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Patientenverfügung

16. Februar 2009

In einer Zeit, in der seelenlose Körper gnadenlos mit der Apparatemedizin vor sich hin vegetieren müssen, ist eine Patientenverfügung unerlässlich. Trotzdem würde ich mich wahrscheinlich im Moment nicht darum kümmern, hätte der Krebs mich nicht in die Nähe von Siechtum und Tod katapultiert.
Man denke nur an die Frau in Italien, die ihm Wachkoma vor sich hin dämmerte. Ihr Vater musste siebzehn Jahre dafür kämpfen, dass ihre Seele endlich aus ihrem Körper befreit werden durfte. Ein Skandal, dass dieser Möchtegern-Duce S.B. sich über das Gerichtsurteil hinweg setzen wollte. Wachkoma ist für mich eine Art von Folter. So möchte ich nicht enden.

Es gibt von verschiedenen sozialen Einrichtungen Vordrucke für eine Patientenverfügung. Es gibt auch Bücher darüber, aber ich habe mir keines geleistet.
Manche bestehen nur aus einem kurzen Fließtext und sind mir zu allgemein gehalten. Sie lassen zu viel Spielraum für Interpretationen. Es gibt Patientenverfügungen, die sich explizit als christlich ausweisen und als solche Sterbehilfe strikt ablehnen.
Als Heidentochter vertrete ich den entgegen gesetzten Standpunkt.

Brangäne: Er (der Schrein) birgt, was Heil dir frommt,
So reihte sie die Mutter, die mächtigen Zaubertränke.
Für Weh und Wunden Balsam hier,
für böse Gifte Gegengift.
Den hehrsten Trank, ich halt ihn hier“

Isolde: Du irrst, ich kenn ihn besser:
ein starkes Zeichen schnitt ich ihm ein.
Der Trank ist´s, der mir taugt.

Brangäne: Der Todestrank!
Aus Tristan und Isolde 1.Akt, 3.Auftritt; von Richard Wagner

Es ist mir unbegreiflich mit welcher Arroganz die Christen über die Sterbehilfe bei Nicht-Christen bestimmen wollen. Es ist die alte Arroganz, die seit zwei Jahrtausenden offenbar zum Naturell dieser Religion gehört.
Es wird viel über palliative Medizin geredet, welche die Sterbehilfe überflüssig machen soll. Palliative Medizin ist eine feine Sache und sollte unbedingt weiter ausgebaut werden. Aber dennoch kann sie nicht alles Weh lindern. Trotz Morphium lassen sich nicht alle Schmerzen beherrschen und es geht auch um Übelkeit, Verdauungsprobleme, innere Unruhe, Atemnot, die einem das Leben zur Hölle machen können.
Deshalb ist Sterbehilfe ein Akt der Gnade für unheilbar Kranke, seien sie nun gerade im Sterbeprozess oder nicht. Diesen Menschen aus ideologischen Gründen nicht begleitet und in Frieden auf die andere Seite gehen zu lassen ist ein Verbrechen an der Menschenwürde. Es ist ein nicht tolerierbarer Zustand, dass gequälte Patienten für viel Geld via Dignitas auf Schweizer Parkplätzen sterben müssen.
Wohl dem, der keine Sterbehilfe benötigt, weil alle seine Beschwerden genügend gelindert werden können. Ich hoffe natürlich, dass ich auch zu dieser Gruppe gehören werde. Dignitas kann ich mir sowieso nicht leisten.

So habe ich zumindest eine restriktive Patientenverfügung verfasst. Mein Psychiater hatte mir angeboten mich dabei zu beraten und so hatte ich am 19. Januar um 16:00 einen einstündigen Termin bei ihm.
Als Vorlage diente mir der Vordruck der Malteser, den ich mir über das Internet bestellt hatte. Die Malteser sind zwar auch eine christliche Organisation, aber sie lassen das nicht so heraus hängen wie ein Exemplar der deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche.
Die Präambel in der Maltester-Version beginnt allerdings mit den Worten: Ich empfinde das Leben als Geschenk.

Schüttel, nix da. Ich habe einen eigenen Text verfasst. Hier ist er.

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Meine Werte und Wünsche, mein Lebensbild

Ich glaube an Reinkarnation. Ich glaube daran, dass mein Seelenkern sich so lange wiederverkörpern muss, bis ich alle Lebensaufgaben erfüllt und alle Erdenlektionen gelernt habe. Erst dann werde ich vom Rad der Wiedergeburt erlöst.

Ich folge dem Buddhismus in der Ansicht, dass Leben immer auch leiden bedeutet.

Sterben ist untrennbar mit dem Leben verbunden. Der Tod ist nicht mein Feind sondern ein Freund, der mich zur rechten Zeit in die Alleinheit zurück bringt, bis ich mich wiederverkörpern muss.

In der mordenen Apparatemedizin gilt der Tod dagegen als Versagen. Es wird versucht die pure Körperfunktion so lange wie möglich zu erhalten, selbst wenn der Geist längst erloschen ist. Die Seele ist dann im Leib gefangen und muss unnötig leiden. Dem liegt ein materialistisches Weltbild zu Grunde, welches ich entschieden ablehne.

Ich möchte daher beim Eintreten meines Sterbeprozesses keine Verlängerung meines Lebens um seiner selbst willen. Auf gar keinen Fall will ich Zustand des Wachkomas vor mich hin vegetieren.
Einer Entnahme meiner Organe nach meinem Tod widerspreche ich genauso strikt wie der Einpflanzung fremder Organe in meinen Körper zur Lebenserhaltung.

Falls ich nicht mehr selbst für mich sprechen kann, erwarte ich von allen, die mir beizustehen versuchen, dass sie sich bei ihren Entscheidungen an meinen Verfügungen und Werten orientieren. Sie sollen sich weder vom eigenen Willen noch von dem, was medizinisch machbar ist, leiten lassen.

******************************************************

In meiner Patientenverfügung lehne ich lebenserhaltende Maßnahmen, künstliche Ernährung, künstliche Beatmung, wiederbelebende Maßnahmen, Organ- oder Gewebetransplantation und Dialyse ab. Die Verfügung habe ich als sehr verbindlich eingestuft und gilt nicht erst im unmittelbaren Sterbeprozess.
Wenn es so weit ist, möge Gevatter Tod mich auf natürlichem Weg unter seine Kutte nehmen.

Die Patientenverfügung der Malteser kann ich sehr empfehlen, sie ist sehr detailliert gehalten und zu jedem Punkt gibt es mehrere Auswahlmöglichkeiten, die man ankreuzen kann. Man könnte genauso gut damit ein Patiententestament formulieren, welches den Ärzten mehr Handlungsspielraum lässt.
Wer die Möglichkeit hat, kann sich von einem Arzt beraten lassen. Ich erhoffe mir durch den Arztstempel auf meiner Verfügung, dass sie dadurch mehr Autorität erlangt.
Ich werde meine Verfügung jedes Jahr neu unterschreiben und einen Ausweis in meinem Portemonnaie tragen, der besagt, wo ich meine Verfügungen hinterlegt habe.

Der Beitrag wurde am Montag 16. Februar 2009 um 14:03 veröffentlicht und wurde unter Persephones Perspektive abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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