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Gleiche Pole stoßen sich ab

4. Oktober 2006

Einmal mehr habe ich mich auf das gefährliche Mienenfeld der zwischenmenschlichen Beziehungen vorgewagt, einmal mehr sind mir die Sprengkörper um die Ohren geflogen – kurzum: Es gibt mal wieder eine Anekdote aus meinem umfangreichen Archiv zwischenmenschlicher Mißerfolgserlebnisse zu berichten. Eine Anekdote so absurd, dass man sich aussuchen kann, ob man darüber lachen oder weinen möchte.

Wie immer bei solchen Geschichten fing alles ganz gut an. In meinem Postfach bei friendscout24.de, wo ich ein Profil zu soziologischen Studien angelegt hatte, fand ich Anfang September einige sehr interessierte Nachrichten des Herrn R. Mit viel Witz, Verstand, Eloquenz und Beharrlichkeit geschrieben, hob sich R. deutlich von den anderen Kontaktersuchen ab. So kam es, dass wir nach meiner Rückkehr vom Timmendorfer Strand in einen angeregten e-mail Verkehr traten. Mir gefiel die Selbstironie des Herrn R., doch ahnte ich bald, das sich hinter der mehrmals witzelnd erwähnten schweren Kindheit tatsächlich traumatische Erlebnisse verbargen: ein sich früh suizidierender Vater und eine alkoholkranke Mutter, die ihn von sich geschoben hatte. Das ist der Stoff aus dem eine borderline-narzisstische Persönlichkeitsorganisation entstehen kann.
Nach mehreren Jahren als Hausmann an der Seite einer Karrierefrau lebt er nun in Scheidung und ist als Berufsschullehrer tätig. Von seiner Hausmann-Zeit sprach er mit großer Frustration, denn er fühlte sich von seiner Ex damals ausgenutzt, hatte das Gefühl in seiner Leistung nicht anerkannt und geschätzt zu werden.

Am 23. September führten wir ein sehr kurzweiliges, interessantes Telefongespräch. Dabei stellte sich allerdings heraus, dass er eine feste Freundin habe. Die Kontaktbörsen im Internet seien wie eine Sucht, meinte er. Man könne ja doch noch etwas Besseres finden, womit die Qualität seiner derzeitigen Beziehung klar umrissen ist. Es gelüstete ihn nach einer Frau mit weiterem Horizont, andererseits sähe er durchaus den Vorteil, den eine weniger intellektuelle Frau bietet: “Sie bewundern dich, alles, was du tust ist toll. Es gibt keine Kritik”
However, meine Bestürzung über die bisher unerwartete Freundin hielt sich in Grenzen, denn mein Interesse an R. war nicht erotische Natur, dafür habe ich ja Papa J.T..
Aber Lilith-Frau kennt das ja: selbst als platonische Bekannte wird sie eifersüchtig von der Eva-Glucke beäugt und am Ende vertrieben.

Soweit zur Vorgeschichte. Jetzt kommt die eigentliche Anekdote:
Eines Mittwochsmorgens, am 27.September, schaute ich wie üblich auf der Arbeit in mein web.de Postfach. Oh schreck: ein roter Balken leuchtete mir entgegen, Speichervolumen überschritten. Wie konnte denn das passieren, wo ich doch immer ein aufgeräumtes Postfach besitze und sogar den Spamfilter täglich leere? Das Speichervolumen bei web.de ist auf 12MB beschränkt, bisher war das immer mehr als genug. Jemand musste mir monströse e-mails geschickt haben. Als der Übeltäter entpuppte sich R., der mir mehrere datenlastige e-mails mit einer Gesamtgröße von ca. 10MB geschickt hatte.
Nun bin ich der Meinung, dass man eine solche Datenmenge nicht ungefragt an eine zudem relativ fremde Person schickt. Ich ärgerte mich über das verstopfte Postfach und schrieb R. eine entsprechende e-mail, in der ich die Gründe für meine Verärgerung auflistete:

  1. Man verschickt nicht 10MB oder wie viel waren es? ungefragt an einen Empfänger
  2. wie oben schon erwähnt, es hat mein Postfach verstopft, so dass ich nach Deiner Aktion keine e-mails mehr empfangen konnte.
  3. Hätte ich diese Datenschwemme zu Hause kaum herunterladen können. Ich habe kein DSL, nur ein 56K Modem, mein Outlook express wäre abgestürzt.
  4. Was immer es war, was Du mir geschickt hast, ich höre keine Hörbücher. Ich bin ein visueller Mensch. Ich mag in einem Dialog gut zuhören können und höre natürlich gerne Musik, aber ich von einem Hörbuch würde ich nichts mitkriegen, weil eine rein auditive Information von meinem Hirn so gut wie nicht verarbeitet wird.
  5. Jetzt hast Du Dir alle Mühe umsonst gemacht, denn ich habe die Dateien gelöscht

Die Hauptsorge bereitete mir der Umstand, dass ich durch R.s Mailaktion ca. 12h lang keine e-mails empfangen konnte. Ich hatte Panik, in dieser Zeit hätte mir vielleicht Papa J.T. eine Meldung geschickt, die ich verpasst habe, so dass ich unbegründet die Hölle meiner Verlassenheitsängste durchleben musste.
Wie R. auf die Idee gekommen ist, mir unbedingt ein Hörbuch schicken zu wollen, ist mir schleierhaft. Er konnte zwar nicht wissen, dass ich Hörbücher nicht ausstehen kann, aber er hatte auch keine Veranlassung zu glauben, dass ich mich über ein Hörbuch besonders freue. Es handelte sich um das Buch “Cassandra” von Christa Wolff. Na ja, nur weil es einen Blogeintrag über eine Person namens Cassandra gibt, muss mich doch dieses Buch nicht interessieren.
Anyway. Mein Ärger war schnell verraucht und ich bin nicht nachtragend. Also schrieb ich ihm eine als Besänftigung gedachte mail und erklärte nochmal, wieso ich so aufbrausend war (geraubte Kontrolle über mein Postfach) und deutete auch an, dass ich wegen eines Todesfalls gerade seelisch etwas angeknaxt bin.
Ab hier zeigte sich, dass die Pole unaufhaltsam auseinander drifteten. Ich erhielt eine sehr genervte Antwort:
“Ich sehe das für mich als kleine Lektion in gelebtem Narzissmus. Dein Focus lag auf Deinem überfüllten Postfach (Aufwand etwa 3 Mausklicks) und nicht auf der Tatsache, dass sich irgend jemand Gedanken und Mühe (>>3 Mausklicks) gemacht hat um Dir eine Freude zu machen.”

Das Wort “Narzissmus” hatte er meinem Vokabular aus einem gänzlich anderen Kontext entnommen. Als er mir seine Bewunderung dafür aussprach, dass ich im Gegensatz zu den meisten meiner Gewichtsgenossinnen so zu meiner Figur stehe, meinte ich, ich sei viel zu narzisstisch, um dies nicht zu tun.
R.s obiger Satz ist entscheidend für die ganze Geschichte. Ich muss ihm Recht geben, ich hatte tatsächlich immer nur mein Postfach gesehen und die Konsequenzen, die seine Datenlieferung hatte oder gehabt haben könnte. Was ich nicht gewürdigt habe, ist die Intention mir eine Freude machen zu wollen. So schrieb ich ihm:

“Klassisch-narzisstische Selbstwertproblematik. Ich entsinne mich an Deine Klage, während Deiner Hausmann-Zeit habe Deine Ex Deine Leistung nicht genug gewürdigt, Dich nicht genug anerkannt, Dich nicht unterstützt. Offenbar habe ich in diese schwere Wunde hineingeschlagen. Da ist schon wieder eine Frau, die Dein Bemühen, Deine Leistung nicht nur nicht anerkennt, sondern Dich gar für Deine Leistung ausschimpft.
OK, dann haben wir also beide in die Wunden des anderen hineingetroffen. Jetzt sind wir wohl quit.
Bist Du jetzt immer noch beleidigt?

