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Persephones Welt » Meine Gralsburg – Mein Zauberberg

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Meine Gralsburg – Mein Zauberberg

15. April 2008

Aufenthalt in der Reha-Klinik: 22.Januar 2008 bis 19. Februar 2008

Stark verspätet schreibe ich nun endlich den Blogeintrag über meinen Aufenthalt in der Reha-Klinik. Ich werde nicht so ausführlich schreiben, wie ich es einst angedacht hatte, dazu liegt die Reha schon wieder in zu weiter Ferne und es ist zwischenzeitlich zu viel passiert. Ich werde den Eintrag hauptsächlich an Hand von Bildbeschreibungen der gemachten Fotos schreiben.

Es hat mir sehr gut gefallen in der Reha-Klinik Hamborn. Abgeschieden inmitten des Waldes gelegen, bot sie mir die Ruhe, die ich für mein Wohlbefinden brauche. Sie ist Teil eines anthroposophischen Dorfes bzw. Arbeitsgemeinschaft, zu der auch ein Altenwerk, Käserei, Bäckerei, Demeter-Landbau, Waldorfschule, kleine Läden und ein Cafe gehören.
In der Klinik herrschte eine Atmosphäre des Friedens und der Zugewandtheit zur geistigen Welt. Diese Atmosphäre umgab mich wie ein Schutzkokon und befreite mich von Erdenschwere, so dass gralsburggleich in anderen Sphären schwebte und ein Gedicht nach dem anderen in meinen Kopf viel. Es war eine schöpferische Zeit, die neben den Gedichten ein Kapitel meines Buches und vier Venusfigurinen aus Ton im steinzeitlichen Stil hervorbrachte.
Wie auf Thomas Manns Zauberberg waren wir Patienten eingebunden in einen unbeschwerten, geregelten Tagesablauf, geordnet durch die Mahlzeiten, Ruhezeiten und Abendveranstaltungen, die uns dennoch genug Freiheit und Rückzugsmöglichkeiten bot.
Trotz der heimeligen Atmosphäre gab es Situationen, in denen ich Panikattacken bekam, Angst hatte und mich ritzte. Auch dort hatte ich ein großes Rückzugsbedürfnis und fühlte mich am wohlsten, wenn ich allein auf meinem Zimmer war, las oder schrieb.
Ich wollte gar nicht mehr nach Hause, wäre am liebsten für immer dort in meinem Zimmerchen geblieben und hätte ein Leben in der entrückten Gralsburg geführt, frei von den Beschwernissen der Oberwelt mit ihrer Bürokratie, Sklaverei, Materialismus etc.
Als ich nach Hause kam, fiel ich einmal mehr in den seelischen Abgrund. Die Depression hat sich gebessert, aber Angst habe ich immer noch, Mißtrauen, steigende Reizempfindlichkeit, Rückzugsbedürfnis, Menschenscheu, schnelle Ermüdbarkeit, Labilität, nicht belastbar.

Der Reha-Bericht enthielt das gewünschte Ergebnis: erwerbsunfähig entlassen. Entschieden ist allerdings auch fast zwei Monate nach Entlassung aus der Reha überhaupt nichts. Der Kampf mit Behörden hält unvermindert an und die Rentenversicherung hat sich trotz Nachfrage immer noch nicht zu Wort gemeldet. Dahinter steckt System, denn diese Verzögerungs- und Verschleppungspolitik höre ich auch von anderen.
In der Regel ist es von Seiten der Rentenversicherung nicht angedacht, dass der Patient diesen Entlassungsbericht zu Gesicht bekommt, was ich eine Unverschämtheit finde. Ich habe mir eine Kopie bei meinem Hausarzt besorgt, weil das Jobcenter den Bericht haben wollte. Im Großen und Ganzen ist der Bericht OK, manchmal werde ich wörtlich zitiert. Dennoch enthält der Bericht einige Fehler und Falschaussagen, die mich sehr ärgern, weil ich mich frage, wie das dort reinkommt. Wie Raven sagte: der Bericht müsse wie eine Zeugenaussage bei der Polizei vom Patienten gegengelesen und unterschrieben werden. Aber ein Umgang zwischen Arzt und Patient auf gleicher Augenhöhe ist von der verkrusteten Strukturen nach wie vor nicht erwünscht.
Die Lektüre des Rehaberichtes zeigte mir, dass letztlich auch die Gralsburg ein Handlanger des Systems ist und zumindest so tun muss, als würde sie sich an die strikten Richtlinien des Systems halten. Meine gute Meinung kippte dadurch in ihr Gegenteil und ich will nie wieder etwas mit irgendwelchen Reha-Maßnahmen zu tun haben.

