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Persephones Welt » Der Dalai Lama vor der Haustür

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Der Dalai Lama vor der Haustür

5. August 2009

Unter dem Titel: Die Kunst des Lebens weilte Tenzin Gyatso, der vierzehnte Daila Lama vom 30. Juli bis 02.August 2009 im Frankfurter Waldstadion.
Raven und ich wollten schon lange, den Daila Lama einmal live erleben. Welche bessere Gelegenheit konnte es geben, kam er nun fast vor meine Haustür. Das Waldstadion liegt von mir aus gesehen näher als Frankfurt.
Wir hatten uns für eine sogenannte Teaching-Karte entschieden, die uns für je 45€ den Eintritt für die Tagesveranstaltung der ersten beide Tage gewährte, in der der Daila Lama eine Unterweisung und einen Segen (Ermächtigung) geben würde. Raven reiste bereits am 28.Juli an und wir vertrieben uns die Zeit mit Eis essen, Besuch in der Titus-Therme und DVD schauen.

30.Juli 2009, Donnerstag

Müde krochen wir um 07:00 morgens aus unseren Betten. Ich würgte ein Brötchen hinunter und nahm ein zweites Brötchen als Proviant sowie eine kleine Wasserflasche mit.
Die S-Bahn um 08:15 brachte uns in wenigen Minuten zur Haltestelle Stadion. Auch andere Personen, darunter viele Holländer, die aussahen, als wollten sie zum Daila Lama, stiegen ein. Von der Haltestelle Stadion aus mussten wir noch ein ganzes Stück gehen, bis wir zum Eingang des Geländes gelangten. Dort war eine Taschenkontrolle angesagt, die einerseits nicht sehr gründlich war, so wurde über meinen Rucksack meine Handtasche vergessen, andererseits aber sehr penibel war, wenn es um Essen und Getränke ging. Alle Flaschen mussten in die bereit gestellten Mülleimer geworfen werden (man denke an die Verluste durch Pfand). Thermoskannen wurden in einem winzigen Häuschen verschlossen.
Grund dieser unseligen Aktion ist natürlich die Profitgier. Die Besucher sollen genötigt werden, überteuerte Getränke im Stadion zu kaufen, an diesem heißen Sommertag eine sichere Einnahmequelle. Dieses Profitstreben passt natürlich nicht zum Buddhismus, aber die Veranstalter können nichts dafür, das sind Vorgaben des Veranstaltungsortes. Dennoch überschattete dieses Gebahren die ganze Veranstaltung.
Ich weigerte mich, meine Flasche weg zu werfen, zückte meinen Schwerbehindertenausweis und erklärte, ich brauche mein Wasser zur Medikamenteneinnahme, was auch den Tatsachen entsprach. Zähneknirschend ließ man mich mit Wasserflasche passieren.

Auf dem Gelände tummelten sich Menschenmengen. Raven entdeckte eine weitere Besonderheit: Getränke und Essen konnte man nicht bar bezahlen. Vielmehr musste man bei Trägern eines grünen T-Shirts eine Chipkarte erwerben und diese gegen Zahlung eines beliebigen Betrages aufladen. Erst dachte ich: Noch so eine Unannehmlichkeit, aber nein, denn so geht das Bezahlen viel schneller als mit Bargeld und die Wartezeit wird verkürzt.
Irgendwie bekamen wir mit, dass unser print@home Ticket nicht ausreichte, um in das Stadion zu gelangen, nein, wir mussten uns an eine lange Schlange anstellen, um ein gelbes Ticket mit der Aufschrift: Zugangsberechtigung zum Stadion – Nur gültig in Verbindung mit Ihrem print@home Ticket zu erhalten. Weshalb, wieso, warum? Ein Sinn des ganzen war nicht erkennbar.
Die Flaschen-Vernichtungsaktion am Eingang zeigte derweil Erfolg. Raven kaufte sich einen 0,5 Liter Becher Apfelschorle für 3,70€, kleinere Getränke gab es nicht.

