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Besuch in Düsseldorf

20. August 2007

Vom 15.08. bis 18.08.2007 besuchte ich Raven in Düsseldorf.
Eigentlich war ja mal alles ganz anders geplant: Raven wollte mich im Juni in Hannover besuchen, um meinen Geburtstag nachzufeiern. Doch statt Kinobesuch, Essengehen und Cocktailschlürfen musste sie mich nach meiner Krebs-OP im Krankenhaus besuchen, wo sie auf eine leidende, kaum laufen könnende Persephone traff. Ich bin ihr für den Besuch sehr dankbar, denn ihre moralische Unterstützung hatte ich damals bitter nötig. Die Musik, die hören konnte, weil sie mir Ihren mp3-Player leihweise überließ, wirkte Wunder. In der Nacht zwischen ihren beiden Besuchstagen begann mein Darm wieder zu arbeiten und nach über einer Woche Nahrungsabstinenz durfte ich endlich wieder einen Erdbeerjoghurt essen.
Nachdem der Juni-Besuch unter unschönen Bedingungen stattfand, wollten wir im Juli gemeinsam in die Harry Potter Filmpremiere gehen, doch auch dieser Plan viel einem Krankenhausaufenthalt zum Opfer. Schließlich wollte sie mich Ende Juli besuchen, doch leider bekam sie für ihre Katze keinen Platz mehr im Pföchtenhotel. Urlaubszeit.
Im August fühlte ich mich endlich wieder fit genug, um den Spieß einfach umzudrehen. Mein Besichtigungsbesuch in Ravens neuer Wohnung stand sowieso noch aus und so machte ich mich auf den Weg nach Düsseldorf, sobald ich mich von der zytostatischen Giftspülung meines Körpers erholt hatte.

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Die Ankündigung meines Besuches erfolgte daher ziemlich kurzfristig. Raven musste natürlich noch Urlaub beantragen, aber da das bisher bei ihrem Arbeitgeber immer unkompliziert war, hatte ich wenig Bedenken, dass sie keinen Urlaub bekommen könnte. Noch bevor die Urlaubsgenehmigung vorlag, buchte ich meine Fahrkarte, weil ich später den unschlagbar günstigen Sonderpreis von 58€ nicht mehr bekommen hätte.
Meine Mutter lieh mir ihren neuen Rollenkoffer, der sich auch für einen von Krankheit geschwächten Menschen wie mich bequem transportieren ließ.

Mittwoch 15.08.2007

Am Mittwoch Morgen fuhr mich meine Mutter zum kleinen Bahnhof in Mörfelden. Die S7 brachte mich in 20 Minuten zum Frankfurter Hauptbahnhof. Da ich noch Zeit bis zur Abfahrt nach Düsseldorf hatte, besorgte ich mir zwei Laugenbrezeln als Wegzehrung und suchte in einer riesigen Zeitschriftenhandlung nach Lesefutter. Meine Wahl viel auf die Zeitschrift “Mamma MIA! – Das Brustkebsmagazin”. Von allen Krebspatienten haben Brustkrebspatientinnen die stärkste Lobby. Für sie gibt es ein eigenes Magazin, das nicht nur über onkologische Praxen oder Selbsthilfegruppen zu beziehen ist. Sie haben eigene multidisziplinäre Brustzentren, spezielle Brust-Krankenschwestern, Kongresse und sonstige Veranstaltungen und so weiter und so fort. Als nichtBrust-Krebspatientin fühle ich mich da schnell als Patient zweiter Klasse. Ich habe mir das Magazin dennoch gekauft, weil ich dachte, dass sicher viele Artikel auch für mich interessant sein könnten. Einerseits ist dies auch der Fall, andererseits unterscheidet sich Brustkrebs doch erheblich von meinem Eierstockkrebs.
Was mir nach der Lektüre von “Mamma MIA!” und einigen anderen Krebsmagazinen aufgefallen ist: das Thema Sterben und Tod wird so gut wie nicht thematisiert. Da gibt es Berichte über Schminkkurse, Ernährungstips, Wellness-Urlaube, neue Therapiemöglichkeiten und geglückte Reha-Maßnahmen, alles ist gut, rosarot, lebendig und positiv. Das ist alles schön und gut, aber wo bleibt die andere Seite? Wo bleiben die über 200.000 Menschen, die in Deutschland pro Jahr an Krebs sterben? Warum kommen keine Angehörigen zu Wort, die einen geliebten Menschen an den Krebs verloren haben? Warum wird nicht über Hospize oder das Sterben zu Hause berichtet? Warum werden keine Sterbenden interviewt? Will man den armen krebsdiagnostizierten Leser schonen und ihn nicht mit der Möglichkeit des baldigen Ablebens konforntieren? Dass die Onkologen mit ihren Patienten nicht über so etwas unangenehmes und im Gesellschaftskollektiv verdrängtes Thema wie den Tod sprechen möchten, kann ich ja noch verstehen, aber warum nicht darüber schreiben? Krebs ist zwar nicht mehr zwangsläufig ein Todesurteil, aber es werden eben nicht alle überleben und sich nach einer Krebsdiagnose nicht mit dem Sterben auseinanderzusetzen ist reichlich naiv.
Da bleibt mir als Abgesandte der Totengöttin Persephone nur der Trost: am Ende kommen sie alle in die Unterwelt.