Mit folgenden Diagnosen wurde ich entlassen:

  • Metastasiertes Ovarialkarzinom
  • Borderline-Störung
  • Schizotype Störung
  • Burn-Out Syndrom
  • Depression
  • Angststörung
  • Depression
  • Dysthemie

Was für ein Krüppel ;-) Mein neues Hobby:Diagnosensammeln, nicht wahr Raven!

Reha-Klinik von hinten

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Ein moderner Bau. Jedes Gastzimmer hat Balkon oder Terrasse. Dem kundigen Betrachter wird im Innenraum sofort auffallen, dass es sich um ein anthropsophisches Gebäude handelt. Es handelt sich nicht um eine sterile Klinik, die nach Desinfektonsmitteln riecht. Die Wände sind in Pastellfarben gehalten, es hängen Engelbilder und ähnliches an den Wänden, auf den Fluren stehen kleine Tischchen herum mit niedlichen Figürchen und Infomaterial über Produkte von Weleda oder Wala.
Die Arztzimmer und Therapieräume befanden sich ebenfalls auf den Zimmerfluchten. Es gab also keine räumliche Trennung zwischen den Gästezimmern und den Behandlungszimmern wie das wahrscheinlich in großen Normalo-Rehakliniken der Fall ist, das trug zum Gemeinschaftsgefühl bei.

Mein Zimmer von außen

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Rot angekreuzt mein Sanctuarium in der Gralsburg.

Zimmer 63

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Im Zimmer 63 auf dem grünen Flur im ersten Stock schlug ich mein Quartier auf. 63 = Quersumme 9 = Heilige der Zahl der Germanen und Minbari, damit war ich sehr zufrieden. Die Zimmernummern sind in Kupfer, dem lieblichen Metall der Venus eingeschlagen. An jeder Tür hängt ein Schild, auf dessen einer Seite das Wort Ruhezeit geschrieben steht, damit man während seiner Ruhe nicht gestört wird.
Die Ruhezeiten sind wichtiger Bestandteil der Therapie. Im Gegensatz zu anderen Reha-Kliniken, die ihre Insassen von Therapie zu Therapie und dreimal am Tag über den Nordic-Walking-Parcour hetzen, weil Ruhe ja die Sünde der Faulheit ist, werden die Patienten in Hamborn angehalten, nach jeder Aktivität zu ruhen, damit sich die Wirkung der Maßnahme entfalten kann.
In einer klinikeigenen Schrift heißt es dazu:


Während der Behandlung und nicht zuletzt während der anschließenden Ruhezeit (die ein wesentlicher Bestandteil der Therapien ist) sind sie doch nicht passiv, sondern erbringen eine eigene Leistung zum Gelingen der Maßnahme durch bewußt aktive Entspannung. Die Ruhe ist nach innen gerichtete (in-tensive) Aktivität.