Am Eingang zum Stadiongebäude mussten wir nochmal eine Kontrolle passieren. Wieder musste ich mein Sprüchlein aufsagen und mit meinem Behindertenausweis schwenken. Diesmal wurde sogar mein Brötchen entdeckt und ich musste es wegwerfen! Nahrung wegwerfen, was für eine Schande! Was für ein Zeichen dieses dunklen Zeitalters!
Noch schlimmer traf es jedoch Raven, denn sie durfte ihr eben gekauftes Getränk nicht mit ins Stadion nehmen, entweder schnell in sich reinwürgen oder wegschütten. ??? Was sollte denn dieser Schwachsinn? Im Stadion selbst gab es einen Verkaufsstand für Getränke. Grund kann also nur sein, dass die Verkäufer auf dem Gelände in Konkurrenz stehen zu Verkäufern im Stadion und dass die Stadionverkäufer das Monopol auf Getränke im Stadion haben. Was für ein Schwachsinn, Ausgeburt des Kapitalismus, ein denkbar unbuddhistischer Auftakt zu einer buddhistischen Veranstaltung.

Wir hatten Plätze auf der Osttribüne gebucht. Die Bühne mit dem Thron des Daila Lamas lag auf der anderen Seite vor der Westtribüne, so weit von uns entfernt, dass die Menschen dort klein wie Playmobil-Männchen wirkten. Nur über große Bildschirme konnte man das Treiben auf der Bühne erkennen.
Die Osttribüne war ziemlich voll, während auf Haupt- und Gegentribüne nur vereinzelt jemand saß. Viele saßen auf den Stuhlreihen auf dem Fußballrasen, aber insgesamt wirkte das Stadion leer und überdimensioniert. Gar nicht auszudenken wie übervölkert das Gelände bei einem ausverkauften Stadion gewesen wäre. Hatten die Veranstalter mit mehr Besuchern gerechnet? 55.000 Personen passen in das Stadion. Nach dem Event wurden die Besucherzahlen über alle vier Tage mit ca. 50.000 angegeben.
Die kleine Sitze mit der nur angedeuteten Rückenlehne waren eng und ungemütlich, machten Rückenschmerzen und ließen ein Gefühl von Hühner-KZ aufkommen.

Mit einer viertel Stunde Verspätung ging es um 09:45 los. Diverse Begrüßungsreden, darunter eine Rede von Petra Roth, der CDU-Oberbürgermeisterin von Frankfurt. Ich dachte mir nur, was hat eine Politikerin, auch noch von der CDU, hier zu suchen? Aber das ist nicht das einzige, was mich am Dalai Lama zweifeln lässt.
Er sprach seine Eröffnungsrede auf englisch, das Teaching auf tibetisch, was dann von einem Übersetzer ins Deutsche übertragen wurde. Manchmal übertönten die grollenden Flugzeuge des nahen Flughafens die Lautsprecher im Stadion.
Gleich zu Beginn machte sich der Daila Lama bei mir unbeliebt. Er halte es für besser, wenn die Menschen in der Religion bleiben, in der sie hinein geboren werden, an statt zum Buddhismus zu wechseln. Er räumt zwar ein, dass die Wahl der Religion eine individuelle Entscheidung ist, die niemanden vorgeschrieben werden darf und dass der Buddhismus für einzelne westliche Menschen der richtige Weg sei, doch dürfe man nie den Respekt vor der Religion seiner Kultur verlieren.
Mit der Religion unserer Kultur meint er natürlich das Christentum, obwohl selbiges mit Gewalt und Krieg nach Germanien gebracht wurde und eben nicht unsere ursprüngliche Religion ist. Im Gegensatz zum Buddhismus haben die Monotheisten den Anspruch, die absolute Wahrheit zu besitzen und sagen, alle die sich nicht zu ihrem Gott bekennen, fallen der ewigen Verdammnis anheim. Monotheisten wollen anderen ihren Glauben aufzwingen, führen darum Kriege und verbrennen Abweichler auf Scheiterhaufen. Wer die Geschichte der Kirche betrachtet wird sie als eine Geschichte des Bösen erkennen. Und davor soll ich Respekt haben? Zu dieser Religion soll ich mich bekennen, weil ich zufällig, nein nicht zufällig, weil mein Karma mich in ein Land geführt hat, in dem diese Religion herrscht? Ich besitze aber den freien Willen und kann mich für eine andere Religion entscheiden, die ethisch höher stehender ist!
Die Kirchen haben die Lehre Jesu pervertiert. Natürlich findet sich noch ein Echo von Jesus Lehre in der Kirche und so gibt es einzelne Persönlichkeiten oder einzelne Organisationen innerhalb der Kirchen, die Gutes bewirken, aber im Großen und Ganzen sind die Kirchen Teufelswerk.
So sagt es Persephone, eine bekennende Heidin.

