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Giordano Bruno – Märtyrer der Gedankenfreiheit

31. März 2008

Ich bewundere Giordano Bruno, beuge mein Haupt vor ihm in höchsten Respekt.
Es war ein aufrichtiger, spiritueller Krieger, der für seine Überzeugung lieber in den Tod ging als seinen Nacken vor tyrannischer Autorität zu beugen und seiner tief empfundenen Wahrheit abzuschwören. Den Mut gegen jeglichen Konformitätsdruck zu seiner Authentizität zu stehen und dafür Nachteile bis hin zur Verfolgung, Folter, Gefangenschaft und Tod in Kauf zu nehmen, entlockt mir Ehrfurcht und Heldenverehrung, denn nur wenige Personen der Weltgeschichte können es mit Giordano Brunos Hartnäckigkeit aufnehmen, und wenn man sich unter unseren Zeitgenossen umblickt, so braucht es nur einen mikrobischen Bruchteil des Drucks, den Giordano ausgesetzt war, um sie schön gleichgeschaltet marschieren zu lassen.

Dies ist eine kleine, subjektive Essenz von Giordanos Leben und Werk. Ich taste mich erst langsam in das Reich seiner Philosophie vor.

1548 in Nela bei Neapel geboren, begann er 1562 ein Studium der Logik und Philosophie an der Universität von Neapel und trat 1565 in den Dominikanerorden ein. Es folgte ein Studium der Theologie und 1572 die Priesterweihe.
Doch auf Grund seiner ablehnenden Haltung gegenüber Heiligen- und Marienverehrung und seiner Kritik an dem Trinititätsbegriff und der Transubstantiationslehre kommt 1576 zum Bruch mit der Klosterleitung. Zunächst flüchtet Giordano nach Rom und reist von dort aus 15 Jahre lang quer durch Europa, verdient seinen Lebensunterhalt mit Unterricht in Latein, Astronomie und Gedächtniskunst und hält Vorlesungen an Universitäten. Vor allem aber arbeitete er seine Philosophie aus und verfasst zahlreiche Schriften.

Brunos Weltanschauung bricht radikal mit dem mittelalterlichen-ptolemäischen Weltbild. Er geht viel weiter als die revolutionäre Heliozentrik des Nikolaus Kopernikus, welche als Hypothese von der katholischen Kirche eine Zeit lang wohl gelitten war.
Das mitterlalterliche Sphärenmodell des Kosmos zeichnet sich durch seine straffe hierarchische Ordnung und seine Endlichkeit aus. Die Erde im Zentrum wird auf vollkommenen Kreisen von den sieben Gestirnen umrundet, zu denen auch Sonne und Mond gerechnet werden. Am äußeren Rand des Universums schließt sich die ebenso konzentrische Fixsternzone an, gefolgt von dem unergründlichen und unerforschbaren Empyreum, wo Gott mit seine Engeln wohnt. Gott steht außerhalb seiner Schöpfung, blickt auf sie herab, fokussiert sein Interesse auf den Erdenmittelpunkt und besonders auf seine Krone der Schöpfung.
Während die irdische Sphäre vom Werden und Vergehen beherrscht wird, sind die Sphären des Himmelsreich ewig und unveränderlich. Alle Bewegungen der Gestirne werden nach Aristoteles von einem ersten, unbewegten Beweger verursacht, der die Schalen bewegt, an denen die Himmelskörper befestigt sind. Die mittelalterlichen Scholastiker setzten diesen Beweger mit Gott gleich.

Giordano ist das begrenzte Kugelschalenmodell entschieden zu eng. Er postuliert ein unendliches Universum und er weiß: egal welchen Standort ein Beobachter einnimmt, in einem infiniten Kosmos hat er immer den Eindruck er befände sich im Zentrum und alle Gestirne kreisten um ihn herum. In einem unendlichen Universum ist kein Platz mehr für einen außenstehenden, göttlichen Beweger. Vielmehr durchdringt das göttliche Eine in Form der Weltseele alle Körper vom kleinsten Insekt bis zu den Sternen. Mehr noch: er glaubt, dass es unzählige bewohnte Welten wie die Erde im All gibt, und er hält die Erde wie alle anderen Planeten für lebendige Organismen, die er als grandi animali bezeichnet und nimmt somit die moderne Gaia-Hypothese vorweg.
Giordanos Abgesang auf die menschliche Egozentrik, die sich eifersüchtig als Gottes Einzelkind wähnte, konnten seine Zeitgenossen nicht verkraften.

