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Vergilbte Mathematiker

26. Dezember 2005

Am 20. Dezember machte ich mich auf den Weg zu einem seltenen Ereignis: ein Vorstellungsgespräch!
Die Sonne war noch nicht aufgestanden, als ich mir an diesem finsteren Wintermorgen gegen 08:00 den Weg zum Hauptgebäude der hießigen Unviersität bahnte. Das sogenannte Welfenschlößchen kann es äußerlich mit den traditionsreichen College-Bauten in Cambridge aufnehmen, doch die schöne Verpackung täuschte, innerlich erwies sich der Bau funktional, kalt und und modern.
Zwei Stockwerke musste ich meine Körpermasse hinauf wuchten, bis ich japsend den sterilen, leblosen, ästhetikfreien Trakt des Mathematischen Insititutes betrat. Um eine Stelle als Verwaltungsangestellte hatte ich mich hier beworben und war überrascht, dass ich es bis zu einem Vorstellungsgespräch geschafft hatte.

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Aufgeregt bin ich bei solchen Gesprächen schon lange nicht mehr, doch hatte ich eine Ahnung, dass es bei den Mathematikern kein nettes Geplauder sondern eher ein Tribunal werden würde. So sassen mir denn auch 4 Personen gegenüber, die mich kritisch beäugten: eine Mathematikprofessorin, zwei Matheprofessoren und eine Dame vom Personalrat. Wortführerin war die Frau Professorin, die trotz offensichtlicher männlicher Gehirnstruktur (sonst wäre sie ja nicht Mathematikerin) doch über weibliche Kommunikationsstärke verfügte, während ihre beiden männlichen Kollegen einen Eindruck machten, den ich am besten als vergilbt bezeichnen möchte: gelbe Zähne, fahle Haut, keine Ausstrahlung, so als wäre die Lebenskraft schon aus ihren Leibern entwichen.
Es begann wie üblich mit dem Runterleiern des Lebenslaufes auf meiner Seite und einigen Worten zur Arbeitsstelle auf der anderen Seite. Doch dann legten die Herrschaften los: “Sie haben sich sicher schon das Programm LaTex im Internet angesehen”?
Gemeint ist ein spezielles Programm zum Schreiben mathematischer Formeln. “Nein habe ich nicht”, war meine einfache, ehrliche Antwort. Was für ein ungezogenes Mädchen ich aber auch bin. :mrgreen: Einer der vergilbten Herren schob mir eine Integralformel unter die Nase: “Können sie sich vorstellen, so was zu schreiben”? Na klar, warum auch nicht, was für eine blöde Frage. Dieses mathematisches Schreibprogramm sollte mir Steuerungsbefehlen zu bedienen sein, kein Problem, besonders dann nicht, wenn man HTML programmieren kann.
“Wie würden sie eine Inventur machen”, war die nächste, spannende Frage der vergilbten Mathematiker. Mon dieu, ja wie macht man das denn, vielleicht mit einer Liste in Excel oder Access? Oder vielleicht hat die Uni auch ein eigenes System, kann ja nicht so schwer sein.
Dann kam es richtig krass: Zur Überprüfung meiner Englischkenntnisse wollte Mme Mathematikerin das Gespräch auf Englisch weiterführen. Nun bin ich bekanntlich durchaus in der Lage, mich sowohl schriftlich als auch mündlich auf Englisch zu verständigen, wenn auch weit entfernt von Perfektion. Doch unter dem Umstand nur englisch sprechen zu sollen, um meine Kenntnisse kritisch zu überprüfen, brachte ich kaum ein Wort hervor. Vor allem ist es ziemlich affig, ad hoc sagen zu müssen, welchen Text ich in einer englischsprachigen e-mail schreiben würde.
Schließlich sollte ich noch vor versammelter Mannschaft ein Absageschreiben für meine Mitbewerinnen in Word schreiben. Auf die Schnelle fiel auch Mme Schriftstellerin kein origeneller Text ein.
Und hier komme ich zu dem Problem, auf welches ich mit diesem Blogeintrag hinweisen will: Es gibt auf der einen Seite Selbstdarsteller, zumeist extravertierte Personen, die schlagfertig sind, schnell reagieren und unter Beobachtung zur Höchstform auflaufen. Auf der anderen Seite befinden sich die Nicht-Selbstdarsteller, die introvertierten Menschen mit einem gründlichen, komplizierten, empfindsamen und dadurch langsam arbeitenden Nervensystem, die auf die Schnelle und unter Beobachtung gar nichts zu Stande bringen, die jedoch unter realen Arbeitsbedingungen den Selbstdarstellern mindestens ebenbürtig, oft sogar überlegen sind. Die Hürde eines Vorstellungsgespräches zu nehmen ist für Nicht-Selbstdarsteller natürlich ungleich schwieriger und in einer auf Selbstdarstellung ausgerichteten Gesellschaft sind wir Intros von Natur aus benachteiligt.
Sicher gibt es auch Vorstellungsgespräche, in denen das gegenseitige Beschnuppern im Vordergrund steht. Doch dieser Abfrage- und Teststil scheint immer weiter um sich zu greifen.