Nun zumindest war das kein guter Auftakt und entfernte mich ein Stück vom Daila Lama. Selig lächelnd saß er die ganze Zeit im Schneidersitz auf dem Thron und erzählte mit herzlicher Selbstironie über sich selbst. Es ist immer ein Zeichen von Weisheit, wenn man sich selbst nicht ganz ernst nimmt. Er habe immer noch den selben Körper wie bei seinem letzten Besuch, nur ein kleines Stück fehle ihm, seine Gallenblase. Er hoffe, sein Gehirn funktioniere noch gut. Wer ihn von früher kennt solle auf sein Verhalten achten und ihm bescheid sagen, wenn er anfinge, sich seltsam zu verhalten. Zwischendurch intonierten die Mönche einen für europäische Ohren seltsamen Singsang und schließlich begann er mit dem Teaching; Erklärungen zu dem Text: Die mittleren Stufen der Meditation von Acharya Kamalashila. Er verwende diesen Text gerne, weil er ihn gut kenne und so weniger homework zu tun habe. “I´m a lazy person”, sagte er schmunzelnd.

Ich bin ein visueller Lerntyp. Für mich zählt nur das geschriebene Wort, bei Erzählungen ohne schriftliche Unterstützung, schweift mein rastloser Geist sofort ab. Deshalb war ich froh, als pünktlich um 11:30 die Mittagspause anfing. Ja, ja, ich habe noch viel Meditation nötig.
Raven und ich besorgten uns je eine Tüte mit diversen Prospekten, dem Programm und eben dem Teaching-Text.
Hunger! Aber es war fast unmöglich, an etwas Essbares heran zu kommen. An allen Ständen auf dem Gelände hatten sich riesige Schlangen gebildet. Vor lauter Not wollte ich mir wenigstens eine Brezel holen, in der Hoffnung, dass es dort schneller ginge. Doch noch bevor ich mich in die Warteschlange einreihen konnte, hieß es, Brezeln ausverkauft.
Wir gingen schließlich ins Stadion zurück, um uns dort an einem Verkaufsschalter anzustellen, hier war es schattig und die Wartereihe kürzer. Vor uns standen zwei Damen, die sich ein Getränk kaufen wollten. Es stellte sich heraus, dass sie keine pay-Karte hatten, weil sie nichts davon wussten. Sie baten mich, meine pay-Karte benutzen zu dürfen und gaben mir Geld dafür, dabei machte ich sogar einen kleinen Gewinn.
Als wir endlich an der Reihe waren, hieß es: ätschebätsch, es gibt kein Essen mehr. Alles, was wir noch ergattern konnten, waren ein Muffin und ein Donat. Einerseits musste ich mein Brötchen wegwerfen, andererseits gibt es nicht genug Essen zu kaufen. Mit leerem Magen studiert es sich nicht gut, siehe Maslows Bedürfnispyramide.
Immerhin, in einer Sache hatten die buddhistischen Veranstalter ihre ethischen Grundsätze durchgesetzt: es gab ausschließlich vegetarische Speisen. Auch der Stadionschalter, der sonst Würstchen verkauft, hatte nur Mahlzeiten ohne totes Tier im Angebot.

Zwischendurch traffen wir Jos, eine Bekannte von Raven und unterhielten uns eine Weile mit ihr. In ihrem Blog war Raven damals auf diese Veranstaltung Aufmerksam geworden.
Schließlich wollten wir uns die Stände mit Büchern und asiatischem Allerlei ansehen, die auf dem Gelände so aufgestellt waren, dass sie eine Gasse bildeten. Die Gasse war so verstopft, dass man nicht mehr zu den Ständen reichte und in einem Thrombosepfropfen stecken blieb. Überreizt suchten wir das Weite.
Beide waren wir erschöpft, hatten Schmerzen, litten unter der Hitze und so beschlossen wir, nach dem Ende der Mittagspause um 14:00, nicht ins Stadion zurück zu kehren sondern die dann leeren Stände abzulaufen und dann nach Hause zu fahren.
Der ganze asiatische Kruschelkram interessierte mich wenig, denn als Wotanstochter bin ich der germanisch-keltischen Symbolik zu getan. Aber es gab Bücher zu kaufen und Bücher gehen immer. Raven kaufte sich ein Buch über Karma und ich: “Das tibetische Buch vom Leben und Sterben – ein Schlüssel zum tieferen Verständnis von Leben und Tod” von Sogyal Rinpoche.
Ich freue mich schon darauf, es zu lesen.