Wie üblich hatte der Zug nach Düsseldorf einige Minuten Verspätung. Für einen Mittwoch war der Zug erschreckend voll und ich hatte Mühe, mich durch den engen Gang zu meinem reservierten Platz vorzukämpfen. Wie immer hatte ich einen Gangplatz reserviert, denn ich hasse es eingequetscht am Fenster mit einem durch einen fremden Menschenleib versperrten Fluchtweg zu sitzen. Ich futterte meine Brezeln und blätterte im Brustkrebsmagazin. So ging die dank neuer Schnell-Strecke mit 300km/h genommene Fahrt schnell vorbei. Raven erwartete mich am Düsseldorfer Hauptbahnhof und nahm sich meines Koffers an. Ich musste mir am Automaten ein Ticket für die Straßenbahn ziehen und wurde prompt von einem nervenden Schnorrer angequatscht als ich dabei war meine Geldbörse zu zücken. In der Regel pflege ich solche unerwünschten Subjekte zu ignorieren. Doch der Sack ging erst weg, nachdem ich ihn angeschnauzt hatte. Bäh wie ich es hasse, wenn man meine Kreise stört und mich nicht in Ruhe lässt.
Wir tuckerten mit der Straßenbahn bis zur Ickerswerder Straße im Stadtteil Wersten. Von hier aus läuft Raven meistens einen Kilometer zu Fuß nach Hause. Da mein aktionsradius wegen meiner Krankheit begrenzt ist, nahmen wir den Bus, denn von der Bushaltestelle waren es nur wenige Schritte zu Ravens Wohnhaus. Das Universum meinte es gut mit uns, zu jeder Tageszeit leitete uns mein Schutzengel mit perfektem timing zur Bushaltestelle, so dass wir nie länger als wenige Minuten auf den Bus warten mussten.
Ravens Wohnung liegt ziemlich abgeschieden in einer hübschen Wohngegend mit viel Grün. Hier würde es mir auch gefallen. Das Domizil befindet sich im zweiten (obersten) Stockwerk eines weiß gekachelten Hauses. Bis in den zweiten Stock schaffe ich es gut, zumal mir Raven die Schlepperei des Koffers abnahm.