Das göttliche Eine beschreibt er so:

Das, was alles ist, was es sein kann, ist das Eine, das in seinem Sein jegliches Sein enthält. Es ist alles was ist, und kann jedes beliebige andere sein, das ist und sein kann

Das göttliche Ein enthält also alles, was war, ist, sein wird und sein könnte. Sie durchdringt das unendliche Universum und spiegelt sich in allen Wesen als Weltseele wieder, die dadurch das Eine in sich tragen und doch ist das Eine als unitas absoluta mehr als die Summe der Einzelteile im Universum.
In der Materie wirkt die Weltseele als innerer Künstler, artefice interno, der aus ihr die mannigfaltigen Formen des Universums gestaltet. Dabei geht Giordano davon aus, dass Materie nicht unendlich teilbar ist sondern aus Korpuskeln besteht, die er Monaden nennt. Die so gebildeten Formen stehen niemals still sondern unterliegen einem ständigen Wandel durch Zu- und Abfluß von Materiepartikeln.
Anders sieht es mit dem Universum als Ganzes aus. Weil im göttlichen Einen schon alles enthalten ist, was es sein kann, kann es keinen Ab- oder Zufluß von Partikeln geben, die Gesamtmaterie im Universum ist immer gleich. Das ist eine frühe Vorwegnahme des Energieerhaltungssatzes.
Da Materie und Seele von Natur aus nicht vergehen kann, bedeutet der Tod nur, dass der Körper von seiner Seele als formgebender Künstler verlassen wird und sich in seine Monaden auflöst.
Die Seele jedoch hat das Bedürfnis, sich wieder zu verkörpern und neues Leben zu entfalten. Kurzum, Giordano hält Reinkarnation und eine schicksalshafte Gerechtigkeit, fatal giustizia, die wir als Karma kennen, für ein Faktum und steht damit einmal mehr im krassen Widerspruch zur kirchlichen Lehre, die dem Menschen nur eine Chance zubilligt, ein gottgefälliges Leben zu führen und der dann auf seine Beurteilung durch das Jüngste Gericht warten muss.

Giordano vollführt sogar einen psychologischen Blick in die Melancholie der menschlichen Seele. Im Gegensatz zu den Tieren, die einfach gemäß ihres Naturprogramms leben, hat der Mensch weit mehr Gestaltungsspielraum. Diese Freiheit bedeutet jedoch einen Mangel an Orientierung, die ewige Sehnsucht nach dem Besseren, das nie Zufriedensein mit dem bisher erreichten. Der innere Drang nach Selbstverwirklichung ist begleitet von einem quälenden Ungenügen, das oft genug zum Absturz in den Abgrund führt.

In seinem Spätwerk beschreibt Giordano die Entstehungsbedingungen des Universums.
Bevor der Kosmos mit der bekannten Gestaltenvielfalt bevölkert werden konnte, braucht es das Chaos als Gestaltlosigkeit und das Vakuum als unendlich aufnahmefähigen, indifferenten Raum.
Auf dieses vacuum infinitum folgt der Orkus als Sinnbild des Entbehrens und Verlangens nach Erfüllung. Nun kommt die dunkle, erste Materie, prima materia ins Spiel, die sich mit dem Licht vereint. Aus der Hochzeit von Himmel und Erde oder anders ausgedrückt, aus der Vereinigung von mütterlicher Materie, matre Nocte, und himmlischen Geist, patre Luce, wird das Universum gezeugt.

Im Gegensatz zu Galileo Galilei, der Beobachtung und Experiment als ersten Schritt auf dem Weg der Erkenntnis erachtete und damit als Vater der modernen Naturwissenschaft gilt, entwickelt Giordano seine Lehre intuitiv, läßt sich von Schriften des Nikolaus von Kues (1401 – 1464) oder Thomas Digges inspirieren und denkt nach.
Animae veritatem esse cibum; die Wahrheit ist die Speise der Seele, schreibt Giordano und meint damit, das äußerlich Wahrnehmbare müsse aufgenommen, verdaut und assimiliert werden, um das Wahrgenommene in eigene Substanz zu verwandeln. Ziel der Speisung ist die Kontemplation, die geistige Betrachtung, die zur Schau der Wahrheit führt.

Giordano war seiner Zeit weit voraus und auch in den folgenden Jahrhunderten fiel die Rezension seines Werkes häufig negativ aus, weil man ihm primitiven Pantheismus vorwarf, was von den ach so frommen Christen mit Atheismus gleichgesetzt wurde. Die Beurteilung des Pantheismus als primitiv und Monotheismus als erhabener Gipfel der Religion findet man oft in alten Geschichtsbüchern. Verstanden habe ich das nie und finde diese Einstellung total bekloppt, da Monotheismus immer in eine Zankerei um den allein seligmachenden Glauben ausartet und in einem Blutbad endet. Ich bin eine Anhängerin des Pantheismus.