Wir gingen nicht nach Hause, sondern schlurften mit letzter Kraft nach Hause und fielen erschöpft in unsere Betten. Nachdem wir uns etwas erholt hatten, besprachen wir unsere Einstellung zum Buddhismus, was uns gefällt und nicht gefällt. Dazu später mehr.

31.Juli 2009, Freitag

Diesmal nahmen wir keine Nahrungsmittel mehr mit. Ich kaufte am Stadionschalter ein Wasser für Raven und einen Kaffee für mich. Die Summe entsprach genau meinem Restbetrag auf der pay-Karte.
Als wir den Innenraum des Stadions um 9:20 betraten, hatte der Daila Lama schon angefangen. Es sei bekannt, dass er manchmal früher beginne, so stand es sogar in der FAQ der Veranstalterseite. Ich glaube, er machte so eine Art Morgenritual. Auf jeden Fall kam ein wenig Energie bei mir an.

Die Sitze erschienen mir noch unbequemer als am Vortag, vor allem aber machte mir das Eingepferchtsein zwischen den Menschenmengen zu schaffen. Aus diesem Grund buche ich sonst immer Plätze am Rand, aber offenbar waren keine mehr frei gewesen und ich hatte inmitten der Reihe buchen müssen. Es bereitet mir Unbehagen, wenn ich meinen Fluchtweg von Menschen versperrt sehe. Die Reihen waren so eng, dass kein Gang mehr übrig blieb, wer raus wollte, musste alle Leute aufscheuchen. Das tat ich dann auch nach einer Stunde.
Mir war etwas schlecht und es grummelte in meinem Bauch. Welche Befreiung war es, nicht mehr eingeschlossen zu sein. Ich blieb eine Weile außerhalb der Reihen stehen, lauschte dem Daila Lama, setzte mich draus auf den gemütlichen Betonboden und kam wieder herein, als er seine Ermächtigung, für Laien als Segen zu verstehen, sprach.
Raven und ich hatten uns vorgenommen, wieder auf das Nachmittag-Teaching zu verzichten. Wir sind leider beide schwach und von Krankheit gezeichnet, so dass wir nicht die Ausdauer eines gesunden Menschen haben und uns nicht zu Letzt wegen unserer Hochsensitivität bei Großveranstaltungen schnell überfordert fühlen.

Es war ein Ereignis, den Daila Lama einmal live zu erleben, aber kein Funke sprang über, eine spirituelle Inspiration habe ich nicht mit genommen, das ist bei einer Großveranstaltung wohl schwer möglich. Unter den zahlreichen öffentlichen Personen, die es auf der Welt gibt, ist er ein Sympathieträger. Er ist das lächelnde Gesicht des Buddhismus und inspiriert interessierte Menschen konfessionsübergreifend. In der vorherrschenden materiellen Weltsicht ist er eine gewichtige Stimme der Spiritualität.

Ich habe einen Artikel gefunden, der die Veranstaltung als Kommerzialisierung des Daila Lama kritisiert. Die Veranstalter wollten damit Geld verdienen, heißt es, und zum Beweis werden die hohen Eintrittspreise ins Feld geführt. Autor der Kritik ist Klaus Hofmeister von der hr-Kirchenredaktion. Soll das Event etwa schlecht gemacht werden, weil die Kirche die Konkurrenz des Buddhismus fürchtet?
Ich finde die Eintrittspreise keineswegs überteuert. Für meine Zweitageskarte habe ich 45€ bezahlt. Eintageskarten gibt es für 29€. Das ist bei den heute üblichen Eintrittspreisen nicht ungewöhnlich hoch. Möchte jemand alle vier Tage plus Abendprogramm mit Vorträgen erleben, muss er natürlich tiefer in die Tasche greifen, da werden dann ca. 200€ fällig. Dem Gegenüber stehen immense Kosten. Das Waldstadion ist bestimmt kein billiger Veranstaltungsort und die Referenten der Abendvorträge und Diskussionspartner wollen auch bezahlt werden oder müssen zumindest herbei geschafft werden. Viele Menschen haben in ehrenamtlicher Arbeit dieses Event erst möglich gemacht.
Laut Veranstalter gibt es sogar ein minus von 200.000 Euro, weshalb zu Spenden aufgerufen wurde. Und sollte es am Ende einen Überschuß geben, wird der sowieso einem guten Zweck gespendet, was der Kirchenredakteur mit einem *angeblich* kommentiert, so als zweifele er an der Aufrichtigkeit der Veranstalter, zu denen die Deutsche Buddhistische Union, Pagode Phat Hue und das Tibethaus Deutschland gehören.
Ich glaube nicht, dass dies alles eine Lüge ist, um damit Geld zu scheffeln. Außer den Eintrittspreisen, die ja immer relativ zu den Kosten gesehen werden müssen, hat Herr Hofmeister kein Argument ins Feld geführt, welches seine Behauptung unterstützt.
Wenn ein Kirchenredakteur es nötig hat, solchen Unsinn zu verbreiten, bestätigt das nur meine schlechte Meinung über die Kirche, die sich besser an ihre eigene Nasen fassen sollte. Wallfahrtsorte wie Lourdes leben schließlich vom christlichen Tourismus und verkaufen allerlei Kitsch im Namen der Jungfrau Maria.