Mein Sanctuarium in der Gralsburg

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Die Zimmer sind schlicht eingerichtet und dennoch gemütlich, da sie durch die Öko-Ausstattung von einer bergenden Aura durchwirkt sind. Wie üblich begleiteten mich meine Krafttiere Bubo und die Tigerin Thara und mein Eulenkissen, natürlich benutzte ich auf Grund meiner Idiosynkrasie meine eigene Bettwäsche. Viel Zeit verbrachte ich ruhend, schreibend und lesend im Bettchen.
Da die Wände resistent gegen Reiszwecken waren, hatte ich meine mitgebrachten Kartenbilder auf dem Regal aufgestellt. Am Schreibtisch saß ich, um die allabendlichen Kreuzchen in der Aktivitätenliste zu machen z.B. Schwimmen, Spaziergang, Wassertreten, Heileurhythmie, Chorsingen etc. und um meine Körpertemperatur in die Kurve einzutragen.
Einen Fernseher gibt es in einer anthroposophischen Einrichtung natürlich nicht. Anfangs vermisste ich das, wie schön wäre es gewesen, gemütlich im Bett zu liegen und fernzusehen. Aber schon bald war ich froh, dass es kein TV-Geflimmer gab. Lesen und Schreiben ist doch viel schöner, nicht zu vergessen die Abendveranstaltungen, zu denen ich später noch komme.

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Eine kleine Nasszelle gehörte zu meinem Gemach, allerdings hatte ich keine eigene Dusche. Glücklicherweise war die Dusche auf dem Flur modern und stets sauber und frei, so dass das nicht wie befürchtet zum Problem wurde.

Weg nach Schloss Hamborn

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Namensgeber der Reha-Einrichtung ist dieses Schloss, ca. 15 Gehminuten von der Klinik entfernt. Unterwegs kommt man an einem kleinen Verlag vorbei. Auf der Hochebene des Schlosses finden sich die anderen anthroposophischen Einrichtungen und Wohnhäuser für die hier tätigen Menschen.
Am Sonntag, 17. Februar, sparzierte ich mit einer Tischgenossin zum Altenwerk, um die Menschenweihehandlung zu besuchen, die anthroposophische Variante eines christlichen Gottesdienstes. Sympathisch war, dass der Gottesdienst in einem violetten Raum von einer Priesterin gehalten wurde. Ein männlicher und ein weiblicher Ministrant assistierten ihr. Allerdings war der Gottesdienst sehr steif und kühl. Die Gemeinde hatte nicht viel zu melden, musikalische Begleitung gab es nicht, es wurden lediglich zwei Lieder von der Gemeinde a capella gesungen. Die Priesterin stand die meiste Zeit von der Gemeinde abgewandt, blickte zu dem an der Wand stehenden Altar und rief Gott an. Ein anderer Priester hielt eine kurze Predigt, in der ausgrechnet eine dicke Frau als häßliche Außenseiterin dargestellt wurde, der man doch auch herzlich zugetan sein solle. Kotz, was für eine Einstellung. Eine Kommunion gab es auch, erst sprang ich auf und wollte auch vorgehen, aber dann war ich zu verunsichert, weil mir die Liturgie nicht vertraut war und setzte mich lieber wieder hin.
Alles in allem hat mir die Menschenweihehandlung nicht gut gefallen, eine katholische Messe ist da ergreifender.
Anschließend wurden im Vorraum Bücher verkauft und ich erstand einen kleine Band über Einsamkeit, mein Thema.

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Unweit des Schlosses befindet sich auch ein Cafe, welches ich mit Käthe aufsuchte, die mich am 17. Februar nachmittags besuchte. Leider war es im Cafe kaum auszuhalten, da es zu voll war und zu allem Unglück ein Mann hingebungsvoll Klavier spielte, so dass man sein eigenes Wort nicht verstand. Wir ließen uns trotzdem den Kuchen schmecken und ergriffen bald die Flucht in die Stille der Natur.