Während Giordano 1591 in Zürich weilte, erhielt die Einladung eines venezianischen Kaufmanns, der ihn schließlich beim dortigen Großinquisitor denunzierte. Im Mai 1592 wurde Giordano verhaftet und nach Rom ausgeliefert. Hier verbrachte er sieben (!) Jahre im Kerker des Inquisiton, bis sein Prozess mit der Verurteilung zum Tod auf den Scheiterhaufen endete. Das Urteil wurde auf dem Campo di Fiori am 17. Februar 1600 vollzogen, wo 1889 eine Statue zu seinem Gedenken errichtet wurde. Der Jahrestag seiner Hinrichtung wird jedes Jahr mit einer kleinen Zeremonie auf dem Platz gefeiert.
Er sein ein unbußfertiger, hartnäckiger und halsstariger Häetiker, wetterten die Inquisitoren.

Giordano Bruno war ein aufrechter Kämpfer für seine Überzeugung, den selbst Folter und graußamer Tod nicht dazu bringen konnten seine Wahrheit und gedankliche Freiheit zu verleugnen.
Was immer man von seiner Philosophie halten mag, für sein Martyrium hat er eines jeden Respekt verdient.

Zum Schluß möchte ich noch etwas zur Haltung der Kirchen zum Heliozentrismus schreiben.
Die katholische Kirche war keineswegs immer das brutale Monster dieser Zeit für das sie heute gehalten wird – und schon gar nicht war sie schlimmer als die protestantische Kirche – ganz im Gegenteil.
Natürlich waren katholische Theologen des 16./17. Jahrhunderts vom Geozentrismus überzeugtm aber das ptolemäische Weltbild galt keineswegs als Dogma. Kopernikus Vorstellung des heliozentrischen Kosmos wurde als Hypothese zunächst toleriert. Selbst der fromme Katholik Galileo Galilei hatte lange Zeit ein eher gutes Verhältnis zur katholischen Kirche und war sogar mit Papst Urban VIII. befreundet. Die Bibel gilt den Katholiken als obscura – verschleiert und bedarf der Exegese durch Theologen.
Ganz anders die Protestanten. Sie nehmen die Bibel wortwörtlich und die Heilige Schrift gilt als höchste, unanfechtbare Autorität, deshalb lehnten die Protestanten den Heliozentrismus kategorisch ab.
Auf seiner Flucht durch Europa wurde Giordano in Genf von den Calvinisten und in Helmstedt von den Lutheranern exkommuniziert.
Aufgeschreckt durch den Protestantismus und dem Streit über die Bibelexegese verschärft die katholische Kirche ihre Haltung gegen heliozentrische Astronomen. Dieser Verschärfung fällt schließlich auch Galileo Galilei zum Opfer, der nicht die Sturheit eines Giordano Brunos besaß und so nur zu Hausarrest verurteilt wurde. Giordano lehrte jedoch durch seine unbeugsame Radikalität auch dem tolerantesten Kirchenfürsten das Grußeln.

Nach jahrelangem Studium der psychologischen Fachliteratur scheint die Seelenkunde keine wesentlich neuen Erkenntnisse mehr für mich bereit zu halten. So ist es an der Zeit, wieder in den Kosmos vorzudringen und mich der Philosophie zu zuwenden. Der Tiefpunkt der Inkarnation ist glücklicherweise überwunden und die tröstliche Welt des Intelligiblen ist wieder näher gerückt.
Vor zwei, drei Jahren versuchte ich es schon einmal spontan mit Hegel und verstand kein Wort. Wie ich heute weiß, lag das nicht an mir sondern an Hegel, der für seine unverständlichen Sätze bekannt ist.
Im Weltall der Gedanken, Träume und Imaginationen fühle ich mich wohl, wie schäbig ist dagegen die Niederung des bürokratischen Hindernisparcours, durch den ich mich unablässig quälen muss.

Verwendete Literatur:

Anna Eusterschulte: Giordano Bruno – Eine Einführung, Panorma Verlag Wiesbaden
Stephan Cartier: Weltenbilder – Eine Kulturgeschichte des Himmels, Reclam Leipzig 2002
Esoterische Philosophie:Das Forum, Ausgabe 03/2002, Hannover
GEOkompakt: Die 100 größten Forscher aller Zeiten, Gruner und Jahr Hamburg 2008

Der Beitrag wurde am Montag 31. März 2008 um 16:00 veröffentlicht und wurde unter Persephones Perspektive abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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