Die neue Wohnung gefällt mir sehr gut. Die Küche ist relativ groß und wunderschön eingerichtet mit einer bordeauxroten Einbauküche und schwarz mamorierter Arbeitsplatte. In der Küche befindet sich der Zugang zum Balkon mit Blick auf einen blühenden Garten. Das Wohnzimmer ist geschmackvoll eingerichtet mit Essecke unter einem kunstvoll gerafften Opernvorhang zur Zierde. Das Schlafzimmer ist sogar schöner und größer als das in Neuss. Das Bad ist zwar klein, war aber nicht so schlimm wie ich es nach Ravens Schilderungen befürchten musste. Es hat zwar kein Fenster, aber immerhin weiße Kacheln und eine Badewanne.
Beide waren wir hungrig und machten uns den obligatorischen Salat. Ungewöhnlich spontan entschlossen wir uns, noch am selben Abend zur Happy Hour in die Cocktailbar Buttershaker zu gehen. Das Ambiente und die direkte Lage neben dem Kino erinnerte mich an Mr.Q in Hannover. Wir schlürften beide wie meistens einen alkoholfreien Cocktail, weil Alkohol den süffig-süßen Geschmack eines Cocktails eher zu Nichte macht und sich Alkohol weder mit meinem Opioid noch mit Ravens Novalgin verträgt. So nuckelte ich an einem Coconut Kiss und Raven an einem Strawberry Kiss. Anschließend gingen wir ins benachbarte Kino und sahen den Film “Fantastic Four – Rise of the Silver Surfer”. Vorher versorgten wir uns mit köstlich würzgen Nachos nebst Käsesoße. Ich war glücklich. Wie schön ist es doch mit einer solchen Leckerei und einem lieben Menschen an der Seite ins Kino zu gehen und in eine andere Welt abzutauchen. Der Film bot gute Unterhaltung und hat mir sehr gut gefallen, auch wenn die tussige Jessica Alba als Sue Storm nervte. Dagegen war die melancholisch-tragische Figur des Silversurfer sehr sympathisch, der sich am Ende nicht als der Böse sondern als der Gute entpuppte.
Diffuse, dumpfe Bauchschmerzen wirkten die ganze Zeit als mein Memento mori und erinnerten mich an die Metastasen, die sich in meinem Bauchfell festgefressen haben. Glücklicherweise ließen diese Schmerzen die folgenden Tage nach.
Mein Schlaflager schlug ich wie immer auf dem silbernen, aufklappbaren Sofa in Ravens Wohnzimmer auf.

Ravens Katze Minx ist ein Phänomen: Scheu aber neugierig, schreckhaft aber durchsetzungsfähig. Sie war unablässig dabei, mich zu beobachten, fand kaum mehr Zeit zum Schlafen, essen oder putzen, weil sie mich genau im Blick halten musste. Früher war sie mir mit meinen wallenden Gewändern hinterher gelaufen und fauchend in die Hacken gefallen. Diesmal attackierte sie mich nur einmal in der ersten Nacht. Später kam sie sogar zu dem Schluß, dass sie mich leiden mag und machte es sich zwischen meinen Beinen auf dem Sofa gemütlich. Anfassen durfte ich sie trotzdem nicht. Sobald ich eine Hand nach ihr ausstreckte, hüpfte sie weg. Einmal haute sie mit ihrer Pfote nach mir, weil ich sie frecherweise am Schwanz gepackt hatte.
Die arme Raven musste auf Minx als Bettgenossen verzichten, weil die Katzendame mir nicht von der Seite wich.

