer Fähigkeit, die Schwingung einer jeden Seele durch automatisches Malen in ein Bild umzusetzen.
Das klingt natürlich extrem esoterisch und spekulativ. Dennoch weckte gerade dieser Vortrag mein größtes Interesse an diesem Nachmittag. Die Dame wirkte authentisch und überzeugt, von dem, was sie tat.
Ein Bild meiner Seele, so wie sie ursprünglich geschaffen war, noch frei
von den Narben , Verformungen und schwarzen Flecken, die das Leben unvermeidbar hinterläßt, vielleicht könnte ein solches Bild mit etwas von der Leichtigkeit des Seins zurückgeben, die ich als Wandlerin durch düstre Seelentiefen längst verloren habe.
Die Prospekte von Frau Seeliger waren sehr begehrt, ich habe keinen mehr abbekommen. Eine Website hat sich leider nicht, doch ich machte ihre e-mail-Adresse ausfindig. Sie will mir nun einen Prospekt zusenden.
Von dem Begriff Seelenbild inspiriert malte ich am Sonntag (14.03.2004)
zwei abstrakte Bilder, bei der es mir vor allem um die Farben ging.
Das erste Bild gestaltete ich in meinen Haßfarben Orange und Gelb, die ich wahrscheinlich deshalb nicht mag, weil sie soviel Lebensfreude ausstrahlen und ich auf der melancholischen Seite des Lebens zu Hause bin. Doch manchmal kann selbst ich einen Funken Lebensfreude vertragen.
Das 2. Bild wurde eine abstrakte Darstellung des Urgrunds, der Welt, in der ich zu Hause bin und folglich in meinen Farben Grün, Blau und Violett gehalten.
Wahrlich keine Kunstwerke, ich bin ganz schlecht im Malen, aber es ging mir dabei ja um den rein therapeutischen Zweck.
Mittlerweile ist der Seelenbilder Prospekt von Maria Seeliger eingetroffen. Die günstigste Bildervariante kostet immer noch 90,00 €, das ist mehr als ich investieren wollte. Bis zu 50,0 € hätte ich mir gefallen lassen, aber bei diesem Preis werde ich wohl darauf verzichten.
Der Beitrag wurde am Freitag 5. August 2005 um 19:28 veröffentlicht und wurde unter Oberwelt-Abenteuer abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.