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Erwerbsarbeit versus Berufung

28. September 2005

Heute bekam ich einen Anruf, der mich sehr beunruhigt hat. Der Geschätfsführer der Firma Novotherm Klimageräte GmbH warb darum, dass ich mich bei ihm als Bürokraft bewerbe. Meinen Lebenslauf hatte er beim Arbeitsmarkt-Servicecenter eingesehen.
Nun sollte man meinen, dass mich diese Aufforderung doch höchst erfreuen müsste. Der Mann hatte gerade seine 27 Jahre lang gediente Bürokraft in den Ruhestand verabschiedet, sucht nun eine Nachfolgerin für die nächsten Jahrzehnte und winkt mit einer unbefristeten Anstellung.
Welchem Arbeitslosen würde da nicht das Herz vor Freude empor hüpfen – MIR ! :sad:
Die Aussicht für den Rest meines Lebens als buchhaltende Bürotante in einer Firma fest zu sitzen, die so etwas wahnsinnig spannendes wie Klimageräte vertreibt und zu dem am Arsch der Welt, nämlich in Garbsen-Berenbostel angesiedelt ist, erfüllt mich mit Panik.
Vor 2 Monaten noch hätte ich bangend gehofft, dass ich die Stelle auch tatsächlich bekommen, doch mittlerweile sind Berufungsfindungsprozesse bei mir im Gange, die mich vor der hier angebotenen Tätigkeit kreischend davonrennen lassen.

Nimmt man die im Zielfindungs-Seminar besprochenen logischen Ebenen zu Hilfe, so finde ich die Störung auf den Ebenen Identität und Zugehörigkeit. Ich identifiziere mich nicht mit dem Dasein als Bürokraft und möchte nicht zu dieser Gruppe gehören, weil mein authentisches SEIN ein anderes ist und viel Leid aus dem Zwang zu einer unauthentischen Existenz erwächst. Wenn in der Vergangenheit jemand nach meinem Beruf gefragt hat, habe ich mich zu Tode geschämt, ihm als Antwort “kaufmännische Angestellte” zu geben. Sicher ist das ein ehrbarer Beruf, dem man sich nicht schämen muß, doch für mich ist dieser Beruf der Inbegriff meines Lebensversagens, die Manifestation meiner Entfernung von meinem wahren ICH, das Vergeuden meiner Begabung und die Verleugnung meiner Lebensaufgabe.

Ich habe den Eindruck, eine böse Macht versuche mich zur Zeit zurück in den Sumpf der Betäubung zu ziehen, aus dem ich seit dem Ende meiner Tätigkeit bei Remondis gerade erst entflohen bin. Vor Novotherm hatten in den letzten Wochen schon zwei Zeitarbeitsfirmen meine Dienste als Buchhalterin angefordert, doch es gelang mir, mich dumm genug zu stellen und so eine Maloche zum Dumpinglohn abzuwehren.
Ich fragte mich, warum mich eigentlich immer alle als öde Buchhalterin haben wollen? Daran bin ich selber schuld, denn ich habe meine Tätigkeit bei Gigabell in einer sehr großzügigen Interpretation als Debitoren-Buchhaltung bezeichnet, dabei habe ich im ganzen Leben noch nie eine Buchung für eine Firma getätigt.

Ich weiß, dass es absurd ist, eine ordentliche Bürotätigkeit nicht haben zu wollen und es mag der Zeitpunkt kommen, an dem ich über den Job bei Novotherm froh gewesen wäre.
Mir nichtgeneigte Zeitgenossen könnten mir nun vorwerfen, ich sei eine arbeitsfaule Schmarotzerin und solle mich nicht so anstellen, Geld verdienen gehe vor Selbstverwirklichung. Das sehe ich jedoch nicht so.
Bekanntlich bin ich ein unglücklicher, einsamer, beziehungsgestörter Mensch. Bei meinen Lebensumständen brauche ich eine sinnerfüllte, mir Freude bereitende Tätigkeit geradezu zum Überleben.
Es gibt sicher viele Bürokräfte, die mit ihrer Tätigkeit zufrieden sind und Sinn und Lebensinhalt in ihren Familien finden. Eine Familie als Quelle von Lebenssinn habe ich nicht, ich muss meine Quelle im öffentlichen Leben finden. Für meine Begabungen bezahle ich den hohen Preis von Depression und Bindungslosigkeit, dafür nehme ich mir das Recht heraus, eine Exzentrikerin zu sein. Ach nein, was rede ich von Recht, ich bin einfach wie ich bin und kann nicht anders sein als ich bin.
So gesehen habe ich ja noch Chancen beim eventuell anstehenden Vorstellungsgespräch bei Novotherm durch mein Auftreten, einen verstörenden Kontrapunkt zu meiner altgedienten (potentiellen) Vorgängerin zu setzen. Ich kann nur hoffen, dass der GF nicht auf Hexen im Formate einer Venus von Willendorf steht :razz:

Mein Leben in der sogenannten Arbeitslosigkeit ist indessen angefüllt mit interessanten, abwechslungsreichen, authentischen Tätigkeiten:

  1. 12h/ Woche Arbeit im Callcenter für Hapag Lloyd Express
  2. Montag- und Mittwochabend Weiterbildung im Seminar für Waldorf-Pädagogik
  3. ab und zu Aufträge für Nachhilfeunterricht in Biologie
  4. ab Oktober ehrenamtliche Hausaufgabenhilfe für Schulkinder
  5. Verfolgung des Zieles und Wunsches eigene Schriften zu veröffentlichen

Gerade die Erfahrungen als Nachhilfelehrerin und in der Hausaufgabenhilfe halte ich für wichtig, falls ich jemals den Sprung in den Schuldienst an einer Waldorfschule schaffen will. Die Tätigkeit als Lehrerin macht mir sehr viel Spaß, ich bin dann im glücklichen flow-Zustand und vergesse die Zeit. Eine Vollzeitstelle im Büro wäre wie ein Virus, der mir auch noch diese Glücksblume zerstört.
Haben die himmlischen Mächte Erbarmen mit mir? Als Gegengewicht erhielt ich heute einen neuen Nachhilfeauftrag! Es ist als ob Himmel und Hölle miteinander um mich rängen.

Ich bin Biologien, Lehrerin, Schriftstellerin, Seelenführerin und Kostümschneiderin - nur eine kaufmännische Angestellte bin ich nicht! :mrgreen:

Der Beitrag wurde am Mittwoch 28. September 2005 um 23:38 veröffentlicht und wurde unter Persephones Perspektive abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

2 Kommentare

  • RavenRaven sagt:

    Das ist schwierig, ich kann es verstehen… Ich habe meine Berufsfindungsphase noch gut in Erinnerung.

    Als Außenstehender einen Rat zu geben ist kaum möglich. Letztendlich musst Du Deinem Gefühl folgen, auch wenn das eine Binsenweisheit ist.
    Fest steht jedenfalls: Alles auf einmal geht nicht. Der Tag hat nur 24 h.
    Ich sehe es so: Bürojobs wird es morgen auch noch geben. Die Chance bei der Waldorf-Schule wahrscheinlich nicht nochmal und mit der Veröffentlichung Deiner Schriften beginnst Du gerade erst.
    Das Dumme ist halt nur, dass Du irgendwann in Hartz IV rutschtst und es dann finanziell eng wird trotz Nebenjob, denn Du darfst ja nicht viel dazuverdienen…

    Wie dumm, dass man die Tarot-Karten auch nicht mehr fragen kann, so viel Mist, wie die in letzter Zeit verzapft haben… :roll:

    Es ist ein Jammer, dass man heutzutage schon froh und dankbar sein muss, wenn man überhaupt einen Job hat, mit dem man seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Nach Erfüllung und Spass fragt kaum jemand. Ich will nicht wissen, wieviele Leute krank und unzufrieden ihr Leben mit einer Tätigkeit fristen, die sie hassen und sie anödet…

    Ich kann mir übrigens auch nicht vorstellen, in meinem Leben nichts anderes mehr zu tun als was ich jetzt täglich tue. Es ist schon ein Thema, was mir liegt und Spass macht – nicht immer, auch nicht meistens, aber oft – aber von Erfüllung kann keine Rede sein.
    Ich weiss nicht, ob ich froh über meinen nunmehr lebenslänglichen Beamtenstatus sein soll oder nicht. Eine existentielle Angstquelle weniger, aber auch ein gewaltiger Anreiz weniger, etwas zu wagen, insbesondere, wenn die Kollegen und der Chef super sind, das Gehalt gut und die Gesundheit schlecht.

    Ich mag es auch nicht, wenn man mir einen Stempel aufdrückt. “Programmierer” ist nur meine Berufsbezeichnung und natürlich habe ich die Eigenschaften, die man dafür braucht, aber dieser Begriff kann niemals ausdrücken, wer und was ich bin, denn ich bin mehr als das – z.B. Schöpfer von fantastischen Kreaturen, Opernsängerin, Kommentator täglichen Wahnsinns

    PS: Wo in Seths Namen liegt Garbsen-Berenbostel?!

  • PersephonePersephone sagt:

    Also Garbsen-Berenbostel ist ein nördlicher Ausläufer von Hannover und liegt meinem Domizil diametral entgegengesetzt. Mit U-Bahn und Bus wäre ich bei 2x umsteigen für eine Strecke über eine Stunde unterwegs – verlorene Zeit.
    Dieses ganze “man kann ja foh sein überhaupt eine Arbeit zu haben” habe ich mir auch die zwei Jahre bei Remondis einzureden versucht, aber es hat nichts daran geändert, dass ich dort vor Langweile und Unzufriedenheit fast gestorben wäre.
    Sicher, Hartz IV schrillt auch mir als Alarmglocke im Bewußtsein herum, aber diesmal wurde die Glocke vom lauten Aufschrei “Ich will diesen Job nicht” übertönt. Bäh dann wieder über 8h am Tag im selben Büro sitzen und sich mit öden Klimageräten beschäftigen, es muss doch noch ein interessanterer Job zu bekommen sein.
    Na ja, es wird sich zeigen, ob ich überhaupt zum Vorstellungsgepräch geladen werde und ich kann mir vorstellen bei dieser konservativen Branche eher eine biedere Dame den Zuschlag erhält. :twisted:

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