Donnerstag 16.08.2007

Nach einem üppigen Frühstück mit Brötchen und diversen Käsesorten, machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt zur Schickimicki-Meile Königsallee. Hier gab es nämlich in einem Einkaufszentrum einen Saturn, wo Raven Tintenpatronen für den Drucker und ich einen Discman kaufen wollte. Seit dem ich wegen der Chemotherapie vorübergehend bei meinen Eltern wohne, hatte ich keine Gelegenheit zum Musikhören, weil mein PC im Wohnzimmer steht, in dem meine Mutter TV sieht. Zudem fände ich es angenehm, während eines langen Chemotherapietages die Zeit mit Musikhören zu vertreiben. Ich entschied mich für einen Discman und gegen einen mp3-Player, weil ich sowieso wenig mp3s auf meinem PC vorrätig habe und ich die CDs erst in mp3s konvertierten müsste, dann höre ich doch lieber gleich die CDs. Leider haben CD-Player den Nachteil, dass sie manche CDs nicht abspielen wollen oder herumspringen.
Als neues Hörvergnügen kaufte ich einen Mitschnitt des Jubileumkonzertes der Gothic-Band Deine Lakaien, die ihr 20jähriges Bestehen mit einem symphonischen Neuarrangement ihrer Hits feierten. Das Konzert hatte mich im Februar in Hannover begeistert und ich hatte mir fest vorgenommen, die entsprechende CD zu kaufen. Desweiteren erwarb ich noch eine preisgünstige CD der Gruppe E Nomine.
Auf dem Weg in das Einkaufszentrum hatten wir mehrere Eisdielen passiert, doch es war klar, dass die Wahl auf das Eiscafe im Center viel, da es den Namen “Leonardo” trug. Nomen est Omen.
Raven gönnte sich einen Schokoladenbecher mit großen Blocken Toblerone. Ich wählte einen Haselnussbecher, war allerdings enttäuscht, da die Haselnüsse seltsam hell aussahen und fade schmeckten, da man das haselnussbraune Häutchen entfernt hatte, welches den Nüssen ihren besonderen Geschmack verleiht.
Anschließend lustwandelten wir in der Altstadt. In einer Joker-Buchhandlung, die nur Bücher vertreibt, die nicht mehr der Preisbindung unterliegen und daher besonders günstig sind, kaufte ich das Buch “Die Glückslüge” von Michael Mary. Ein Buch für alle, die sich schon immer von den bescheuerten Omnipotenz-Phantastereien der Tschaka-Coaches genervt fühlten. Vielleicht werde ich noch einen Blogeintrag dazu schreiben.
Auf dem Weg zum Rheinufer kehrten wir in einen Lush-Shop ein. Lush vertreibt vegane, tierversuchfreie Kosmetik und Körperpflegeprodukte der besonderen Art, die nicht nur ethisch korrekt sind sondern beim Baden auch besonderes Vergnügen bereiten. Raven hatte mir eine Sammlung von Badekugeln zum Geburtstag geschenkt. Die Produkte aus natürlichen Ingredenzien haben natürlich ihren Preis. Für eine Badekugel zahlt man ungefähr vier bis fünf Euro, aber etwas Luxus möchte sich die Venus in mir schon gönnen. Da ich bereits zu viel Geld im Saturn ausgegeben hatte, musste ich mir das Shopping bei Lush leider verkneifen, aber Raven kaufte sich einige Dinge.
Nach dem langen Stadtbummel war ich froh, als wir uns am Rheinufer auf eine Bank setzten und ein wenig ausruhten.

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Danach gondelten wir zurück in Ravens Stadtteil Wersten und dinierten in der gemütlichen und geräumigen Kneipe Schalander. Die Speisekarte bot auch Vegetarier eine reichliche Auswahl, so dass wir ganz ungewohnt die Qual der Wahl hatten. Raven entschied sich für einen dicken, riesigen Pfannkuchen mit Spinat, Zwiebeln und Schafskäse, während ich mich an einer mit Spinat und Käse gefüllten Ofenkartoffel in Salatgarnitur labte. Besonders das Joghurtdressing schmeckte sehr lecker. Raven machte mich darauf aufmerksam, dass zwei hinter uns sitzende Tussen mich anglotzen und über mich tuschelten. Ich habe für dererlei einen Filter eingebaut, so dass mir die Aufmerksamkeit, die meine bescheidene Erscheinung auf der Weltenbühne erregt, kaum auffällt. Doch Ravens Filter geht in die entgegengesetzte Richtung, so dass sie unhöfliches Geglotze besonders empfindsam registriert. Passenderweise habe ich mir beim Gothic-Shop X-tra-Fashion einen Button mit der Aufschrift Glotz mich nicht an bestellt.