Tisch 13

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War es Fügung? Nach meiner Anreise wurde mir ein Platz an Tisch 13 zugeteilt, der Zahl der Mondgöttin, wundervoll. Auch hatte ich das Glück an der Wand zu sitzen, so dass ich nicht von zwei Seiten eingekeilt war.
Ich war mit der Prämisse angereist, ganz für mich sein zu wollen und nicht nach Kontakten zu suchen. Diese ganze Kontakterei zu Menschen ist mir mittlerweile viel zu anstrengend. Durch die festgelegte Sitzordnung entstand jedoch automatisch eine Tischgemeinschat. Ich beteiligte mich zwar nicht an den Smalltalk-Gesprächen, aber wenn ich etwas zu einem Thema zu sagen hatte, z.B. über Mondknoten, dann erhob ich mein Wort und manchmal führte ich interessante Gespräche mit Ulli oder Katharina. Ich kann nur gute Dialoge führen, ein Gespräch mit zwei Leuten gleichzeitig ist mir schon zu viel.
An unserem Tisch saß einer der wenigen Männer der Anstalt, ein lustiger Kerl, der praktischerweise mit einem Kleinbus angereist war, so dass Tisch 13 am Dienstag, 05. Februar geschlossen ins Nahe Paderborn in die Bar Celona fahren konnte, um den Abschied von Gabie zu feiern. Erst wollte ich gar nicht mitfahren, weil ich nach den Wochen der Abgeschiedenheit Angst vor Überreizung hatte. Dann ließ ich mich doch überreden und hielt tapfer aus. Der Aufenthalt in Paderborn hätte aber nicht länger dauern dürfen. Als wir schon am Zahlen waren, überlegten einige, ob wir nicht doch länger bleiben wollten. Ich sagte, ich wolle unbedingt zur Klinik zurück und dankenswerter Weise wurde darauf Rücksicht genommen und wir fuhren zurück. Ich war bereits zappelig und hätte ansonsten sicher eine Überreizungsattacke bekommen.
Ich hätte auch die Möglichkeit eines Kinobesuches in Paderborn gehabt, aber ich bin nicht mitgefahren, weil ich die schützende Stille nicht verlassen wollte.

Die Tischgemeinschaft fühlte sich für jedes ihrer Mitglieder verantwortlich. Wenn eine nicht zu den Mahlzeiten erschien, ohne sich abgemeldet zu haben, wurde nach der fehlenden Person gesucht und im passenden Fall das Essen aufs Zimmer gebracht. Auch ich wurde einmal auf diese Weise gesucht, weil ich wegen einer Angstattacke nicht zum Mittagessen erschien. Ein andermal lief ich während des Mittagessens davon, weil ich vom Geklapper und Geplapper im Speisesaal überreizt war, auch in diesem Fall wurde mir das Essen gebracht. Und ein Krankenpfleger fragte nach, ob ich nicht lieber in einem ruhigen Nebenraum essen wolle, wir dies auch zwei andere Patientinne taten. Ich entschied mich dafür, bei meiner Tischgemeinschaft zu bleiben.

Ein Gespräch mit Ulli inspirierte mich zu einem Gedicht. Es geht darin um die die Zweideutigkeit des Begriffs das Leben nehmen. Ulli verstand es im Sinne: das Leben nehmen wie es ist, ich verstand es im Sinne: sich das Leben nehmen. Auf Grund meines Wohlbefindens auf dem Zauberberg und um mir Mut zu machen, ließ ich das Gedicht positiver enden als ich mich meistens fühle.


Das Leben nehmen

Aus dem Strahl
der Weltenmitternacht
bin ins Leben
ich gekommen
Ein Engel hält
über mich Wacht
doch hab ich
ihn auch angenommen?

Will ich mir
das Leben nehmen
oder nehm ich
wie es ist?
Verschmäh ich
war mir die Götter geben
und verkürze ich
die Frist?

Oder laß ich
mich einsinken
in des Leibes
Lebenskraft
Laß mein Herz
die Wonne trinken
die nur das
Erdendasein schafft?

Nehm ich mir
das Leben
oder nehm ich
es doch an?
Versiegt jetzt
all mein Streben
und erliege ich
dem Wahn?

Oder folg ich
den Visionen
die mein Engel
mir gesandt
und schreibe
für Millionen
nehm mein Leben
in die Hand?

Ist es nicht meiner
Ich-Kraft Handlung
die mir das
Leben nimmt?
Mein Wille vollbringt
die Wandlung
damit das Dasein
wieder stimmt

Drum will ich
das Leben nehmen
und nicht flüchten
in den Tod
Hab der Welt
soviel zu geben
Meine Seele
ist im Lot

15.02.2008

Hüterin des Ortes

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Als Hüterin des Ortes stellte sich mir diese Buche vor. Manchmal saß ich auf ihren mächtigen Wurzeln und tankte von ihrer Erdenkraft. Ich nahm einige kleine Sparziergänge von 30 bis 45 Minuten. Viele andere liefen zwei Stunden und mehr um her, aber das schaffe ich krebsschwache Couchpotato mit Venusfigur nicht. Am liebsten schlenderte ich über den Garten und den angrenzenden Wald.

