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Mehrarbeit

19. Oktober 2006

Im Zuge meiner Überlegungen zur leidigen Existenzsicherung hatte ich mich Anfang Juni entschieden, meine Arbeitszeit ab August 2006 von 12h/Woche auf 20h/Woche zu erhöhen. Möglich ist das dadurch, dass bei Alg II die Stundenbegrenzung des Alg I auf unter 15h je Woche wegfällt und es keine feste Zusatzverdienstgrenze gibt. Vielmehr wird der Betrag, der nicht vom Alg II abgezogen wird, prozentual berechnet. Je mehr ich verdiene, desto mehr kann ich auch behalten. Wobei der Prozentsatz natürlich schön knapp gehalten ist. Die ersten 100€ dürfen in jedem Fall in die eigene Schatulle gesteckt werden, vom restlichen Gehalt dürfen 20% die magere Haushaltskasse aufbessern.
Eine solche Aufbesserung ist dringend nötig, um nicht meiner Wohnung verlustigt zu gehen. 300€ Miete inklusive Nebenkosten gestehen die Behörden den armen Schluckern zu. Keine Frage, dass für dieses üppige Budget nur verschimmelte Kellerlöcher oder 20qm Legebatterie zu bekommen ist. Klar, die nutzlosen Arbeitsverweigerer sollen froh sein, dass sie überhaupt ein Dach über den Kopf haben dürfen und nicht als Bettler durch die Lande ziehen müssen.
Ich liebe meine Wohnung. Sie war die erste und einzige, die ich mir in Hannover angesehen habe. Liebe auf den ersten Blick. Sie vereinigt alles, was mein Herz für eine Wohnung begehrt: eine außergewöhnliche Dachschräge für das Höhlenfeeling, einen geräumigen Balkon, ein hübsches, weißgekacheltes Bad mit Sims, Fenster und Badewanne, eine große Kemenate in schöner L-Form, eine logistisch günstige und dennoch abgeschiedene, ruhigeLage und Neubau. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass ein in schwarzen Flattergewändern herumhuschendes Hexenwesen wie ich in einer Altbauwohnung residieren müsste, bevorzuge ich Neubauwohnungen, zum einem wegen meiner Sensitivität gegenüber energetischen Ablagerung verblichener Menschen, zum anderen wegen meines Adrian Monk-mäßigen Ekels vor den schlunzigen Hinterlassenschaften anderer Menschen, die sich auf molekularer Ebene in die Gemäuer eingefressen haben und nicht mehr entfernbar sind. Meine kuschelige Wohnung ist mein Rückzugsort vor der bösen Welt, mein Moonlightshadowcastle, mein einziges Heim. Daraus verjagt zu werden, wäre das schlimmste, was mir noch passieren könnte. Ich besitze sonst nichts, habe nichts zu verlieren außer meine Wohnung, das einzige auf der Welt, was einer Heimat für die Heimatlose am nächsten kommt.
Man stelle sich darüber hinaus vor, welchen Gewaltakt ein Umzug darstellt und potenziere diesen Gewaltakt, falls der Umzug mit einer intrinsischen Anti-Motivation erfolgt.

Mit der erhöhten Arbeitszeit haben Ich-Ideal und Über-Ich zu einem Konsens gefunden. Dem Ich-Ideal bleibt noch genug Zeit, sich seiner wahren Berufung zu widmen und das Über-Ich stichelt nicht länger herum und fühlt sich wieder als Mitglied der arbeitenden Bevölkerung.
Eine 20h Woche oder knapp darüber ist in Ordnung, bei mehr wird es grausam. Der Unterschied zur 12h Woche machte sich gleich deutlich bemerkbar. Statt 3 Tage in der Woche, arbeite ich 4 Tage und jeweils eine Stunde länger, so dass die Arbeitstage die freien Tage überwiegen.