Besonders Raven war nach unserem Stadtausflug müde, da sie die letzten Nächte wenig geschlafen hatte. Gewohnt alleine in ihrer Wohnung zu schlafen, schlief sie bei meiner Anwesenheit sehr unruhig, da ich seit meiner Krankheit nachts alle zwei Stunden aufwache und auf Toilette muss. Ich schlafe dann sofort wieder ein, aber die arme Raven wälzte sich schlaflos hin und her und ist so häufiges Erwachen nicht gewohnt.
Ich konnte auch etwas Ruhe gebrauchen und so legten wir uns für ein Stündchen aufs Ohr.
Das Abendessen im Schalander war zwar so reichlich gewesen, dass ich ein paar Brocken auf dem Teller hatte liegen lassen, dennoch hatte ich nun schon wieder Hunger oder vielmehr Appetit auf Kartoffelchips und so verputzen wir gemeinsam fast zwei 175g Tüten und schauten dabei das Video der FedCon 2006. Trotz ihrer tollen Kostüme war Raven bei den Con-Impressionen leider nie zu sehen. Es wurde immer die selbe Gruppe von Fans in den immer gleichen Kostümen gezeigt. Wirklich schade. Darunter war auch ein Fan, die als Centauri-Frau herumwandelte. Wäre demnächste eine Con würde ich ausnahmsweise hingehen und ebenfalls als Centauri-Frau auftreten, denn allen anderen hätte ich voraus, dass meine Glatze echt ist. Hierzu muss man wissen, dass Centauri-Frauen (aus der Serie Babylon 5) immer eine Glatze haben und dazu wunderschöne, barocke Kleider tragen.
Wir taten es wieder, wie fast immer, wenn wir uns treffen: wir legten Tarotkarten. Mittlerweile sehe ich das nur noch als nette Spielerei und nehme es nicht mehr sonderlich ernst. Entweder passen die Karten so wenig zur Frage, dass man nichts damit anfangen kann, geben falsch-positive Aussagen oder bestätigen die pessimistische Sicht der Dinge. Aber es ist eben eine nette Abendunterhaltung.
Zu fortgeschrittener Stunde huschten wir ins Bettchen.

Freitag, 17.08.2007

Nach dem gemütlichen Frühstück fröhnten wir unserem Narzissmus mit einer Photo-Session. Raven wollte Bilder von ihrem neuen, wunderschönen Gothickleid und von ihren beiden Varianten eines Death-eater-Kostüms haben. Ich wollte Bilder von mir mit meinem neuen Glatzen-, Turban-, und Perücken-Look haben. Mein bordeauxrotes Panneesamt-Bettlaken benutzen wir als neutralen Hintergrund und knipsten viele male den Speicher der Digicam voll. Mit dem Ergebniss sind wir sehr zufrieden.
Zum Mittagessen machte Raven Hamburger, vegetarisch natürlich. Die schmeckten zwar lecker, aber das Essen artete in eine Wutzerei aus, da Ketchup und Mayonnaise seitlich herausquollen. Die Bratlinge lagen uns beiden schwer im Magen, da sie hochkonzentrietes Vollkorngetreide enthielten.
Da ich sehr müde war, bat ich um ein Mittagsschläfchen. Zwischendurch kingelte mich mein Handy aus dem Schlaf. Der Anrufer, ein Schatten aus meiner Vergangenheit, ein ehemaliger Schneiderei-Kunde, dem ich mal eine Star Wars Grand-Admiral-Uniform genäht hatte. Ich bat ihn später wieder anzurufen, da ich zu müde sei, um ein Gespräch zu führen und sei es auch nur, ihm mitzuteilen, dass ich keine Auftragsarbeiten mehr ausführe.

