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Sie lauern im Internet…

6. Juli 2006

Gefährliche, kleine Mädchen verführende Gothics lauern im Internet, so der O-Ton eines Fernsehberichtes,
den ich am 04. Juli 2006 auf ARTE gesehen habe.
Thema des Abends auf ARTE war Kindesmissbrauch. Aus Interesse an sozio-psychologischen Themen sah ich
mir die erste Sendung mit dem Titel “Der unsichtbare Feind – Kindesmissbrauch im Internet” an und erwartete einen
Bericht über Pädophile, die vierzehnjährige Mädchen in Chatrooms ansprechen, um sich mit ihnen zu treffen und dann allerelei Scheußlichkeiten mit ihnen zu veranstalten. Der Bericht stammte aus Frankreich und begann mit einem Report über den Suizid zweier Mädchen, die sich gemeinsam von den Felsen bei Calais in andere Welten gestürzt hatten. Traumatische Folge eines sexuellen Missbrauchs dachte ich zunächst und traute meinen Ohren nicht, als plötzlich die böse Gothic-Szene dafür verantwortlich gemacht wurde. Erst dachte ich, in Frankreich ist das vielleicht die Bezeichnung für etwas anderes als hier, aber
nein, sie meinten tatsächlich die dunkelromantischen, schwarzgewandeten Wesen, zu denen ich mich selbst auch rechne.
Demnach lauern Gothics pubertierenden Mädchen im Internet auf, um sie in ihre abartige, morbide, realitätsleere, düstere Welt zu entführen, wo sie dann bösartigen Ritualen verfallen, anfangen sich die Arme aufzuritzen und schließlich in den Selbstmord getrieben werden.
Verzweifelte Mütter berichten, wie sich ihr ehemals so braves Mustermädchen unter den Einfluss der Gothics in eine rebellische Göre verwandelte, die, oh Schreck, nur noch schwarze Kleidung trugen und sich gar die Nägel in reinstem, glänzenden Schwarz lackierten.

Keine Frage, es gehört sicher zu den grausamsten Erfahrungen des Lebens als Eltern sein Kind an den Tod zu verlieren und der Tod durch eigene Hand potenziert diese Leidenserfahrung noch. Doch scheint mir, dass in solchen Berichten, Ursache und Wirkung vertauscht werden. Grußelige Gothics geben einen so dankbaren Sündenbock ab.
Es ist klar, dass vor allem Menschen mit melancholischem Temperament von der Gothic-Szene angezogen werden. Naturgemäß dürften Melancholiker eine höhere Suizidrate als Sanguiniker haben. Pubertät ist zudem als krisenbehaftete Schwellenzeit ein Lebensalter mit erhöhtem Suizidrisiko. Und wenn ich dann immer von den schluchzenden Eltern höre, was für ein adrettes Sonnenscheinchen die Tochter früher doch war, dann ist klar, dass sie von ihrem eigenen Schatten gepackt und in den Tod gerissen wurde. Die Gothicszene mag den Tod verklären und dem wild gewordenen Schatten als Vehikel gedient haben, aber wegen ein paar über Webseiten tanzenden Skeletten bringt sich niemand um.
Übrigens wurde auch das Medium BLOG als böser Übeltäter entlarvt, denn in diesem, für Eltern offenbar schwer verständlichem Medium, schrieben die Mädchen über ihre Todessehnsüchte und fanden Kontakt zu Gleichgesinnten, die sie in den Strudel der Vergänglichkeit hinabzogen.
Das BLOG als Katalysator des Todes. Hui buh.

Was ich an dem Bericht besonders schlecht gelungen fand, war das Vermischen der Bedrohung seitens der Gothicszene mit Pädophilen, die junge Mädchen in Chatrooms anbaggern. Für den unbedarften Zuschauer konnte der Eindruck entstehen, dass es sich bei den Pädophilen um Gothics handelt, da beide Themen nicht sauber voneinander getrennt wurden.
Wie manipulativ die Medien sein können, erschließt sich immer dann, wenn über ein Thema berichtet wird, mit dem man sich aus erster Hand selbst auskennt. Das war damals schon so, als ich noch auf Star Trek Conventions herumgerauscht bin und anschließend Medienberichte darüber konsumiert habe und mich fragte, ob die Reporter wohl auf der selben Veranstaltung wie ich gewesen sind.

Der Beitrag wurde am Donnerstag 6. Juli 2006 um 19:00 veröffentlicht und wurde unter Persephones Perspektive abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

4 Kommentare

  • ToulexisToulexis sagt:

    “Wie manipulativ die Medien sein können, erschließt sich immer dann, wenn über ein Thema berichtet wird, mit dem man sich aus erster Hand selbst auskennt.”

    Das ist ein sehr bekanntes Phänomen! Erstaunlich ist eigentlich nur, wie viele Menschen dennoch Medienberichte für bare Münze nehmen.

  • PersephonePersephone sagt:

    Leider lassen sich die Menschen unfassbar leicht manipulieren und ich bekomme dann mein “Kassandras Fluch” Gefühl :shock:

  • RavenRaven sagt:

    Ja, dieser Ort hier ist ganz, ganz böse – Blog und auch noch von einem Gruftie. :twisted:

    Die Macht der Medien ist leider sehr groß. Ich denke, die meisten Menschen hinterfragen nicht die Informationen, die eine ihnen seriös erscheinende Quelle präsentiert, oder informieren sich noch über den gegensätzlichen Standpunkt.
    Ich schließe mich da mit ein. Ich gehöre zwar sicher zu den skeptischen Zeitgenossen, aber alle gegebenen Informationen – das sind heutzutage ja unglaubliche Mengen – zu hinterfragen wäre ein Fulltime-Job, die Zeit hat kaum jemand. Es fällt einem dann vor allem bei Themen auf, von denen man selbst betroffen ist.