Die Schattenseite des Daila Lama

Bei der Recherche zu diesem Eintrag stieß ich auf einen Artikel bei hr-online, in dem es heißt, der Dalai Lama sei seit zwanzig Jahren mit Roland Koch, CDU-Ministerpräsident von Hessen, befreundet. Roland Koch ist ein Unsympath, mein absoluter Hass-Politiker, ein gieriger Kapitalist, der uneinsichtig die Zerstörung meiner Heimat durch den größenwahnsinnigen Ausbau des Frankfurter Flughafens voran treibt, der Bürgerwillen missachtet, unsere Wälder ermordet, Luft und Boden vergiftet – alles für den Fortschritt des Materialismus. Von der buddhistischen Lehre ist der Kirchenchrist diametral entfernt.
Aber es kommt noch schlimmer: Der Dalai Lama liebt George W. Bush. Bei einem Treffen sei ihm Bush der Erzkapitalist, Ölmagnat, Kriegstreiber und öffentlicher Lügner sofort sympathisch gewesen.
Überhaupt schmücken sich Politiker gerne mit dem populären Tibetmönch, wenn ihnen ihre Wirtschaftsinteressen an China nicht gerade wichtiger sind. Beliebig lässt sich der Dalai Lama von allen vereinnahmen, lächelt milde in die Kamera und erhöht für den Augenblick das Prestige des Politikers. Der Dalai Lama als Wahlhelfer. Übrigens gehörte auch Shoko Asahara, Guru der terroristischen Aum-Sekte, die 1995 einen Giftgasanschlag auf die U-Bahn von Tokio verübte zum Freundeskreis des Exiltibeters.

Während er im Westen von seiner Fangemeinde umjubelt wird, regiert er seine Exiltibeter wie ein absolutistischer Potentat. Mir fiel das Magazin *STERN* in die Hände mit einer kritischen Titelstory über den Dalai Lama.
Hier wird von der ersten unabhängigen Zeitung Mang-Tso (Demokratie) im nordindischen Exil berichtet. Die Redakteure mussten wegen ihrer kritischen Berichterstattung Morddrohungen hinnehmen, aber sie ließen sich nicht einschüchtern. Als sie nach dem Giftgasanschlag in Tokio über die Verbindung des Dalai Lama zu Shoko Asahara berichtete, setzten die religiösen Autoritäten die Zeitung so unter Druck, dass sie dicht machen musste.

Während der Ermächtigung am 31.Juli in Frankfurt erklärte der Dalai Lama, dass niemand, der den tibetischen Schutzheiligen Dorje Shugden verehre sein Schüler sein dürfe. Er lehne Dorje Shugden ab, weil er eine böse Aura habe. Ich dachte mir, warum erwähnt das überhaupt, die meisten Zuschauer dürften kaum jemals von diesem Dorje gehört haben und wer ihn unbedingt verehren wolle, sucht sich eben einen anderen Lehrer.
Wie ich durch den STERN-Artikel erfuhr ist die Dorje-Shugden-Angelegenheit für die Tibeter ein elementares Problem. Das wäre etwa so, als wenn man mir verwehre, weiterhin Wotan zu verheren. Der Schutzheilige genießt bei den Tibetern hohe Verehrung und man muss nicht ein persönlicher Schüler des Dalai Lama sein, um unter das Verbot zu fallen. Im Grunde sollen alle Tibeter, zumindest aber die Exiltibeter Dorje Shugden nicht mehr verehren dürfen. Wer es dennoch tut, wird diskriminiert.
Während er im Westen Religionsfreiheit predigt und Toleranz predigt, setzt der Dalai Lama bei seinen Untertanen seine Sicht auf den Glauben durch und verfolgt Andersgläubige mit Repressalien. Während er sich mit Leuten wie Bush und Koch freundschaftlich verbunden fühlt, zeigt er den Shugden-Anhängern gegenüber keine Kommunikationsbereitschaft.
Der Konflikt ist soweit eskaliert, dass die Shugden-Verehrer beim Obersten Gerichtshof von Neu-Dehli Klage gegen den Dalai Lama wegen Verstoß gegen die Religionsfreiheit erhoben haben.