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Katze

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Im Schuppen auf dem Klinikgelände wohnt eine weiße Katze. Als ich sie sah, dachte ich, wie arm wäre die Welt ohne Katzen. Laßt mich von Katzen umgeben sein!

Bewegungsbad

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Nur ein kleines Becken stand für Wasserfreuden zur Verfügung, zum Schwimmen kaum geeignet.
Hier hatte ich zweimal die Woche mit anderen Patientinnen Wassergymnastik, was ich eigentlich ganz gern mache, doch hier gehörte es nicht zu meinen Favoriten. Immer wenn die Physiotherapeutin anwies, wir sollten eine Übung zusammen machen, begann ich vor Angst zu hyperventilieren und verweigerte mich. Halbnackt und ungeschützt wollte ich nicht mit fremden Personen interagieren.

Außerhalb der Gymnastik stand das Becken zur freien Verfügung. Glücklicherweise hatte ich das Becken fast immer für mich alleine und verbrachte hier Stunden mit planschigen Freuden. Einmal ließ ich mich lange auf der Oberfläche treiben und versank in Meditation.

Der Meister

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Keine anthroposophische Einrichtung kommt ohne ein Bild des Meisters aus. Im Gemeinschaftsraum wachte Rudi über die Aktivitäten seiner Zöglinge. Ihm Gegenüber hing ein Bild von Ita Wegemann, einer Ärztin, mit der er die anthroposophische Medizin begründet hat.
Ich habe nun auch verstanden, warum manche beschränkte Gemüter Anthroposophie für eine Sekte halten: ein Bild des “Gurus” Rudolf Steiner an exponierter Stelle, wenn man will, kann man ganz in der anthroposophischen Welt leben und seinen Kontakt zur Außenwelt auf ein Minimum beschränken, schließlich gibt es eigene Kindergärten, Schulen, Ärzte, Lebensmittelproduzenten, eigene Lebensräume, Verlage, Buchhandlungen, Berufe und so weiter.
In einer Sekte geht es jedoch immer um Macht und Geld und das Gehopse um einen Sektenführer, das ist bei Anthroposophen alles nicht der Fall.

Gemeinschaftsraum

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Hier ist der Gemeinschaftsraum im ungebrauchten Zustand zu sehen. Je nach Veranstaltung wurden die Stühle unterschiedlich angeordnet zurecht gerückt. Als Fernsehersatz wurden jeden Abend Veranstaltungen angeboten:

  • Montag: Menschenkundliche Vorträge
  • Dienstag: unterschiedliche Themen
  • Mittwoch: Volkstanz
  • Donnerstag: Sternenkunde
  • Feitag: Chorsingen
  • Samstag: frei
  • Sonntag: Märchen oder Konzert

Die Vorträge waren sehr langatmig und ich ging nicht immer hin.
Am Volkstanz habe ich einmal mitgetanzt, aber das Gespringe war sehr anstrengend für mich, und ich mag es nicht, fremde Menschen anzufassen.
Dafür war ich eine begeisterte Chorsängerin. Wir sangen die obligatorischen Volkslieder aber auch Bach, Beethovens Neunte.
Ich habe immer darauf geachtet, dass ich am Rand in der Nähe zur Tür sitze, damit ich jederzeit gehen kann, ohne großes Aufsehen zu erregen. Zwischen Leuten eingekeilt sitzen, der Fluchtweg versperrt, da ist die Angstattacke vorprogrammiert.
Hier merkte ich, wie viel Kultur und Gemeinschaftserleben durch die Fernseh-Gesellschaft zerstört worden ist. Die Veranstaltungsabende waren viel schöner, als wenn jeder alleine auf seinem Zimmer vor der Glotze gehöckt hätte.