Zum guter letzt quoll dem vergilbten Mathematikprof Nr. 2 eine Frage aus dem Mund, die ihm wahrscheinlich schon seit meinem ersten Erblicken auf der Zunge angeschwollen war: “Ihr Pentagramm, ist das für sie nur Schmuck oder hat das was zu bedeuten”? Offenbar stellte ein Pentagrammanhänger für ihn eine Irritation dar und damit dürfte meine gesamte Person eine einzige Irritation für ihn gewesen sein. :twisted:Hätte ich ein artiges Kreuzlein um den Hals geschlungen, hätte der Herr mich kaum darauf angesprochen.

Ein Job an der Uni klingt gut, doch süßliche Klänge sind noch keine Garantie für einen angenehmen Arbeitsplatz. Ich hätte als Institutstipps keine Kollegen, die mit mir auf einer Stufe stehen, dafür aber gleich DREI Chefs. Man kann sich denken, wie das laufen würde. Jeder will was, am besten vorgestern. Ein Chef ist ja schon schlimm genug, aber wie ist es erst mit Dreien, die all an einem zerren? Ich konnte Mathelehrer noch nie leiden, da ein Matheprof ein potenzierter Mathelehrer ist, wundert es nicht, wenn die Chemie hier nicht stimmte.

So habe ich wieder ein Oberweltabenteuer mehr auf meiner Liste – mehr nicht.

Der Beitrag wurde am Montag 26. Dezember 2005 um 13:28 veröffentlicht und wurde unter Oberwelt-Abenteuer abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

7 Kommentare

  • ToulexisToulexis sagt:

    Vergilbt oder nicht, sogar bis in den Elfenbeinturm hat sich die Methode herumgesprochen, Bewerber(innen) unter Stress zu setzen, um herauszufinden, welche der Lobpreisungen in den eingereichten Bewerbungsunterlagen wenigstens einigermaßen zutreffen. Bei der Gelegenheit testet man gleichzeitig, wie die Kandidaten auf Stresssituationen reagieren, die im beruflichen Alltag ja durchaus vorkommen. Ob man dadurch die am besten geeigneten Personen für die zu besetzende Stelle findet, ist eine ganz andere Frage.

    Da solche Situationen sich auch in Bewerbungsgesprächen ereignen können, wo ansonsten die Chemie stimmt, wäre vielleicht ein Bewerbungstraining für Dich sinnvoll, in dem der Umgang mit derartigen “Standardsituationen” geübt wird. Bietet die Bundesagentur bzw. das Jobcenter nicht sogar die Kostenübernahme für solche Trainings an?