    Zwei Beispiele aus meiner Erfahrung:

    1. Cons und Fans.
    Ein Bekannter von mir wurde mal übers Wochenende von einem Fernsehteam des WDR auf der Galileo begleitet. Sie fragten ihn immer wieder Dinge, z.B. warum er das Ganze so toll fände, warum er das mit dem Kostümen macht, aber auch schwachsinnige Fragen wie “Wo haben Sie Ihr Raumschiff geparkt?”, die er scherzhaft beantwortete. Was geschah? in dem TV-Beitrag tauchten die vernünftigen Fragen nicht mehr auf, und er stand da wie der letzte Vollidiot.

    2. Beamtenbashing in der Presse.
    Immer wieder beliebt. Als wir in NRW im September 2003 demonstrierten – nicht einmal für Lohnerhöhung sondern gegen doppelte Verluste in Form von Wiedereinführung der 41h-Stunde mit gleichzeitiger Lohnkürzung – wurden wir auch als faule, raffgierige Säcke dargestellt.
    Es wurden Interviews mit armen Passanten gezeigt, die unter dem von rund 30.000 Landesbeamten beeinträchtigten Verkehr in Düsseldorf zu leiden hatten. Aber es wurde nicht erwähnt, dass das die erste Veranstaltung dieser Art seit Jahren war. Ich hatte zumindest nichts dergleichen erlebt, seitdem ich 1997 Beamter geworden bin, aber schon mindestens ein halbes Dutzend mal unfreiwillig Urlaub nehmen müssen, weil gerade mal wieder die öffentlichen Verkehrsmittel bestreikt wurden.
    Es wurden arme, brave Steuerzahler gezeigt, die sich aufregten darüber, dass wir auf ihre Kosten während unserer Arbeitszeit “streikten”. Allerdings dürfen Beamte bekanntlich per Gesetz nicht streiken und wir taten das auch nicht. Ich habe mich wie alle anderen brav an der Stechuhr ausgebucht auf dem Weg zur [b]Demonstration[/b], das war mein persönliches Freizeitvergnügen.
    Natürlich wurde auch nirgendwo erwähnt, dass dieses Jahr bei dem wochenlangen Streik in der öffentlichen Verwaltung nur die Angestellten gestreikt haben und die geldgeilen, faulen Beamtensäcke den Betrieb währenddessen am Laufen hielten – und zwar unter den Konditionen, die diese schon jahrelang haben und gegen die die Angestellten gerade streikten, nämlich die erwähnte 41h-Woche (in manchen Bundesländern sogar 42h) und Verlust von Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
    Die Presse erzählt meistens auch nur, dass wir privilegierten Beamten keine Praxisgebühren zahlen müssen. Aber es wird nirgendwo erzähnt, dass es in NRW (bei den anderen Ländern weiss ich es nicht) stattdessen die “Beihilfekostendämpfungspauschale” gibt, die z.B. in meiner Besoldungsgruppe (A 10) 150 € pro Jahr beträgt, die anfällt, egal wie oft man zum Arzt geht, und mittlerweile sogar, wenn man überhaupt nicht zum Arzt geht! Da ist die Praxisgebühr doch eindeutig günstiger.

    Ich könnte noch endlos weitere Beispiele aufzählen…

    Als ich selbst an den Convideos mitgewirkt habe, habe ich die Macht der Medien hautnah erlebt. Mit unserem Material von den Gaststars, des Congeschehens und der Interviews mit den Fans hatten wir die Möglichkeit, die Con als totalen Flop mit lauter Vollidioten oder als Spitzen-Event mit intelligenten, kreativen Menschen darzustellen. Man kann dann auch so geschickt schneiden, dass Patzer wie beim Schluss-Stunt unserer Stuntshow fast gar nicht auffallen. ;)

    Ich empfehle hierzu die Babylon5-Folge “The Illusion of Truth”. (Ich sag’s ja immer wieder, B5 bietet für jede Lebenslage Weisheiten. :grin:) In der Episode wird dargestellt, wie ein ISN-Fernsehteam den Alltag der Station filmt und dann durch Weglassen von Szenen und Aussagen und Hinzufügen von eigenen Kommentare die ursprüngliche Begebenheit in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt.

  • PersephonePersephone sagt:

    @Raven: Ja bei den ganzen Con-Geschichten hatte ich auch zum erstenmal die Erfahrung, dass die Medien nicht objektiv sondern mit bestimmten Vorurteilen berichten und dass sie ihre Macht bewusst manipulativ einsetzen. :mad:
    Es ist sicher schwer zu entscheiden, ob eine Information nun wahr, verzehrt oder falsch ist. Wenn ich nicht die Situation der Beamten aus Deinen Schilderungen kennen würde, würde ich vielleicht auch denken, denen geht es doch zu gut.

    An die B5-Folge kann ich mich dunkel erinnern. Schade, ich glaube nicht, dass es je wieder eine TV-Serie geben wird, die so wundervoll und dabei so intelligent und weise ist wie Babylon 5.

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