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Sommerleiden

14. Juni 2006

Alle Jahre wieder werde ich ihm ausgeliefert. Er schleicht durch die Ritzen, stürmt frontal durch meine Fenster, brennt sich mir erbarmungslos in die Zellen hinein. Er kennt keine Gnade, erstickt mich mit schwüler Schwere, jagt mir Wasser aus den Poren, martert sadistisch mein Hirn.
Hilfe! Er ist wieder da: DER SOMMER.
Und alle Jahre wieder jammere ich über die Hitze und künde meine Auswanderung in die verträglichere Klimazone nach Grönland an, was daran scheitert, dass ich Angst haben müsste, dort als Vegetarierin zu verhungern, denn ich habe zwar nichts gegen Robbenspeck an meiner Körperperipherie, aber etwas gegen Robbenspeck in meinem Magen.

Das Schlimme am Sommer ist, man kann im nicht entrinnen. Gegen Winterkälte gibt es Kuscheldecken, heißes Badewasser, Heizung und warmes Katzenfell (mit lebendigem Inhalt natürlich) für die Füßchen.
Doch egal welche Abwehrfront man gegen die Sommerhitze auffährt, er siegt immer. Tücher vor den Fenstern, Kaltwasserschüssel für die Füße, Blumenspritze für den Kopf und dennoch bedeutet Sommerhitze für mich: KNOCK OUT.
Aber es ist nicht nur die Hitze, es ist auch die ewige Helligkeit, die durch diese dämliche Sommerzeit noch verschlimmert wird. Um 22:00 ist es immer noch hell. Wo bleibt Göttin Nyx mit ihrem schützenden Mantel der kühlen Dunkelheit? Die Nacht ist im Sommer eine seltene Kostbarkeit, dann sitze ich mit meinem Gefährten Q-de Lancie auf dem Balkon und erhole mich von der Qual des Tages.

Der Sommer erhöht mein Alien-Feeling ins Unermeßliche. Überall vernehme ich die Jubelschreie über Licht, Sonnenglut und Hitze. Die Erdenbewohner kommen aus ihren Behausungen gekrochen und recken sich lärmend der Sonne entgegen. Die Straßen sind voll, überall plappern die Leute durcheinander und suhlen sich in lichtiger Lebensfreude, die, aus den tiefen Klüften der Unterwelt betrachtet, so sonderbar und unverständlich erscheint.
In diesem Sommer ist die Hitze den Menschen ganz besonders zu Kopf gestiegen. Vier Wochen lang wird die Welt von einer Massenpsychose ohne Gleichen geplagt, deren Zentrum sich in Deutschland befindet. Im Wahn um einen Ball pilgern Menschen aus der ganzen Welt in das Psychose-Zentrum, um sich an irren Bewegungen und entarteten Gegrölle zu ergötzen.
Der Planet der Bescheuerten und Bekloppten läßt mal wieder grüßen.

Der Sommer ließe sich nur mit Klimaanlage wirklich erträglich gestalten. In USA gehören sie zum Lebensstandard, dennoch halte ich nichts davon, diesen Planeten nur wegen meiner Befindlichkeitsstörung noch weiter auszubeuten und Energie für Klimaanlangen zu verpulvern.
Da bleibt mir nichts anderes als meinen Walleib am Samstag mit Raven im Maschsee zu kühlen und darauf zu warten, dass sich das Rad der Zeit weiterdreht und der liebliche Herbst wieder beginnt.

Der Beitrag wurde am Mittwoch 14. Juni 2006 um 17:47 veröffentlicht und wurde unter Persephones Perspektive abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

2 Kommentare

  • RavenRaven sagt:

    Dem kann ich natürlich nur zustimmen, allerdings mit einer Einschränkung: Kälte ist mir genauso zuwider wie Hitze. Klingt paradox, ist aber so. ;-) Ich fühle mich nur in einer kleinen Temperaturspanne wohl, die ca. zwischen 15 und 25 °C Außentemperatur liegt. Ich muss von einem seltsamen Planeten stammen. ;) Für die Auswanderung kommen also vermutlich nur die Kanaren in Frage.