    Liebe Grüße

    Toulexis

  • PersephonePersephone sagt:

    @Toulexis: Es geht ja gar nicht so sehr um Stress im Sinne von Aufregung, sondern es geht um meine lange Leitung, ad hoc fällt mir grundsätzlich nichts ein, ich bin nicht schlagfertig, sondern jeder Input muss erst durch meine interne Analyse gehen, bevor was Sinnvolles dabei herauskommt. Das ist eine neurologische Eigenart (Introversion+ Highly Sensitive Person), die kein Bewerbungstraining der Welt verändern kann.
    Ja klar bieten das Arbeitsamt Bewerbungstraining an, aber so eine Ober-Muggle-Veranstaltung fehlte mir gerade noch und hätte zum Ergebnis, dass ich mich vollends verkrampfen würde und jede Vorstellung zum Alptaum werden würden – und mein Leben ist schon alptraumreich genug. :sad:
    Dieses ganze Berufs- und Bewerbungsgetue kotz mich an, ich bin einfach nur lebensmüde, so müde von den Einzelkämpfen, so müde ….:shock:

  • ToulexisToulexis sagt:

    Natürlich kann ein Bewerbungstraining aus einer introvertierten Hochsensitiven keine extrovertierte Draufgängerin machen. Ein gutes Training sollte aber wenigstens etwas Hilfestellung geben können, um mit Situationen wie den von Dir geschilderten umgehen zu können, trotz oder eben speziell mit “langer Leitung”.

    Das Hauptproblem scheint mir aber ein ganz anderes zu sein, denn es scheint, als ob Du die angebotenen Jobs eigentlich gar nicht willst. In Deinem Beitrag ERWERBSARBEIT VERSUS BERUFUNG schreibst Du ja unmissverständlich: ” Ich identifiziere mich nicht mit dem Dasein als Bürokraft und möchte nicht zu dieser Gruppe gehören, weil mein authentisches SEIN ein anderes ist und viel Leid aus dem Zwang zu einer unauthentischen Existenz erwächst.” Das bleibt Deinen Gesprächspartnern im Bewerbungsgespräch sicherlich nicht nicht verborgen. Ja verdammt nochmal, dann werde doch endlich Schriftstellerin. Da kannst Du auch Deine Kenntnisse und Fähigkeiten als Biologin, Lehrerin, Seelenführerin und Kostümschneiderin einsezen. Das Zeug dazu hast Du! Eine Passage wie diese könnte ohne weiteres einen Roman oder eine Kurzgeschichte eröffnen, in der die Heldin, nennen wir sie Siphonia, ihrem Leben eine neue Wendung gibt:

    “Am 20. Dezember machte sich Siphonia auf den Weg zu einem seltenen Ereignis: einem Vorstellungsgespräch! Die Sonne war noch nicht aufgestanden, als sie sich an diesem finsteren Wintermorgen gegen 08:00 den Weg zum Hauptgebäude der Unviersität bahnte. Das sogenannte Welfenschlößchen konnte es äußerlich mit den traditionsreichen College-Bauten in Cambridge aufnehmen, doch die schöne Verpackung täuschte, innerlich erwies sich der Bau funktional, kalt und und modern. Zwei Stockwerke musste sie ihre Körpermasse hinauf wuchten, bis sie japsend den sterilen, leblosen, ästhetikfreien Trakt des Mathematischen Insititutes betrat. Um eine Stelle als Verwaltungsangestellte hatte sie sich hier beworben und war überrascht, dass sie es bis zu einem Vorstellungsgespräch geschafft hatte.”

    Die vergilbten Methematiker (herrlich!) geben der Dame den Rest, so dass die Story ihren Lauf nimmt… Wann werden wir sie endlich zu lesen bekommen? Wenn Du mit der Schriftstellerei auch nur 1 Promille von dem verdienst, was eine Mrs. Rowling verdient hat, kann Dir die Muggle-Welt doch den Buckel runterrutschen.

    Ja ich weiß, da ist noch ein klitzekleines Hindernis (”lebensmüde, so müde von den Einzelkämpfen, so müde…”). Deshalb wünsche ich mir und allen Leseratten der Welt ganz uneigennützig ;) für das neue Jahr, dass die Götter Persephone mit Energie und Lebensfreude ausstatten, auf dass ihre Fähigkeiten und Talente nicht länger unentdeckt und ungenutzt in den dunklen Verliesen des Hades verkümmern. Happy new year!

  • PersephonePersephone sagt:

    Aye Aye Sir,

    zwei Kapitel Sinaria-Roman sind so eben durch den Äther an Herrn Lektor unterwegs. Ich danke Dir sehr für Deinen Tritt in den Hintern :lol:

    Ja Du hast Recht, ich will diese Jobs gar nicht wirklich. Diese ganzen Bewerbungen haben nur Alibifunktion fürs Arbeitsamt und sind eine Beugung vor den materiellen Zwängen – doch es versetzt mich fast in Panik, wenn mir einer einen Job anbieten will.