Nach all dem kann ich nur sagen, der Dalai Lama ist viel schlechter als sein Ruf. Toll erleuchtet kann er nicht sein. Ich schätze er ist eher von Mächten aus den dunklen Dimensionen des Universums erfüllt. Er glaubt Gutes zu tun und es ist ja auch vieles Gut, was er sagt, lehrt und tut. Aber in dem Guten, welches er tut, ist er doch nur eine Stütze des Dunklen Systems, der Neuen Weltordnung. Meine Sympathie besitzt er nicht mehr, sehr schade, denn ein wirklich von der Liebe Gottes durchdrungener Spiritueller täte der Welt gut. Ach ja, es gibt ja keinen Gott bei den Buddhisten, aber es gibt Mitgefühl und Liebe zu allen Wesen. Die Shugden-Verehrer haben das Mitgefühl des Dalai Lama nicht.

Der Beitrag wurde am Mittwoch 5. August 2009 um 19:06 veröffentlicht und wurde unter Persephones Perspektive abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare sind derzeit geschlossen, aber Du kannst einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

8 Kommentare

  • GohdiGohdi sagt:

    Schöner Bericht. War nicht bei der Veranstaltung dabei, aber kann es mir dank Deines detaillierten Berichtes sehr gut vorstellen.

  • GohdiGohdi sagt:

    hier übrigens noch ein Link zum Shugden Thema : http://www.westernshugdensociety.org/de/

  • PersephonePersephone sagt:

    Dankeschön Gohdi, freut mich, dass mein Bericht Deine Vorstellung beflügelt und natürlich auch danke für den link.

  • JoanaJoana sagt:

    Das Thema Shugden oder nicht, ist denen bekannt, die sich mit Tibet bzw. dem Tibetischen Buddhismus auseinandersetzen. :) Ich fand es interessant, dass der Dalai Lama das am Freitag erwähnte. Der Streit geht übrigens noch auf den 5. Dalai Lama zurück und schwelt und schwelt. Ganz so einfach, wie es sich der Stern gemacht hat, ist es jedoch nicht. Wenn Du Dich näher damit beschäftigen magst, hier ist ein guter Link: http://info-buddhismus.de/Prof.Dr._Michael_von_Brueck_-_Streit_um_Shugden_-_Analyse_einer_tibetischen_Kontroverse.pdf

    Man muss nicht alles lesen, die ersten 4 Seiten fassen es ganz gut zusammen. :) Auch sind die Anhänger nicht nur die armen Unterdrücken. Anfang der 90er gab es einen brutalen Mord an Lobsang Gyatso und zwei seinen Schülern in Dharamsala. Lobsang galt als strenger Gegner des Kultes.
    Und nicht zuletzt fördert die Chinesische Regierung jetzt natürlich den Kult, wo sie nur kann, klar, ist ein willkommenes Fressen für sie.

    Man kann dazu natürlich stehen wie man will, aber der Stern war halt einfach nicht gründlich genug.

    Was Koch und Bush angeht, das ist aber im völligen Einklang mit dem Buddhismus ;) Siehe den Menschen, trenne ihn von seiner Tat, bringe egal wem Mitgefühl entgegen, wende Dich von keinem ab, denn er ist Du und Du bist er. Die Deutschen verlangen auch immer wieder eine Distanzierung von ihm von Harrer und Co, doch das würde den Glaubensgrundsätzen völlig widersprechen. Dass die Herrscher dieser Welt das ausnützen ist klar, sein Büro sagt auch öfters, er sei zu gutmütig, aber er lebt dort zumindest nur das, was der Buddhismus lehrt.