Am späten Nachmittag begaben wir uns in die kleine Münster-Therme, unscheinbar mitten in der Innenstadt gelegen. Ich hatte die Münster-Therme im Internet herausgesucht und wir hatten uns für diese Alternative zum bekannteren Spaßbad Düsselstrand entschieden, da wir uns von der Münstertherme kontemplative Ruhe versprachen, während im Düsselstrand sicher quieckende Kinder, lästernde Teenie-Tussen und pöbelnde Halbstarke die Walfreuden vermiesen.
Diesmal trug Raven die gemeinsame Tasche mit den Badesachen. Vor einem Jahr am Timmendorfer Strand hatte ich das Tragen die ganzen Tage mit dem Ausspruch: “Ich trage das, du bist 30% behindert” übernommen. Ich habe zwar noch keinen Bescheid vom Versorgungsamt, aber mich erwarten laut GdB-Tabelle 80% Behinderung.
Die Münster-Therme stammt aus der guten alten Kaiserzeit, Baujahr 1902 und wartete mit nostalgischem Charme auf. Jeder Badegast bekam eine eigene Umkleidekabine zugewiesen, die sich direkt am Beckenrand befanden und niedlich verschnörkelt waren. Es gab nur ein kleines Becken, dazu ein noch kleiners Außenbecken mit Solewasser. Anfangs tummelten sich eine Menge Leute im Nichtschwimmer-Bereich, da gerade eine Wassergymnastik vorgeturnt wurde. Wir planschten derweil im Solebecken und ließen uns von Massagedüsen verwöhnen. Als es im Innenbecken leerer geworden war, schwammen wir ein paar Runden und machten uns bald wieder auf den Weg nach Hause.
Wir ließen den Abend mit einem köstlichen Abendessen bestehnd aus frisch gekochter Tomatensoße mit Champions und Frischkäse über Nudeln ausklingen.

Samstag, 18.08.2007

Da war er schon wieder, der Tag der Abreise.
Wenig erfolgreich versuchte ich meine Bluetooth-Probleme mit Hilfe von Ravens Handy zu lösen, damit ich die mit meinem Handy gemachten Photos endlich auf einen PC überspielen konnte.
Wir machten uns Gedanken über den geplanten Urlaub. Sollten wir statt an die Ostsee doch lieber in einen Centerpark fahren? Aber die sind ohne Auto schlecht zu erreichen. Und haben wir überhaupt genug Geld für einen Urlaub. Würde es uns gelingen noch so kurzfristig einen Urlaub für die zweite Septemberwoche zu organisieren? Am Ende waren wir noch ratloser als zuvor und wie es aussieht ist der Urlaub erstmal gestrichen. Da wiederholen wir lieber einen Stadturlaub in Düsseldorf.
Eigentlich hatte Raven mein Schmerzmittel Tilidin ausprobieren wollen, aber ausgerechnet jetzt plagten sie nicht stark genuge Schmerzen, was ja eigentlich erfreulich war, aber die nächste Schmerzattacke kommt bestimmt und so hätte sie wenigstens testen können, ob gegen ihre Beschwerden ein Kraut gewachsen ist. Wenigstens hat sie während meiner Anwesenheit endlich die Unterlagen (Schmerztagebuch und Fragebogen, dazu von ihr perfekt verfasste Erläuterungen) für die Schmerzklinik am Düsseldorfer Uni-Klinikum fertig gemacht und weggeschickt.
Zudem gab sie mir diverse Arztbriefe zu lesen. Es ist ja immer interessant, was die Herrschaften dort so alles hinein schreiben, nicht mit allem ist man einverstanden und bei manchen Dingen fragt man sich, wie die dort hinein gekommen sind. Ein Kuriosium ist das Machwerk ihres ersten Psychotherapeuten, der einen solchen Unsinn verzapft hat, dass er sich der Kunstfehler schuldig gemacht hat und ihm die Zulassung entzogen gehört.

Gegen 14:00 begleitete mich Raven zum Hauptbahnhof. Als Reiseproviant kaufte ich wieder zwei Laugenbrezeln und als Lesezehrung die Zeitschrift “Stern”.
Auch diesmal hatte der Zug einige Minuten Verspätung. Wenigstens fanden wir einen Sitzplatz in einem Wartehäuschen auf dem Gleis. In den U-Bahn-Stationen war mir aufgefallen, dass Sitzplätze Mangelware sind, dabei gibt es immer mehr alte und kranke Menschen für die Stehen ein Beschwernis ist. Stehen fand ich im gesunden Zustand schon schrecklich, als kranke Person erst recht.
Der Zug war zum Glück leerer als auf der Hinfahrt, ich hatte niemanden neben mir sitzen und mein reservierter Platz befand sich gleich am Anfang des Ganges. Ich futterte meine Brezeln und schmöckerte im Stern und kam so 1:40 später wohlbehalten in Frankfurt an.