R.s Zitat beweist jedoch noch etwas anderes: er hat überhaupt nicht verstanden, warum ich so verärgert reagiert habe. Es ging eben nicht darum, dass ich die mails mit drei Mausklicks löschen musste, sondern es ging mir um das lahm gelegte Postfach und eventuell verpasster wichtiger Nachrichten.
Da ich passenderweise am 28. September einen Termin beim Psychologen hatte, fragte ich den Fachmann: “Bin ich narzisstisch?” und erzählte ihm die ganze Story. Das Ergebnis war, dass wir beide schallend über die ganze Szenerie lachen mussten, am meisten lachte ich jedoch über mich selbst und meine 1.,2., 3. Auflistung, warum es unlogisch ist, mir 10MB zu schicken.
Da ich R. bisher als Mann wahrgenommen hatte, der in der Lage ist, über sich selbst zu lachen, erzählte ich ihm von dem Gelächter während der Therapiestunde und schrieb eine kleine Geschichte, in der ein Held versucht, seine Angebetete mit Bergen von Geschenken vor ihrer Pforte zu beeindrucken, während sie nur ganz entsetzt über den Abfallhaufen ist, der den Boten den Zugang zu ihrem Schloss versperrt.
Doch offenbar war R. so tief getroffen, dass ihm das Lachen vergangen war. Anstatt das Ganze unter typischen Fall von Aneinandervorbeireden abzuhaken und wieder zur normalen Konversation über zu gehen, erhielt ich eine sehr zynische Bemerkung, die sich auf den “Fluch der Totengöttin” bezog:

“lachen ist gesund” sagte mein Opa gerne – er ist trotzdem gestorben im Jahr 1980….sollte uns das zu denken geben? Das musst Du jetzt aber nicht auch auf Dich beziehen; es sterben gelegentlich auch Menschen, die Dich nicht kennen.”

Über meine Bemerkung, wir seien jetzt quit zeigte er sich fassungslos und setzte gleich noch eine zynische Geschichte oben drauf:

“Ich stelle mir mal vor, an der Deckenlampe Deiner Altbauwohnung hängt Dein Hausmeister; er hat sich stranguliert und zur Sicherheit noch die Pulsadern aufgeschnitten – man kann ja nie wissen….Und nun stelle ich mir Deine ersten Gedanken vor, die Dir durch den Kopf schießen, da sein Blut Deinen Kimono bekleckert, als Du den zuckenden, baumelnden Kadaver entdeckst….ich vermute, Du überlegst Dir, wie DEINE Wirkung in dem Szenario ist, wie DU den Fleck wieder aus dem Kimono kriegst, wie DEINE zarte Seele leidet und warum der Depp DEINEN Teppich versaut…..

Hä, was habe diesem Mann eigentlich getan? Eben war ich noch die kurzweilige Konversationspartnerin und nur weil ich sein Hörbuch nicht haben wollte und dabei noch über mich selbst lachen konnte, kriege ich jetzt den Stempel des abgrundtief Bösen verpasst?
Da muss ich wohl sehr, sehr tief in seine narzisstische Wunde hineingetroffen haben. Narzissten regredieren in Streßsituationen auf Borderline-Niveau, deshalb wechselte ich von der Guten auf die Bösen-Seite.
Hm, zweifellos habe ich eine narzisstische Persönlichkeitsorganisation, aber offenbar bin ich weniger Borderline als ich immer dachte, denn R. befand sich trotz aller Scharmützel und zynischen Bemerkungen nie auf meiner Bösenliste.

Nun gut, diese Bekanntschaft wurde heute offiziell beendet, denn R. erklärte, er wolle nicht Teil meines Lebens sein, auch nicht im Blog!
Weshalb es mir eine besondere Freude ist, diesen Blogeintrag verfasst zu haben.

Moral von der Geschichte ist: dass ich offenbar Menschen mit narzisstisch-borderline gefärbter Persönlichkeit anziehe, da ich selbst diese Färbung besitzte, so dass es schnell zu einem vertrauten Umgang und gegenseitigem Verständnis kommt. Alles wunderbar, bis man anfängt gegenseitig in die Wunden zu kloppen, dann tritt das Naturgesetz in Kraft: gleiche Pole stoßen sich ab.
So war es mit Sonnenblume, mit Cassandra und nun mit Herrn R.
Also entweder ich kloppe mich mit Narzissten oder ich begegne dem Tod im Umfeld  meiner älteren, männlichen Bezugspersonen.
Mutig hatte ich mich auf das Mienenfeld gewagt, aber außer triefenden Wunden habe ich nichts gewonnen.