  • PersephonePersephone sagt:

    Hallo Joana,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar.
    Was den Shugden-Konflikt angeht, so ist wohl wie meist bei solchen Streitereien, dass irgendwann beide Seiten Dreck am Stecken haben, weil Gewalt Gegenwalt hervor ruft und am Ende weiß niemand mehr, wer eigentlich angefangen hat.
    Dennoch kann ich es nicht verstehen, wieso die Shugden-Gegner die Shugden-Anhänger nicht einfach in Ruhe lassen. Soll doch jeder den Schutzheiligen verehren, den er will, so lange nicht Tier- oder Menschenopfer dargebracht werden. Im Universum ist Platz für alle.

    Der Dalai Lama kann ja Mitgefühl für solche verunglückten Gestalten wie Bush und Koch haben, aber er lässt es zu, dass solche Leute sich mit ihm schmücken. Würde er ihre Taten scharf genug kritisieren, was angesichts ihres ethischen Verstoßes gegen das Recht auf Leben (Irakkrieg, Umweltzerstörung durch Flughafenausbau) dringend erforderlich wäre, dann würden die beiden Herren ganz schnell Abstand zu ihm nehmen.

    Dafür, dass der Dalai Lama ein so großes Vorbild für alle Buddhisten und auch viele Nicht-Buddhisten ist, verhält er sich meiner Meinung nach nicht konsequent genug. Er will es allen recht machen und macht es am Ende keinem Recht. Es hat mich auch erschreckt, dass er sich nicht wie alle buddhistischen Mönche, die mir bisher begegnet sind, vegetarisch ernährt.

  • PadmaPadma sagt:

    Hi Persephone,

    hab Deinen Link auf der Weisheitsbuddha-Dorje-Shugden-Seite gefunden. Dein Bericht ist wirklich spannend zu lesen und auch die Gedanken, die Du Dir dazu machst, plätschern nicht nur wie bei vielen Leuten auf der Friede-Freude-Eierkuchen-Schiene. Wirklich sehr erfrischend und Du sprichst mir in vielen Punkten aus meiner (nicht vorhandenen) buddhistischen Seele :ok:

    Was den Kommentar von Joana angeht: die Broschüre von Prof. Michael von Brück ist nicht besonders hilfreich. Es ist leider nur eine scheinwissenschaftliche Arbeit, die er als Freundschaftsdienst für den Dalai Lama geschrieben hat. Da er das selbst ganz gut weiss, findest Du diesen Titel nicht unter seiner Liste wissenschaftlicher Publikationen . Interessanter finde ich da den Aufsatz von Ursula Bernis (leider nur auf Englisch), die nicht nur einen Stapel vom Dalai Lama vorgegebener Bücher einsam in der Bibliothek zusammen geschrieben hat, sondern viele Monate selbst inmitten der tibetischen Exilgemeinde verbracht und mit _allen_ Beteiligten gesprochen hat, um sich ein klares Bild zu verschaffen.
    Aber wenn man wirklich 100%tige Neutralität haben möchte, muss man wahrscheinlich wenigstens 10 Tibetologen aus dem deutschsprachigen Raum anschreiben und sie um eine Liste der Literatur mit den neuesten Publikationen im aktuellen Diskussionsstand bitten. Im Klartext: am besten selbst Religionswissenschaftler werden :mr.green:

    Noch drei Fragen an Joana:
    Wenn ein christlicher Mann ein elfjähriges Mädchen entführt, mehrfach vergewaltigt, zwei Kinder mit ihr zeugt und 18 Jahre lang gefangen hält und dann festgenommen wird, wie er gerade christliche Traktate verteilt, wird dann nach gebräuchlichem Recht dieser Mann anschließend verhaftet und eingesperrt, oder gleich eine allgemeine Christenverfolgung in Gang gesetzt (natürlich mit Häuser anzünden, Steckbriefen und allem drum und dran)?
    Wenn der Reichstag brennt und „jeder“ dann am nächsten Tag weiß, dass das die Juden waren, ist das dann der legale Auftakt für eine anschließende Judenverfolgung?
    Wenn ein Mord in Dharamsala geschieht und „jeder“ am nächsten Tag weiß, dass das die Dorje-Shugden-Anhänger waren, obwohl dieser Verdacht bis heute nicht bestätigt ist und sich alle führenden Dorje-Shugden-Organisationen vehement von dieser Tat distanziert haben, gibt das dann irgendjemandem das Recht, ein anschließendes Religionsverbot auszurufen und alle Angehörigen dieser Religion auf übelste Weise, so wie es in Indien und Nepal im Moment derzeit geschieht, zu drangsalieren?