Es waren schöne Tage und ich hoffe, dass wir das bald wiederholen können.

Der Beitrag wurde am Montag 20. August 2007 um 21:22 veröffentlicht und wurde unter Oberwelt-Abenteuer abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

2 Kommentare

  • RavenRaven sagt:

    Hehe, Du hast ja fast dasselbe geschrieben wie ich. Zufall oder Telepathie? :mrgreen:

    Die Stelle in Deinem Bericht gefällt mir besonders gut:
    “Ich war glücklich. Wie schön ist es doch mit einer solchen Leckerei und einem lieben Menschen an der Seite ins Kino zu gehen und in eine andere Welt abzutauchen.”
    Das freut mich für Dich und auch für mich.:smile: Ich fand die Tage auch schön und entspannend. Wenn ich so etwas öfter hätte, ginge es mir sicher insgesamt besser. Ich finde es irgendwie abstrus, dass Du teilweise mehr Elan hast als ich. In den letzten 3 Tagen hätte ich Dein Tilidin hervorragend ausprobieren können… :cry:

    Argh, ich sehe immer furchtbar aus auf den Bildern, die ich von uns selbst knipse.:shock: Wenn der Arm länger wäre, wäre es vermutlich weniger schlimm. ;-)

    Schön, dass Dir meine “neue” Wohnung gefällt. Da warst Du dann doch eher bei mir als ich es mit dem längst überfälligen Blog-Eintrag mit Fotos und Umzugsbericht geschafft habe. Das ist genauso peinlich wie die Tatsache, dass ich es bisher nicht einmal in die Badewanne geschafft habe trotz der ganzen Lush-Kostbarkeiten.:oops:

    Den Glotz-mich-nicht-an-Button kannst Du in der Tat gut gebrauchen.:twisted: Ich wünschte, ich hätte auch so einen mentalen Filter, der mich diese glotzenden Tussen (warum sind es eigentlich fast ausschließlich nur Weiber? :roll: ) nicht sehen lässt. Aber ich Soziophobie-Monk registriere selbst die kleinste Regung in der Richtung und rege mich nur unnötig über die ohnehin nicht zu ändernde Dummheit der Leute auf.

  • PersephonePersephone sagt:

    Na wenn ich zwischen Zufall und Telepathie entscheiden kann, dann wähle ich doch glatt die Telepathie :mrgreen:
    Ja sicher, wenn wir uns öfter sehen würden, ginge es uns besser, weil wir uns nicht so einsam fühlen müssten. Ich habe ja die viele Energie nicht trotz meiner Krankheit sondern gerade wegen meiner Krankheit, weil mir mein Körper endlich meine Seelenlast abnimmt. Krankheit macht frei, na ja zumindest meine Variante. Ich habe mich damit erstmal aus der Leistungsgesellschaft freikaufen können.
    Na von den selbsgeknipsten, unter Armverrenkung entstandenen Photos kann man nicht zu viel erwarten. Wenn wir extrovertierter wären, würden wir einfach einen Passanten bitten, ein Bild von uns zu machen, aber dazu sind wir wohl zu schüchtern.

    Die Tatsache, dass Deine vielen Lushkugeln sich eher in Deinem Regal auflösen als in Deiner Badewanne ist wirklich peinlich. Gönne Dir doch endlich mal ein Badeerlebnis, tue mir den Gefallen :razz:

    Der ideale Beruf für uns: Blog-Schreiber! Wie blöd, dass man mit solch schönen Dingen kein Geld verdienen kann.

    Die Weiber glotzen weile sie stutenbissig sind, eine so charismatische Erscheinung wie mich, können sie einfach nicht ertragen :twisted:

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