Als weiteren Vorteil meiner Arbeitszeitverlängerung erhoffe ich mir, dass das Jobcenter mich mit tollen Jobangeboten für eine Stelle als Klofrau im Türkencafe weitgehend in Ruhe läßt, da ich ja bereits zur arbeitenden Bevölkerung gehöre.
Man muss sich das vorstellen: als AlgII Empfänger steht man unter einer Art Hausarest. Man muss an jedem Werktag für das Jobcenter erreichbar sein, da man ja ein Angebot für den umgehend anzutretenen Job seines Lebens im Briefkasten finden könnte. Wer verreisen möchte, muss sich wie ein Sträfling auf Freigang beim Jobcenter abmelden und wieder anmelden. Ich finde, das ist ein unzumutbarer Eingriff in die Menschenwürde. Sollte man mehrere Wochen nicht zu Hause sein, kann ich die Notwendigkeit einer Meldung verstehen, aber das Jobcenter um Erlaubnis zu fragen, weil man für ein paar Tage Freunde oder Verwandte besuchen möchte, das widerspricht der Menschenwürde.
In der Regel steht einem ALgII Empfänger ein Abwesenheitskontingent von drei Wochen im Jahr zur Verfügung. Ein Rechtsanspruch darauf besteht jedoch nicht, es sei denn, der AlgII Empfänger ist berufstätig. Wer arbeitet hat auch Recht auf Urlaub. So bin ich im September reinen Gewissens für eine Woche an die Ostsee gefahren, ohne mich beim Jobcenter abzumelden.
Als ich zurückkehrte fand ich tatsächlich ein Schreiben des Jobcenters in meinem Briefkasten. Ich wurde am 21. September um 11:00 zu einem Gespräch über meine berufliche Situation gebeten. Würg. Diese Gespräche hatten sich schon bei der Arbeitsagentur als völliger Reinfall erwiesen. Da ich zu dem genannten Termin arbeiten musste habe ich dem Jobcenter auf dem vorgefertigen Formular keck eine Absage geschrieben: Ich kann den Termin nicht wahrnehmen, da ich berufstätig bin und vormittags arbeiten muss. Ich kann Termine am Vormittag daher nur mit großem Vorlauf oder einen Termin am Nachmittag wahrnehmen.
Seither habe ich keinen neuen Termin erhalten, und ich hoffe, dass ich weiter verschont bleibe.

Der Beitrag wurde am Donnerstag 19. Oktober 2006 um 17:40 veröffentlicht und wurde unter Persephones Perspektive abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

5 Kommentare

  • RavenRaven sagt:

    Kein Wunder, dass Du Dich an diese Wohnung klammerst: Mir gefällt sie auch sehr gut mit dem Balkon, der supergünstigen Lage, Dachgeschoss, viel Platz, Schrägen, Ecken und dem großen weissen Bad mit Wanne und Fenster. Fast wie meine, nur eine ganze Ecke günstiger. Wie selten so etwas zu bekommen ist, sehe ich ja gerade bei meiner Wohnungssuche… :cry:

    Und keiner kann das mit der Arbeitszeit besser nachvollziehen als ich. Mit 20h pro Woche im Rahmen der Wiedereingliederung ging es mir gesundheitlich so gut wie schon lange nicht mehr, auch noch mit täglich 5 oder auch 6h. Mal abgesehen von Schmerzen war es einfach toll, nicht mehr ständig so gehetzt zu sein und alles planen zu müssen. Nun habe ich wieder mehr als das Doppelte und es geht mir wieder so schlecht wie vor meiner langen Ausfallzeit. Kotz.

    BTW, Monk rulez! :mrgreen:

  • ToulexisToulexis sagt:

    Trotz aller Bürokratie und Pannen sollten wir nicht vergessen, dass Sozialleistungen weder historisch noch global gesehen eine Selbstverständlichkeit sind. Sie müssen gesamtgesellschaftlich erarbeitet werden müssen, sonst geht´s nicht. Der gesetzliche Anspruch darauf, dass Andere (Menschen, Maschinen, Kapital …) etwas abgeben, ist ein sozialpolitisches Instrument zur Erhaltung des gesellschaftlichen Friedens, wie anderswo subventionierte Brot- und Wasserpreise. Ich glaube nicht, dass eine (noch eine, die wievielte…?) Revolution daran etwas ändern würde. Der evolutionäre Weg, hier und da gepflastert von dem einen oder anderen Revolutiönchen, erscheint mir plausibler. Aus mancher Perspektive (siehe Raven) dürfte allein schon die Möglichkeit, mit einer plusminus 20h-Woche hinzukommen, etwas von “Luxus” haben.