    Ja ein Promille von Mme Rowlings Einkünften wären mehr als genug, geht mir auch gar nicht um Ruhm, nur um ein bescheidenes Einkommen, damit mir die Muggleworld endlich am Arsch vorbei gehen kann :mrgreen:

    ICH SCHAFFE ES :!:
    I couldn´t do it without you, thank you so much :oops:

  • WolfWolf sagt:

    Nachdem mich hier mal wieder ein Posting zu Bewerbungsunfug amüsiert hat (danke Persephone, ich könnte jedesmal wild drauflosgackern wenn du beginnst zu schreiben … ^^), ein wenig Senf von meiner Seite dazu:

    Ich gehöre zu der Abart dieser Spezies Mensch, die sogar manchmal die so oft angeratenen Bewerbungstrainings erteilt.

    Es gibt Techniken, es gibt Hinweise, es gibt Beispiele, Ratschläge und all dergleichen. Unterm Strich muss ich ganz ehrlich bekennen: All das hilft auch nur dem Typus Mensch, der lediglich eine Initialzündung brauchte, um sein Repertoire an Bewerbungsfähigkeiten nach außen zu bringen.

    90% aller Trainierten wären schlichtweg besser damit aufgehoben, bescheuerten Job-Interviews, die stressen und verunsichern sollen, einfach die kalte Schulter und den MIttelfinger zu zeigen und sich einigermaßen ruhig so zu geben, wie sie sind.

    Deswegen: Zwei Daumen hoch für dich, liebe Persephone.

    Ich wäre ja gerne dabeigewesen ^^ besonders Teampakete solcher Interviewstresser sind herrlich durch eine gewisse Eigenautorität (Ausstrahlung, Auftreten, Selbstsein, whatever) aus der Ruhe zu bringen. (Pentagramm LOL LOL LOL ich sehe vor mir förmlich die nervös zuckenden Augenbrauen des Vergilbten)

    Anhängsel: Gerade bei Interviewleitern, die ansonsten eine völlig andere Arbeit verrichten, tritt meistens einfach das geile Machtgefühl zu Tage, jetzt mal über das Schicksal eines anderen richten und ihm eins mit der verbalen Bratpfanne überziehen zu können. (ich denke hier an Mme Professorin.)
    Gute Bewerbungsgesprächsdingensbumensleute (neudeutsch meist “social resources manager”) sind in aller Regel nett, leise und ehrlich freundlich.
    Und ähnlich selten wie ein Schneemann in der Wüste. ;)

  • PersephonePersephone sagt:

    @Wolf: oh Monsieur Wolf, ich freue mich sehr, wieder von Dir zu lesen, erheitern mich Deine Zeilen doch ebenso, wie Dich die meinigen erheitern.
    Ich finde es sehr bewundernswert, dass Du als non-Konformist dennoch bei Bedarf die Waffen der Oberwelt einzusetzen weißt und den Oberweltlern sogar Kurse darin geben kannst – welche Ironie :mrgreen:
    Gespräche mit professionellen Human resources Leuten sind erfahrungsgemäß tatsächlich angenehmer als mit Leuten, die eigentlich nicht vom Personalfach sind und sich durch das Stellen dämlicher Fragen ganz besonders schlau vorkommen.

  • RavenRaven sagt:

    Ein Hinweis vom Hacker ;) :
    Du kannst jetzt in der Admin-Oberfläche wieder die alte Adresse
    http://persephone.schattendings.de/
    eingeben (bei Optionen -> Allgemein und -> Email Notification). Die Domäne schattendings.de wurde soeben umkonnektiert. Ging schneller, als ich dachte. :razz:

    (Und BTW, nachdem ich gerade stundenlang das Internet nach Beihilfe-Informationen abgeklappert habe, habe ich mich wieder etwas beruhigt. Vielleicht muss ich mich finanziell vielleicht doch nicht völlig ruinieren.)

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