Im Gemeinschaftsraum fand auch zweimal die Woche nachmittags Gruppeneurhythmie statt, an der ich immer teilnahm, weil Eurythmie meine Liebelingstherapie ist.

Zweimal in der Woche vormittags hatte ich dort Sprachgestaltung in Einzelsitzung, eine weitere typisch anthroposophische Therapie, die meinem Dichter-Wesen besonders entgegenkam. Ich rezitierte zwei Gedichte von Rose Ausländer, welche die Therapeutin mitgebracht hatte. Schließlich traute ich mich, eigene Gedichte zu rezitieren. Ich hatte jedesmal Lampenfieber und am Anfang richtige Angstattacken mit Hyperventilitation und Schweißausbrüchen, weil die Sprachgestaltung etwas von Schauspielunterricht hatte.

Hier ist eines meiner Gedichte, welches von Heileurythmie und Sprachgestaltung inspiriert wurde:


Eurythmie

Eingewoben
in ein Kleid aus Klang
und Stille

Getragen
von Harmonie aus Gesang
und Wille

Geborgen
im Raum der schönen
Bewegung

Eingekehrt
im Traum der sanften
Begegnung

29.01.2008

Ich hatte immer Schwiergkeiten, mir die Reihenfolge zu merken. Meine Lehrerin gab mir einen einfachen Trick: Jede Strophe mit einer passenden Bewegung und Zack, plötzlich war es ganz einfach.

Zeugin des Todes

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An den Wurzeln dieser Birke begrub ich das Vöglein, eine Haubenmeise, die den Tod an meiner Fensterscheibe fand. Ich schaute gerade hinaus, als die Haubenmeise mit voller Wucht gegen das Fenster knallte. Ich stürzte auf den Balkon, glücklicherweise war der Vogel sofort tot und musste sich nicht quälen. Dennoch bach mein hochsensibles Gemüt in Tränen aus und ich rannte mit dem noch warmen Leiblein in der Hand aufgelöst in den Flur zu meiner Krankenschwester. Sie suchte mit mir ein Werkzeug, um den Vogel begraben zu können. Alles was wir fanden, war ein Schuhlöffel aus Metall.
Lange irrte ich umher, bis ich mich für die Birke als Begräbnisort entschied. Ich sang dem Vöglein weinend das Runen-Futhark und schrieb anschließend zu seinen Ehren ein Gedicht.


Vöglein

Klein, jung und voller Leben
flog das Vöglein durch die Welt
bis seines Schicksals rauhes Weben
mit meinem Los zusammenfällt
Von Angesicht zu Angesicht
nur durch Fensterglas geschieden
sein zartes Leiblein tot zerbricht
in meinem Aug dahin geschieden
Gebettet in meiner warmen Hand
geleitet von meiner Tränen Fluß
willkomme ich ihn im Totenland
und schenke ihm Persephones Kuss
Mutter Birke nimm ihn auf
getragen von Runengesang
Es vollende sich sein Lebenslauf
beginne ein neuer Werdegang

04.02.2008

Auch dieses Gedicht rezitierte ich in der Sprachgestaltung.

Zeugin des Lebens oder die Frau mit den Vögeln

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Als Ausgleich für das tödliche Unglück wollte ich mich bei der Vogelwelt revanchieren und ließ mir von meinem motorisierten Tischgenossen Meisenknödel mitbringen, die ich am Balkongeländer vor meinem Fenster befestigte. Und siehe da, schon nach wenigen Stunden war der neue Futterplatz in der Vogelwelt etabliert und zog immer mehr gefiederte Freunde an. Den Vögeln bei futternden Spiel an den Knödeln zu zusehen, das waren die glücklichsten Momente in der Gralsburg.
Im Bücherfundus der Klinik fand ich auch ein Vögelbestimmungsbuch, demnach besuchten folgende Vogelarten meine Futterplatz:

  • Blaumeise
  • Kohlmeise
  • Tannenmeise
  • Weidenmeise
  • Kleiber
  • Amsel
  • Specht

Als mein Aufenthalt endete, hatte ich Bedenken. Nun waren die Vögel an die Knödelstelle gewöhnt, was für eine Enttäuschung musste es sein, wenn sie hier nichts mehr vorfanden. Ich hing vor der Abreise einige Knödel als Vorrat hin und schrieb einen Brief an meine Zimmernachfolger/in, sie/er möge doch die Fütterung mit den verbliebenen Knödeln weiterführen. Ob das geschehen ist, weiß ich nicht. Ich hatte extra meine e-mail-Adresse dagelassen und um kurze Nachricht gebeten, aber ich habe nie eine mail erhalten.

