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Elend zu Ende – Leben beginnt

6. April 2009

cEs wird höchste Zeit, dass ich mich in meinem Blog wieder zu Wort melde.
Der Grund für mein langes Schweigen ist das beherrschende Thema der letzten Monate: die Chemotherapie.
Das giftige Carboplatin saugte mich aus, stahl mir meine Lebenskraft, meine Kreativität und Motivation. Selbst nachdem die vier schlimmsten Übeltage vorbei waren, steckte in mir eine zur Passivität verdammende Schlaffheit und Antriebslosigkeit.
Die meiste Zeit des Tages suhlte ich mich als Couchpotato auf dem Sofa, las Krimis, schaute Fernsehen oder DVD (CSI-Folgen und die erste Staffel von LOST, die ich mir gegönnt hatte, da ich seit der vierten Staffel endlich kapiert habe, was für eine originelle Serie das ist.)
Den ursprünglichen drei-Wochen-Rhythmus zwischen den Infusionen hatte ich auf vier Wochen verlängert. Doch wenn ich mich nach den vier Wochen endlich aufgerappelt hatte und die Lebenskraft in mich zurück strömte, kam schon die nächste Giftdusche und warf mich darnierder.

Endlich, am 17.März, bekam ich die fünfte und letzte Infusion. Normalerweise werden sechs Zyklen gegeben, aber noch eine Infusion mehr, hätte ich nicht ausgehalten und wie schon beim erstenmal 2007 hatte die Chemotherapie bei mir sehr gut angeschlagen. Wie um mich in meiner Entscheidung zu bestätigen, verlief die letzte Chemo mit Komplikationen.
Der 2007 für die Infusionen unterhalb meiner Clavicula eingesetzte Port funktionierte nie richtig und ist schon seit dem Ende der ersten Chemotherapie unbrauchbar verstopft. Deshalb musste alle Infusionen der zweiten Chemo direkt in meine Armvenen gegeben werden. Man kennt das ja von den Junkies, ziemlich schnell sind die Venen kaputt gestochen, vernarbt und weigern sich, weiter malträtiert zu werden.
So stocherte die Arzthelferin in drei verschiedenen Armvenen herum, bis sie ihre Kanüle endlich untergebracht hatte. Früher war ich beim Venenanstechen nicht so empfindlich, aber mittlerweile ist es mir zum Graus geworden.
Wie sich dann zeigte, tröpfelte die Infusion im Schneckentempo in meine Ader hinein. Als ich deshalb die Klammer am Schlauch, die die Geschwindigkeit reguliert, auf Maximum aufdrehte, wurde ich von der Seite angemacht. Ein alter Patient warnte mich, ich solle es nicht so schnell laufen lasse. Als ich erwiderte, dies sei wohl meine Sache, antwortete er: „Finden sie?“. Hä, wessen Sache soll es denn sonst sein! Der Gipfel war, dass meine Infusion voll aufgedreht immer noch viel langsamer tropfte als seine.
Die Schwester rüttelte ein paar mal als Beschleunigungshilfe an meinen Schläuchen. Ich will einfach so schnell wie möglich diese Giftdusche hinter mir haben und habe nicht die geringste Geduld dabei.
However, schließlich war der Spuk vorbei und ich schaute noch bei meinem Doc vorbei. Mittlerweile kennt er mich mit Namen, was bei der Patientenfülle nicht selbstverständlich ist. Nach nur drei Zyklen war der Tumormarker CA-125 auf 25 geschrumpft (Ausgangswert 2150). Neuere Werte lagen noch nicht vor.

Schulmedizin assoziiere ich mittlerweile mit zerstochenen Venen und vor allem Übelkeit. Ich hatte eine psychogene Übelkeit entwickelt. Wenn ich durch einen Gegenstand an den Chemo-Tag erinnert wurde, stach mir eine latentes Übelgefühl in den Magen.
Noch war nicht alles vorbei. Am 01.April musste ich zur Computer-Tomographie. Würg, das bedeutete wieder einen Liter Kontrastmittel trinken, wovon mir immer schlecht und schummerig wird. Eine Stunde habe ich Zeit, um die Salzbrühe in mich hinein zu würgen. Diesmal musste ich noch beinahe eine weitere Stunde warten, bis ich endlich zur Untersuchung gebeten wurde. Wieder wurde in meinen Venen herum gepiekst, um mir ein weiteres Kontrastmittel zu spritzen, es war furchtbar.

Zu Beginn der zweiten Chemotherapie hatte ich noch herrliche Venen, welche die Arzthelferin als Kabel bezeichnete, weil sie schön dick und treffsicher waren. Diese Zeiten sind vorbei.

Die Radiologin, welche die CT durchführt, ist sehr freundlich. Ich fühlte mich geschmeichelt, als sie mir sagte, sie könne sich an mich erinnern. Ich sei ihr durch meine Kleidung und mein Gesicht aufgefallen. Ja, ja, ich hinterlasse oft einen bleibenden Eindruck. Das ist mir wichtig, denn wenn man nicht gesehen wird, ist es, als ob man nicht existiere.
Wenn der Kampf mit dem Kontrastmittel nicht wäre, der übrigens nur bei der Aufnahme des Abdomens gefochten werden muss, wäre eine CT eine lustige Sache. Man liegt mit dem Kopf auf einem weichen Kissen auf einer Art Bahre, die dann unter das kreisförmige Gerät geschoben wird. Während der Untersuchung muss man mehrmals die Luft anhalten und schon ist es vorbei.