Der Beitrag wurde am Mittwoch 4. Oktober 2006 um 20:38 veröffentlicht und wurde unter Seelenleben abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

4 Kommentare

  • RavenRaven sagt:

    Was für ein Psycho ist das denn?! :shock: So eine banale Meinungsverschiedenheit derart aufzublähen und alles danach Gesagte komplett zu ignorieren, zeugt wirklich nicht von einem gesunden Geist. Und das Bild des erhängten Hausmeisters erst recht nicht. Du wolltest sein Hörbuch nicht Dein Postfach verstopfen lassen, das stellt Dich moralisch auf eine Stufe mit “Hitlers Helfern”! :roll:

    Seine Argumentation ist meiner Meinung nach schwach. Natürlich hat er sich Mühe gegeben mit dem Hörbuch und es gut gemeint. Aber “gut gemeint” ist eben nicht gleichzusetzen mit “gut”, und nur weil sich jemand Mühe gibt, verpflichtet Dich das nicht zu einer positiven Reaktion.
    Ich hätte mich auch über so eine Aktion geärgert. Vor allem ging es Dir ja nicht um die Mühe des Bereinigens, sondern mehr darum, dass Du auf Nachricht von jemand anderen gewartet hast.

    Und bevor ICH Deinen Posteingang verstopfe ;) : Ich lege Dir die Bilder vom Timmendorfer-Strand-Urlaub besser auf dem Webserver ab. Das Aussortieren und Bearbeiten kann allerdings noch eine Weile dauern.

  • PersephonePersephone sagt:

    Je länger ich über diesen Typen nachdenke, desto pathologischer erscheint mir dessen Verhalten. Ich meine, wir wissen ja, dass wir eine Macke haben und können darüber reflektieren :lol:, aber diese Unversöhnlichkeit, die mir da entgegengeschlagen ist …. der Typ ist doch komplett gestört.
    Wahrscheinlich hat er erwartet, dass ich ihn auf Knien um Verzeihung dafür anbettele, dass ich sein bescheuertes Hörbuch verschmäht habe. Grrr mir kommt gerade die Galle hoch, wenn ich an den Typ denke :evil:
    Eigentlich war ich in meinem Eintrag noch viel zu nett und habe meine Lästerzunge im Zaum gehalten, aber mein narzisstisch-verkommenes EGO verlangt danach, mal richtig über diesen blondgelockten Trottel abzulästern :twisted:

  • DanielDaniel sagt:

    Hm, also ich befürchte, der Grund seines Ärgers ist viel profaner und daher eigentlich noch gemeiner: Er versteht sich nun doch besser mit seiner Freundin als er es dachte. Anscheinend brauchte er nur jemanden zum “spielen”, i.S.v. spielen mit Emotionen, um sich über seine Gefühle für seine vermeintliche Herzdame klar zu werden.
    Was für ein oberflächlicher Vollidiot, was anderes fällt mir dazu nicht ein.
    Mann, mann, mann, wie wenig Arsch in der Hose kann ein Typ eigentlich haben?

  • PersephonePersephone sagt:

    @Daniel: tja ich weiß auch nicht, wie er sich all den anderen Damen genähert hat, wenn die kleinste Dissonanz zur völligen Unversöhnlichkeit führt. Na ist doch gut, wenn er nun weiß, was er an seiner Freundin hat, wenn ich dazu beitragen konnte, habe ich doch wieder eine wichtige Aufgabe erfüllt :mrgreen:
    “Kein Arsch in der Hose” sehr gut ausgedrückt. Sein Verhalten kam mir schon sehr zickig und weibisch vor, das kenne ich von Männer so nicht. :lol:
    Ohne diese kleinen Scharmützel und Feindkontakte wäre das Leben doch langweilig. Immerhin hat mich sein Verhalten zum Lachen gebracht – mich die Melancholikerin :grin:

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