Wassertreten

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Das Wassertretbecken war schlecht frequentiert, um so besser für mich, denn ich stapfte gern durch das erfrischend kühle Wasser und tastete anschließend mit meinen Füßchen über den Barfußparcour. Ich liebe Barfuß laufen.

Märchen im Pavillion

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Der schmucke Pavillion diente als Aufenthaltsraum für Gespräche. Manchmal saßen ganze Grüppchen herum, die sich lebhaft unterhielten, das wäre gar nichts für mich, da ich nur Dialoge aber keine Multiloge führen kann. Da es weder TV noch Radio gab, lagen hier Tageszeitungen aus, damit die Ereignisse der Welt nicht völlig an den Insassen vorbeigingen. Ich blätterte einmal in einer Zeitung herum und bemerkte, was ich alles nicht wissen will und was ich alles nicht vermisse.
Eine Patient erzählte an manchen Abenden im Pavillion Märchen. Das war wunderschön und ich hörte begeistert zu, es hatte etwas Nostalgisches, Heimeliges, Geborgenes, darüber freute sich Klein-Persephone.

Medizinisches Bad

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In dieser Badewanne nahm ich selbstständig zweimal die Woche ein Bad mit Formica-Essenz. Ich musste also nicht auf mein geliebtes Baden verzichten.
Weitere selbstständig durchzuführende Maßnahmen waren:

* morgendliches Trockenbürsten und Einreiben mit Rosmarinöl
* abendliches Einreiben mit einem anderen Öl, welches habe ich vergessen
* Trinken eines medizinischen Bittertees
* jeden Nachmittag zur Mittagsruhe Leberwickel mit Oxalissalbe

Als mein linkes Daumengelenk bei Belastung schmerzte, musste ich mir einen Kohlwickel machen. Dazu wurde Wirsing mit einem Nudelholz gewalzt, um die Zellen aufzubrechen und das Zellwasser austreten zu lassen, Wirsingblätter um das Gelenk wickeln, Leinenlappen drum und zum Abschluss einen Netzhandschuh, um alles zusammen zu halten. Das alte Hausmittel wirkte tatsächlich!

Persephones Brunnen

Da der Brunnen ein Tor zur Unterwelt ist und eine besondere Rolle in meinem Erstlingsroman spielt, habe ich den Brunnen im Klinikgarten von allen Seiten fotografiert und ausprobiert wie es wäre, dort hinein zu fallen. Ergebniss: Sinarias Brunnen muss einen größeren Durchmesser haben, sonst stößt sie sich den Kopf am gegenüberliegenden Brunnenrand.

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Alles andere
Ich habe noch mehr Bilder gemacht, aber wie auch immer, sie sind verschwunden.

Es gab eine Bibliothek, aus der ich mich reichlich mit Büchern versorgte.

Auf Einladung meiner Tischgenossin Ulli ging ich eines Abends mit in den Plastizierraum und versuchte mich am Modellieren mit Ton. Zunächst wußte ich nicht, was ich überhaupt gestalten sollte, doch dann kam mir die Idee: es musste natürlich eine altsteinzeitliche Venus sein, inspiriert von der Venus von Willendorf. Passenderweise hatte ich ein GEO-Heft mit einer DIN A 4 großen Abbildung meines Idols dabei. Seltsamerweise rief die Venusabbildung im Kreis der Künstlerinnen allgemeine Bewunderung hervor, das läßt hoffen.
Zunächst brachte ich gar nichts zu stande, aber dann, getragen von einer beispiellosen, mediatativen Atmosphäre, wir saßen alle schweigend und auf unsere Arbeit konzentriert im Saal, formte meiner Hände Bildekraft eine Venusstatuette.
An anderen Tagen saß ich manchmal allein im Saal und formte weitere Venus-Figurinen.