    Die ganze Sache lässt sich halt doch nicht nur mit ein paar Schubladen und Schlagworten abtun. ;)

  • PersephonePersephone sagt:

    Hallo Padma,

    ich danke Dir für Deinen sehr interessanten und aufschlußreichen Kommentar.
    Am Daila Lama und am Shugden-Konflikt scheiden sich offenbar die Geister. Ich habe mir den link von Joana und die links von Dir, Padma, angsehen, aber nicht alles gründlich durchgelesen.
    Man mag zu Shugden stehen wie man will, es steht keinem zu, diesen Kult zu verbieten nur weil man anderer Meinung ist. Und natürlich ist es gefährlicher Unsinn, wenn die Verbrechen eines einzelnen Shugden-Anhängers auf die ganze Shugden-Gemeinde zurückfällt.

    Im Text von Prof. von Brück äußert sich der Daila Lama, Shugden sei nicht mit dem buddhistischen Ziel einer Befreiung von ich-bezogenen Wünschen vereinbar.

    Zitat:
    Ein Buddhimus, der seine geistige Kraft zur Befreiung vom Ego verliert, mutiert zu bloßem Schamanismus oder Geisterglauben

    Das nehme ich ihm übel, denn ich schätze Schamanismus, die Fähigkeit, bewusst die Anderswelt zu bereisen, als sehr hoch und war auch schon auf schamanischer Reise. :spinne:
    Das macht mir den Daila Lama noch unsymphatischer.

    Eine 100% Neutralität scheint bei dem Thema Shugden schwierig zu sein, wenn zwei sich streiten, findet man oft keine objektive Wahrheit mehr, wir leben eben in der Welt der Bedingtheiten und des Relativen.

  • PadmaPadma sagt:

    Hi Persephone,

    Wenn man nur den verschiedenen Streitparteien zuhört, kommt man sicher nur sehr schwer auf einen neutralen Nenner. Aber zum Glück kann man ja auch noch sein eigenes Gehirn verwenden ;)

    Das Argument, dass Dorje Shugden nicht mit dem buddhistischen Ziel einer Befreiung von ich-bezogenen Wünschen vereinbar ist, wird so oder so ähnlich immer wieder verbreitet. Dabei wird im Buddhismus aber immer wieder davon gesprochen, dass letztendlich die Motivation, mit der man eine Gottheit verehrt, das ist, was entscheidet, nicht die Gottheit selbst. Die Gottheit stellt dabei nur ein Mittel zum Zweck dar. Mit einer schlechten Motivation wird nämlich der beste Gott zum Teufel und mit einer guten Motivation der miserabelste Teufel zu einem hilfreichen Gott. Wenn jemand z.B. jeden Abend zu Buddha betet: bitte mach, dass der so und so krank wird und stirbt, dann wird dadurch zwar nicht der Buddha schlecht. Aber es bleibt zu vermuten, dass sich nicht Buddha, sondern eine passendere niedrige Wesenheit dieser Fürbitten gegen entsprechende Bezahlung annimmt. Genauso kann man einen x-beliebigen Dämon anbeten: soabld man ihn als eine Erscheinungsform des Buddha sieht und dabei eine reine, gute Motivation entwickelt, dann wird der Buddha eben auch in dieser Erscheinungsform wirken. Dafür ist er ja der Buddha, dass er über diese Fähigkeiten verfügt. Witzigerweise kann man das überall in den verschiedensten buddhistischen Texten so nachlesen, aber aus irgendeinem Grund ist das alles vergessen, sobald der Dalai Lama wieder von dieser verrückten Geistergeschichte auf dem Niveau tibetischer Schauermärchen anfängt. Manchmal frage ich mich, ob er sich über die Leute und ihren blinden Glauben einfach nur lustig macht, aber dafür ist das, was sich in Indien abspielt, im Moment zu menschenverachtend.

    Letztendlich ist der Buddhismus nur deshalb eine tolerante Religion, weil man weiss, dass die Buddhas letztendlich in jeder Gestalt und Erscheinungsform in der Lage sind, den Lebewesen zu helfen. Der Buddhismus als Religion stellt dabei eine hilfreiche Philosphie zur Verfügung, aber man kann tatsächlich die höchsten buddhistischen Ziele mit jeder Religion erreichen, sogar mit Dorje Shugden. Sonst wäre es doch zynisch, wenn der Dalai Lama den Leuten sagt, dass sie ihre Religion nicht wechseln sollen, oder? :lolly:

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