Die Besprechung des Ergebnisses bei meinem Onkologen war am 03.April.
Schon wieder wurden meine Venen gequält. Wenigstens wird beim Blutabzapfen nicht so tief gestochen. Noch immer habe ich ein Hämatom in der Armbeuge davon.
Mein Doc freute sich darüber, mir die gute Nachricht überbringen zu dürfen, dass die Metastasen (makroskopisch) verschwunden sind. Sowohl die Tumoren in der Leber als auch im Becken und selbst der 4cm Knollen an meinem aufsteigenden Dickdarm waren nicht mehr nachweisbar.
Der Tumormarker betrug nach dem vierten Zyklus nur noch 13.
Dies sei ein ungewöhnlich guter Verlauf, meinte der Doc. Ich bemerkte: „Offenbar will das Universum, dass ich noch eine Weile lebe“. Er fragte mich, ob ich nach sechs oder acht Wochen wiederkommen möchte? Nach acht Wochen bitte, da hat er gelacht. Nach der ersten Chemotherapie waren die Untersuchungsabstände noch vierteljährlich, offenbar wird das Kontrollnetz nach einem Rezidiv engmaschiger, weil das Risiko eines weiteren Rezidivs höher ist und die Rezidive schneller aufeinander folgen.
Zum Schluss verabschiedete er sich mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen noch viel Spaß im Universum“.

In der Tat habe ich gerade keine Zeit für Gevatter Tod und muss noch einiges Erledigen. Wie schnell der Krebstod kommen kann, zeigt das Beispiel des englischen Medienstars Jade Goody, die bereits ein halbes Jahr nach ihrer Diagnose an Gebärmutterhalskrebs starb.

Während der Chemo-Zeit war an Roman schreiben nicht zu denken. Ich war völlig blockiert. Ich bin froh, dass ich es in mühsamer Kleinarbeit fertig gebracht habe, mein Kostüm für die FedCon zu schneidern.
Dank meines Kontaktes zu Ulrike gibt es zwei Projekte, in die ich mein Herzblut fließen lassen kann. Das motiviert mich sehr und ein Kreativitätsschub bringt meinen dicken Hintern endlich wieder in die Gänge, nicht zu vergessen, ihr Knoblauch-Zitronen-Wundertrunk, der mir das Gift aus den Leibhöhlen putzt und mich wieder munter macht. Endlich wird mein planetenreiches zehntes Haus gebauchpinselt, welches danach lechzt, sich in der Öffentlichkeit zu profilieren.

Ich möchte mit Ulrike eine Gruppe für kreatives Schreiben gründen. Es ist auch schon alles in die Wege geleitet. Als Plattform dient uns der Mörfelder Frauentreff. Wir haben gemeinsam ein Plakat entworfen, das nebst Pressemitteilung in den nächsten Tagen in der Öffentlichkeit auftauchen wird. Bereits am 20.April veranstalten wir einen Infoabend. Meine größte Angst ist, dass keine Interessentinnen kommen, auch wenn jeder meint, diese Angst ist unbegründet.
Ich werde natürlich noch genauer darüber in einem eigenen Blogeintrag berichten.

Bei dem zweiten Projekt handelt es sich um eine Feier an Walpurgisnacht. Es ist doch mal wieder so: ich will Walpurgisnacht feiern, aber es gibt in der Gegend kein Hexenfest. Da hilft nur selber machen. Mein Vorschlag ist beim Frauentreff auf fruchtbaren Boden gefallen. Ich werde einen kurzen Vortrag halten, Räuchern, ein Ritual durchführen und mit den Frauen tanzen. Alles natürlich im Gala-Hexenoutfit nebst Hut und Besen. :zauber:
Auch dazu mehr in einem extra Eintrag.

Direkt an Walpurgisnacht schließt sich vom 01.bis 03.Mai die FedCon an, für die ich die Choreographie für einen höfischen Tanz, den Raven und ich beim Kostümwettbewerb aufführen werden, gestalten will.

Also, mein Rendezvous mit Gevatter Tod muss ich um etliche Zeit verschieben, ich bin gerade mit Leben beschäfftigt.

Der Beitrag wurde am Montag 6. April 2009 um 14:00 veröffentlicht und wurde unter Aus der Unterwelt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

3 Kommentare

  • FrankFrank sagt:

    Guten Abend, liebe Persephone,

    endlich wieder ein Blog von Dir, der zeigt, daß Dich das Leben und die beiden mauzeligen kleinen Herrn Q.d.L und A, aus O. in Gänze wieder haben. Außerdem hast hast Du auch die Lebensaufgabe – denke und fühle ich – zum Verdruß von Gevatter Tod noch etlice Jährchen in Freude von Deinen kommenden Romantantiemen zu leben

    Ganz liebe und knuddlige Grüße von einem sehr spät aus dem Stall kommenden Frank

    P.S: Phoebes Bäuchlein rundet sich, und die kleine Vandana hat Ihr Rendevous mit Gevatter Tod auch in weite Zukunft verschoben.

  • MarayaMaraya sagt:

    Hallo, Persephoné

    fein, wieder von dir lesen zu können – ich hab dich schon vermisst :wink

  • PersephonePersephone sagt:

    @Frank
    Ich freue mich auf Phoebes Nachwusch und bin froh, Vandana wieder in guter Gesundheit zu wissen.
    Nachdem ich die Narzisstin abgeschüttelt habe, werde ich hoffentlich wieder Roman schreiben können.

    @Maraya
    DAs freut mich sehr! :top

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