    Man könnte meinen, man gewöhnt sich daran, immerhin leben wir ja schon Jahrzehnte in diesem Klima und es ist jedes Jahr das Gleiche, aber seltsamerweise ist das nicht der Fall. Jedes Jahr geht mir das erneut auf die Nerven. Das frühe bis mittlere Frühjahr oder der frühe Herbst mit Temperaturen um die 20°C sind mir am sympathischsten.

    Wie Du schon sagst, gegen Kälte kann man etwas tun, gegen Hitze kaum etwas. Trotz Ventilator, ständigem Besprenkeln mit Wasser und luftiger Kleidung ist oft kein erholsamer Schlaf möglich, und mir bricht in meiner Dachzimmerwohnung bei jeder kleinsten Bewegung der Schweiss aus. Es ist einfach nur widerlich und macht mich zudem ziemlich aggressiv. :evil:
    Die Krönung ist dann, wenn man in der Gluthitze und meist noch praller Sonne seine Einkäufe nach hause schleppen oder im Zug eine scheinbare Ewigkeit ohne Klimaanlage dicht gedrängt mit anderen schwitzenden Menschen aufhalten muss.

    Mir ist auch rätselhaft, was die alle daran finden – vermutlich hat die Hitze das Hirn schon weichgekocht. Als 2003 die große Hitzewelle das Land plagte, gab es immer noch viele Leute, die über das “Karibik-Feeling” jubelten. Das mag mal ganz nett sein, wenn man Urlaub hat, für alles gesorgt wird und man bei Lust und Laune seinen Leib im kühlen Pool baden kann, aber im Alltag? Horror.
    Ich finde das sogar im Urlaub ätzend. Mein Vater fährt zum demnächst nach Kroatien – im Hochsommer, d.h. bis zu 40°C und sogar darüber. Das wäre die Hölle für mich.

    Laue Sommernächte haben aber manchmal durchaus ihren Reiz. Eines meiner schönsten Sommererlebnisse ist deshalb zugleich eines der wenigen, wofür ich Mister B. dankbar bin – das nächtliche Baden im Düsseldorfer Rheinbad. Die Vorteile des Sommers (Schwimmen gehen im Freien) ohne seine Nachteile (Sonne, Eincremen, lärmende Massen). :cool:

    Als ich letzte Woche abends wie üblich im Kerzenschein baden gehen wollte, musste ich bis 23 Uhr warten, bis es endlich dunkel war. Die ständige Helligkeit ist wirklich nervig. Das ist wohl das einzig Positive an südlicheren Gefilden, es wird früher und schneller dunkel.
    Aber immerhin: Die Tage werden nun wieder kürzer. :razz:

    Die sporadische Sonnenallergie sowie die Überempfindlichkeit meiner Augen zeigen mir, was ich natürlich schon lange weiss: Sonne ist nichts für mich.
    Wobei mir so ein nettes Gruftie-Shirt einfällt: “Sonne macht albern.” :grin:

  • PersephonePersephone sagt:

    Wegen Deines engen Temperatur-Optimums habe ich Dich ja auch als stenotherm bezeichnet.;) Das ist der biologische Ausdruck dafür. Meine Temperaturspanne liegt etwas weiter so von -10 bis +20. 25 Grad sind mir schon viel zu heiß.
    Gewöhnen werde ich mich nie an die Sommerhitze, jedes Jahr leide ich von Neuem und wünsche mir einen Umzug jenseits des Polarkreises.
    In den Bahnen ist die Hitze immer besonders schlimm, jede Minute wird zur Qual.
    Die Temperaturvorlieben der Menschen sind verschieden und hängen von ihrem ayurvedischen Konstitutionstyp ab. Die Leute, die sich bei 40Grad in der Sonne grillen und den Sommer heiligen sind alles Vata-Typen. Ich bin ein Pitta-Typ und der verträgt Hitze überhaupt nicht. Bei Dir würde ich Kapha sagen, wobei man meistens ein Mischtyp aus zwei Typen ist.
    Eine laue Sommernacht im Schwimmbad würde ich mir auch gefallen lassen, nur leider oder zum Glück habe ich keinen Marc B., der das ermöglicht.
    “Sonne macht albern”, wie wahr! :twisted:Sonne ist was für Gaga-girls, die sich dann die Kosten für das Sonnenstudio sparen.
    Die einzige Möglichkeit Sommerhitze zu ertragen ist in der Ostsee ;)

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