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Heileurythmie

Ich hatte Heileurythmie bei einem älteren, sehr sensiblen Herrn mit wallendem weißen Haar in Franz Liszt-Manier. Er war der Oberwelt entrückt und schwebte durch den Raum und hatte wir ich ein Herz für Vögel, denen er Meisenknödel zur Verfügung stellte. Kurzum wir verstanden uns prächtig. Merlin und Persephone.
Er hatte seinen eigenen Stil, der sich wahrscheinlich von den anderen deutlich unterschied. Ich hätte keinen anderen Therapeuten haben wollen. Für mich war er ein Titurel, der alte König der Gralsburg. Hier konnte ich ganz die sensible Dichterin sein, die sich in eine Zauberwelt zurückziehen muss, um wirken und existieren zu können.

Rhythmische Massage

Mein Masseur war auch ein Original. Anfänglich nervte er mich, weil er mich immer für meine unbestrumpften, kalten Füße tadelte. Aber im Laufe der Zeit fand ich diesen eigentümlichen, hingebungsvollen Kauz klasse.
Das Dumme an der Massage war nur, dass sie mit 30 Minuten viel zu kurz war. Anschließden gab es noch eine ebenso lange Ruhezeit.
Einmal sagte er zu mir, wenn ich mich mit meinen Gewändern durch den Speisesaal schreiten sehe, dann wirke ich wie eine Priesterin aus alter Zeit. Wow, was für ein vorteffliches Kompliment. Überhaupt ernteten meine Kleider viele Komplimente und auch mit meinem Pentagramm am Hals war ich hier wohlgelitten, denn das Pentagramm wird auch von Anthroposophen gerne genutz. Überall im Haus fand sich das Pentagon wieder, welches das Zentrum eines Pentagramms bildet.

Externsteine

Frank besuchte mich am Sonntag, 03.Februar, wir unternahmen einen Ausflug zu den Externsteinen. Es war schon seltsam nach fast zwei Wochen Klinik wieder in die Außenwelt zu kommen. Zum Glück waren die Fußgängerzonen in der Stadt leer, wo wir zum Essen bei einem Italiener einkehren. Und die Externsteine sind ein Kraftort, an dem die Oberwelt nur in begrenztem Umfang wirklich ist, so war der Kulturschock begrenzt. Dennoch war ich froh, als ich wieder in den Schutz der Klinik einkehrte. Frank hatte die von mir bestellten bösen Substanzen mitgebracht: Cola light, Chips etc., denn nur von Bittertee und Dinkelgrütze kann ich nicht leben.

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Madame Hohepriesterin krabbelt über das sakrale Gestein ;-)

Nun denn, die Kurzfassung ist lange genug geworden, es gäbe noch viel mehr zu berichten, aber das spare ich mir und nicht jeder Zwischenfall möchte aus meiner Intimsphäre ausbrechen und im Blog veröffentlicht werden.

Der Beitrag wurde am Dienstag 15. April 2008 um 14:34 veröffentlicht und wurde unter Oberwelt-Abenteuer abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

2 Kommentare

  • TrieneTriene sagt:

    Hallo Persephone, gerade heute habe ich siw IInfo bekommen, das meien Reha in der Klinik Schloss Hamborn ist. Da kam Dein Blog gerade richtig. Danke fürden netten Bericht, der läßt mich ja hoffen.

    Gruß Triene

  • PersephonePersephone sagt:

    Hallo Triene,

    ich wünsche Dir eine schöne Zeit in Hamborn. Man lebt dort in einem ruhigen, natürlichen Rhythmus, der sehr wohltuend ist. Wir waren dort alle sehr zufrieden. Es wird Dir bestimmt gefallen. Jeder wird mit seinem authentischen Wesen akzeptiert, es wird kein Druck ausgeübt.
    Also viel Freude Dir in Hamborn.

    Gruß Persephone

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