  • PersephonePersephone sagt:

    @Raven: Dein Arbeitszeitbedingungen sind aber auch heftig, besonders wenn man eine chronische Krankheit hat und regelmäßig zu Ärzten und Therapeuten muss. 41h/Woche, alle Arztbesuche gelten als Privatvergnügen, so dass Du zwangsläufig jede Woche Minusstunden machst, die Du an anderen Tagen wieder reinholen musst. Dazu noch die Fahrtzeiten, Besorgungen machen ohne Auto, Haushalt, da bleibt nicht mehr viel Zeit zum Erholen. :shock:
    Arbeiten an sich ist nicht schlimm, auch wenn es nicht der Traumjob ist, es ist eine Frage der Dosis und 41h pro Woche sind eindeutig zu viel, besonders wenn es sich um die abstrakten, entfremdeten Tätigkeiten des globalen, kapitalistischen Wirtschaftssystems handelt.
    Hoffentlich geht es Dir besser, wenn die Arbeitszeitreduzierung durch ist und genauso hoffe ich, dass Du Dich in Deiner neuen Wohnung wohl fühlen wirst.
    Wenn ich daran denke, ich müßte in eine andere Wohnung umziehen, die nur halb so schön wäre wie meine jetztige, würde es mich auch grauen.

    Monk ist genial. Die Serie gehört zur Zeit zu meinen Lieblingsserien. Wir Psychos sind eben doch zu etwas zu gebrauchen. :mrgreen:

  • PersephonePersephone sagt:

    @Toulexis: siehe hierzu den Artikel:”Dm-Chef Werner zum Grundeinkommen: “Wir würden gewaltig reicher werden” unter http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,386396,00.html

    Die Aussagen des (anthroposophischen) dm-Chefs sind mir extrem sympathisch, weshalb ich meine Drogerieartikel mittlerweile hauptsächlich bei dm kaufe. Dass das Wirtschaftssystem nur so laufen kann wie es zur Zeit ist, ist doch eine Vorstellung des begrenzten Geistes. Maya.
    Wahrscheinlich würde eine lokal begrenzte Revolution in dieser globalisierten Welt tatsächlich nicht mehr viel bringen. Aber ab und zu muss die Woge des Zorns über ein Land fegen, um die verkrusteten Strukturen zu reinigen.

  • Persephones Welt » Last des SprechensPersephones Welt » Last des Sprechens sagt:

    [...] Wie bereits im Artikel Mehrarbeit beschrieben, hatte ich im Sommer meine wöchentliche Arbeitszeit im Callcenter von 12h auf 20h erhöht. 20h erschienen mir für einen Job, der meiner extrem introvertierten und schweigsamen Natur diametral entgegenläuft noch erträglich zu sein. Ab und zu ein paar Überstunden schieben ist bei einer Basis von 20h natürlich auch kein Problem. So dachte ich mir nichts dabei als mein Plan für die Kalenderwoche 40 fünf Arbeitstage mit 26h Arbeitsstunden vorsah. Unter anderem musste ich am Feiertag (03.Oktober) 4h arbeiten. Nun ja, das konnte ich verkraften. Die Woche drauf wartete abermals mit fünf Arbeitstagen zu je 5h auf, wie ich anfangs dachte. Doch Dienstagmorgen erhielt ich vom Arbeitsplan-Koordinator eine e-mail mit der Frage, wieso ich denn Montag schon um 13:00 gegangen sei, ich hätte doch bis 14:00 arbeiten müssen. Hä, was will der denn von mir, dachte ich erst, aber natürlich hatte er Recht, ich hatte das Balkendiagramm falsch gelesen und musste tatsächlich jeden Tag 6h Dienst schieben, also eine 30h Woche. Begründet wurde die Mehrarbeit mit Krankheitsfällen. Null problemo, dachte ich, das kann vorkommen, die Woche kriege ich schon rum. Nächste Woche wird der Plan bestimmt wieder normal sein. Doch als ich Donnerstag meinen Plan für die KW 42 in den Händen hielt, traf mich der Schlag. Nicht nur, dass ich wieder von Mo-Fr 30h arbeiten soll, das wäre ja noch in Ordnung. Nein, ich soll dazu auch noch Sonntag 9h am Stück Dienst schieben! Eine 6-Tage Woche mit einer 9h Stunden Schicht. HHHHIIIIIILLLLFFFEEE Wegen des geringen Callaufkommens habe ich diese Sonntagschicht ohne misanthropische Hassattacke überlebt. [...]

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